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Olympische Reformen : Schneller, höher, schlanker

  • -Aktualisiert am

Kopf ins Wasser stecken? Die Synchronschwimmer wollen sich mit Mixed-Wettbewerben retten Bild: Reuters

Olympische Spiele sollen bunter und spannender werden. Irgendwo muss deshalb gekürzt werden. Manche Sportart könnte dabei ihren Charakter verlieren.

          Die Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wirbeln die Sportwelt, kaum in Monte Carlo durchgewinkt, gewaltig durcheinander. Die Fachverbände warten zwar noch auf Einzelheiten. Doch der Kern der von Thomas Bach formulierten 40 Thesen ist erkennbar: Nachhaltigkeit, Attraktivität, Vielfalt oder, drastischer formuliert, weniger Langeweile in einzelnen Disziplinen - das soll die Zukunft der Olympischen Spiele sein. Ein bunteres Programm, aber mit 10.500 Athleten im Sommer als Obergrenze. Ein Spagat, der, so der allgemeine Konsens, nur eine Lösung zulässt: Irgendwo muss gekürzt werden, dies aber am liebsten nur bei den anderen. So manche Sportart könnte dabei komplett ihren Charakter verlieren.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Reiter haben ihre Generalversammlung zwar extra auf das Wochenende nach der IOC-Session verschoben, um dann über einzelne Punkte reden zu können. Große Sprünge sind da aber nicht zu erwarten. Die Reiter fühlen sich stark genug. „Wir können die Punkte allesamt unterschreiben und mit einem Haken versehen“, sagt Sönke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und damit Vertreter einer der Weltnationen des Reitsports. Bei drei Disziplinen mit insgesamt 200 Athleten sehe er absolut keinen Bedarf für Veränderung, sagt er: „Da sind andere weitaus mehr in der Pflicht.“ Und schon der Gedanke, die langwierige Disziplin der Dressur zu verkürzen, weist Lauterbach entschieden zurück: „Dass wir die Natur des Sports nur für ein bisschen Spektakel verändern, kann auch nicht Sinn der Sache sein.“

          Mixed-Wettbewerbe beim Synchronschwimmen

          Ähnlich verhalten in Sachen Streichpotential, aber etwas kooperativer äußern sich da die Schwimmer. Mit fast 1400 Sportlern stellen sie in vier Disziplinen ein beachtliches Aufgebot, binden über ein Achtel aller Athletenplätze. Ob man nicht auf ein paar Distanzen verzichten könnte? Der Internationale Schwimm-Verband hat seine Session erst für den kommenden Herbst angesetzt. „Wir haben nicht die Sorge, dass uns ganze Sportarten abhandenkommen. Auch wenn es sicher sein kann, dass die eine oder andere Strecke künftig nicht mehr oder nur noch im Wechsel geschwommen wird“, sagt Jürgen Fornoff, der Generalsekretär des Deutschen Schwimmer-Verbands. Neben dem Sparpotential auf der Bahn gebe es zumindest schon die Idee, im Wasserball die noch ungleichen Starterfelder anzugleichen. In London 2012 kamen auf zwölf Männerteams acht bei den Frauen.

          Kein Event: Die Reiter sehen sich trotzdem nicht in Gefahr

          „Es wäre gut, wenn wir da Parität reinkriegen“, sagt Fornoff. Ob das nun hieße, bei den einen zu kürzen oder die anderen aufzustocken, ließ er offen - vermutlich könnte er sich die Antwort auch selbst geben. Eine Quoten-Entwicklung entgegengesetzter Art ist dagegen für das Synchronschwimmen angedacht. Dort soll es künftig auch Mixed-Wettbewerbe geben - bislang ist diese Disziplin den Frauen vorbehalten.

          Ski alpin zu Wasser: Die Slalom-Kanuten passen sich an

          Während die einen sich wehren und die Nächsten noch zögern, sind Dritte ein ganzes Stück weiter: Die Kanuten sind längst vorneweggepaddelt. „Zu unserer Freude entsprechen die Reformen genau unseren Ideen“, sagt Thomas Konietzko. Was der Präsident des Deutschen Kanu-Verbands und Leiter der Kommission zur Fortentwicklung des Olympiaprogramms im internationalen Verband (ICF) eigentlich meint: Er wusste, was kommen würde. Konietzko gilt gemeinhin als gut vernetzt, pflegt auch oder insbesondere zu Olympia-Reformer Thomas Bach guten Kontakt.

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