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Olympische Winterspiele 2014 : IOC-Präsident Bach kritisiert Politiker

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Herausforderung Sotschi: Die ersten Spiele unter Bachs Führung werden begleitet von einer heftigen Diskussion. Der Deutsche fordert Sachlichkeit Bild: dpa

Thomas Bach spricht in der F.A.Z. über Politiker, die Botschaften auf dem Rücken von Athleten transportieren, die umstrittene Vergabe der Winterspiele an Sotschi und Millionen-Zahlungen an ausgebeutete Gastarbeiter.

          Thomas Bach hat die zahlreichen Politiker, die demonstrativ den Olympischen Winterspielen in Sotschi fernbleiben, kritisiert  – und damit indirekt auch den deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck. „Ich finde, wenn Politiker eine politische Botschaft haben, dann sollten sie auch den Mut haben, diese Botschaft im direkten Dialog mit den politisch Verantwortlichen vorzubringen und sie nicht auf dem Rücken der Athleten zu transportieren“, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in einem Interview der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagsausgabe, als E-Paper erhältlich an diesem Sonntag ab 20 Uhr): „Die Spiele sind für die Athleten da und den Sport. Die Athleten sollten von den Politikern unterstützt werden.“

          Der 60 Jahre alte IOC-Präsident ging in dem Interview auf Distanz sowohl zum russischen System als auch zu der Kritik daran. Knapp zwei Wochen vor der Eröffnungsfeier in Sotschi sagte er: „Man darf nicht den Fehler machen, dass man die politische Meinung über ein Land auf die Spiele überträgt.“ Die Mission Olympischer Spiele sei eine andere. „In diesen Tagen zu zeigen, dass ein diskriminierungsfreier, respektvoller Umgang miteinander möglich ist.“ Das IOC könne sehen, dass die „russische Seite“ ihre Zusagen einhalte. Der russische Präsident Wladimir Putin wolle einen Erfolg der Spiele und respektiere „in diesem Zusammenhang“ die Olympische Charta. „Den verbreiteten Begriff „Putin-Spiele“ für das Großereignis in Sotschi kritisierte der 60 Jahre alte Bach als „Schlagwort“: „Es sind Olympische Spiele in Russland.“

          Bach betonte in dem Interview die Rolle des IOC, das sich in Zusammenarbeit mit der Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch sowohl in Umweltfragen als auch im Zusammenhang mit der Ausbeutung von Fremdarbeitern für die Betroffenen stark gemacht habe. „Es hat eine Fülle von Problemen gegeben, aber man sollte auch zur Kenntnis nehmen, dass das IOC sich ihrer angenommen hat, so weit sie mit den Spielen zu tun hatten.“

          Erst kürzlich habe es ein Treffen aufgrund dieser Initiative zwischen dem russischen Vizepremierminister und dem russischen Ombudsmann für Menschenrechte gegeben. „Als Folge wurde eine Übereinkunft erzielt, dass kurzfristig 277 Millionen Rubel (8,34 Millionen Dollar)  an Löhnen nachbezahlt werden.“ Auch die Probleme des Dorfes Achschtyr, das aufgrund der Bauarbeiten von einer Absenkung des Grundwassers betroffen und mangels einer Brücke von der Welt abgeschnitten ist, habe das IOC mit dem Organisationskomitee besprochen. „Die Behörden haben Abhilfe zugesagt.“

          Thomas Bach: „Politiker sollten den Mut haben, ihre Botschaft im direkten Dialog vorzubringen und sie nicht auf dem Rücken der Athleten zu transportieren.“ Bilderstrecke

          Die Empörung der westlichen Länder über das russische Gesetz, das Homosexuelle diskriminiert, sieht Bach als positiven Effekt der Spiele. „Ich verteidige diese Gesetze nicht, dass da kein Zweifel aufkommt. Sie sehen aber gerade, welche Wirkung die  Vergabe der Spiele hervorruft. Die Augen der Welt richten sich darauf“, sagte er. 

          Dem Vorwurf, das IOC habe die Winterspiele aus wirtschaftlichen Erwägungen nach Russland vergeben, widersprach Bach. Das Land habe nach der Auflösung der Sowjetunion wieder ein Wintersportzentrum schaffen wollen. „Das war das Projekt, das dem IOC vorgestellt wurde, und das gewählt worden ist.“  Bach wehrte sich gegen pauschale Kritik  am IOC und den Spielen in Sotschi: „Ich plädiere für eine faktenorientierte Diskussion und vor allen Dingen für eine Diskussion, die der Leistung, der Aufgabe und den Möglichkeiten des IOC gerecht wird“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

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