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Olympische Winterspiele : „Der Gigantismus frisst uns auf“

Ein nicht öffnender fünfter Ring in Sotschi dient als Symbol für die schwindende Strahlkraft der Olympischen Bewegung Bild: dpa

Das Image des IOC ist schlecht. Trotzdem hat Kasachstan dank mit Almaty bei der Bewerbung um die Winterspiele 2022 die besten Karten. Der Gigantismus hat die klassischen Wintersportnationen verschreckt.

          Zyniker sagen, man brauche nur zwei Dinge, um ein sportliches Großereignis zu gewinnen: Öl und einen Diktator. Das stimmt zwar nicht immer. Aber immer öfter. Der bisherige Gipfel ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Qatar 2022. Im Fall der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 stimmt die These zumindest ein Stück weit. Und vielleicht liefert das Internationale Olympische Komitee (IOC) schon im kommenden Jahr den nächsten Beleg dafür, wenn die Olympischen Winterspiele 2022 vergeben werden.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Favorit jedenfalls ist Almaty in der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan, einem Land, das nicht nur reiche Ölquellen besitzt, sondern noch viele andere Bodenschätze, und das von Präsident Nursultan Nasarbajew mit strenger Hand und geringem Interesse an Menschenrechten regiert wird. Folglich wirbt Almaty mit finanzieller und politischer „Stabilität“, genau wie das IOC es braucht. Nur mit dem Image der Olympier könnte es bei der Wahl von Almaty schwierig werden, und das hat in letzter Zeit sowieso schon schwer gelitten.

          „Es ist der schockierende Gigantismus“

          „Das Image des IOC ist schlecht“, sagt Gian-Franco Kasper, der Schweizer Präsident des Internationalen Skiverbandes (Fis). Er erlebt das am eigenen Leib, schließlich ist er selbst IOC-Mitglied. Nach seiner Erfahrung ist die politische Kritik am IOC und seinem Präsidenten Thomas Bach, der sich in Sotschi auffallend jovial gegenüber Wladimir Putin zeigte, dabei nicht das Entscheidende. „Es ist der schockierende Gigantismus auch bei den Winterspielen.“

          Die Riesensumme von 50 Milliarden Dollar, für die Russland die imposanten Bauten am Schwarzen Meer und im Kaukasus aus dem Boden gestampft hat, haben vernünftige Wintersport-Interessenten zutiefst verschreckt. „Ich bin überzeugt, dass dieser Gigantismus uns auffrisst, wenn wir nichts dagegen unternehmen“, sagt Kasper, seit vergangenem Dienstag auch Präsident der Vereinigung der Olympischen Wintersportverbände. „Ein zweites Sotschi kann sich praktisch niemand mehr leisten.“

          Die Konsequenzen, sagt er, habe man schon gesehen. Er meint damit die Volksabstimmungen in seiner Heimat Graubünden, in Oberbayern und in Stockholm - überall hat die Bevölkerung geplante Olympiabewerbungen gekippt. Begründung allenthalben: die Kosten. Und der Eindruck, das IOC sei eine „Mafia“, der vor allem von der Vergabe der Fußball-WM an Qatar genährt wird. Die öffentliche Meinung nimmt die Olympier damit in Sippenhaft: Zumindest diese sportpolitische Katastrophe geht allein auf das Konto des Fußball-Weltverbandes Fifa, dessen Präsident Joseph Blatter allerdings IOC-Mitglied ist.

          „Die klassischen Wintersportländer haben kein Interesse mehr“, sagt Kasper. „Nur die Norweger sind noch dran.“ Allerdings scheint auch dort die Bevölkerung nicht mehr hinter der Bewerbung Oslos zu stehen. Anfang der vergangenen Woche veröffentlichte die Zeitung „Klassekampen“ das alarmierende Ergebnis einer Befragung von 1000 Norwegern landesweit: Sechs von zehn sprachen sich gegen Olympia in ihrer Hauptstadt aus, auch in Oslo selbst gebe es keine Mehrheit mehr dafür. „Ganz schlechte Anzeichen“, sagt Kasper.

          An Geld wird es nicht fehlen

          Solche Probleme hat man in Almaty nicht. Die Bevölkerung des Landes ist sich stets einig. Das sieht man immer wieder bei den Präsidentenwahlen. „Eine Umfrage ist nicht nötig, hier gibt es keine Stimme gegen die Bewerbung. Es gibt nur ein paar Leute, die noch nicht verstehen, worum es geht, und denen wir es erklären müssen“, sagte Andrej Kryukow, Exekutivmitglied des Kasachischen Olympischen Komitees, diese Woche am Rande der Netzwerk-Messe „Sportaccord“ im türkischen Badeort Belek. Die Bevölkerung in der Heimat des Rad-Heroen Alexander Winokurow sei jung - und von sich aus sportbegeistert.

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