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Olympische Ethik : Die schmutzige Wäsche des IOC

  • -Aktualisiert am

Präsident Jacques Rogge muss mal wieder auf die Selbstreinigungkräfte des Internationalen Olympischen Komitees hoffen Bild: dpa

Zwei Verträge mit Sponsoren aus Südkorea rücken die IOC-Mitglieder Oswald und Cinquanta in trübes Licht - und belasten die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018. Die Ethikkommission ermittelt.

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          So schnell kann's gehen. Gerade noch erzählte Jacques Rogge ganz entspannt, dass er mit Welt-Fußballchef Joseph Blatter am Telefon über dessen hausinternen Korruptionsskandal diskutiert habe. Er hoffe, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zum Abschluss der sportpolitischen Woche in Acapulco, dass er von solchen Problemen verschont bleibe. Das IOC sei schließlich aus dem Skandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 an Salt Lake City als „bessere und transparentere“ Organisation mit scharfem Regelwerk hervorgegangen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Wenige Stunden später erhielt das IOC bereits Gelegenheit, seine Selbstreinigungskräfte zu beweisen. Im Rahmen der Olympiabewerbungen für die Winterspiele 2018 kamen unangenehme Fragen auf den Tisch, die zwar längst keine Fifa-Dimensionen haben, aber doch ein ungutes Licht auf die Methoden des koreanischen Dauer-Kandidaten Pyeongchang werfen und auch zwei hochrangigen IOC-Mitgliedern Probleme bereiten dürften. Zwei Sponsorenverträge koreanischer Firmen mit den Weltverbänden im Rudern und Eislaufen sind so anrüchig, dass die Ethik-Kommission des IOC sich damit beschäftigen wird. Die Koffer von Acapulco waren noch nicht wieder ausgepackt, da musste sich das IOC auch schon um seine schmutzige Wäsche kümmern.

          Zwei Deals, zwei ungute Zusammenhänge

          Die Sache begann ganz harmlos: Zwei hoch erfreute Präsidenten gaben am vergangenen Donnerstag und am Montag auf den Internet-Seiten ihrer Fachverbände die Abschlüsse von jeweils zweijährigen Sponsorverträgen bekannt. Der Schweizer Denis Oswald, Chef des Internationalen Ruderverbandes (Fisa) und Mitglied der IOC-Exekutive war kurz vor den Weltmeisterschaften in Neuseeland mit dem Elektronik-Konzern Samsung ins Geschäft gekommen.

          Der Italiener Ottavio Cinquanta, Weltpräsident der Eisläufer und ebenfalls bewährter Olympier, verbandelte sich kurzfristig mit Korean Air. Samsung wird den Ruder-Weltcup und zwei Weltmeisterschaften unterstützen, Korean Air die Weltserie im Short Track. Sowohl Oswald als auch Cinquanta werden mit abstimmen, wenn im Juli entweder Pyeongchang, München oder Annecy den Zuschlag für die Winterspiele 2018 bekommt. Ihr Einfluss ist enorm: Oswald ist Präsident der Vereinigung der Sommersportverbände, Cinquanta war acht Jahre lang Vorsitzender der Wintersportverbände.

          Korean Air ist offizieller Unterstützer der Bewerbung von Pyeongchang

          Zwei Deals, zwei ungute Zusammenhänge. Samsung ist einer von elf Geldgebern im TOP-Sponsorenprogramm des IOC. Ein solcher Hauptsponsor darf zwar IOC-Mitglieder mit guten Gaben wie etwa Mobiltelefonen beschenken, aber laut Regelwerk nicht für eine Olympiabewerbung aktiv werden. Grenzwertig war deshalb bei der Präsentation der drei Bewerber in der vergangenen Woche in Acapulco bereits die Anwesenheit des ehemaligen Samsung-Chefs Kun Hee Lee auf dem Podium von Pyeongchang, der dem Konzern weiter familiär verbunden ist. Er kam - ganz praktisch - einfach in seiner Eigenschaft als IOC-Mitglied. Das Samsung-Engagement für den Ruderverband könnte den IOC-Ethikern denn doch zu weit gehen.

          Der Abschluss eines Sponsorenvertrags in dieser Phase - acht Monate vor Vergabe der Winterspiele - wirkt allzu durchsichtig. Oswald allerdings, ein Mann, der hinter den Kulissen als möglicher Rogge-Nachfolger angesehen wird, ist fest davon überzeugt, dass nur die Attraktivität seines Sports die Koreaner gelockt hat: „Samsung ist gekommen, um die einmaligen Werte und die angestrebte Breitenwirkung des Ruderns zu würdigen“, ließ er sich von seinem Verband zitieren. Die Vertragsverhandlungen hätten schon vor zwei oder drei Jahren, außerhalb einer heißen Bewerbungsphase, begonnen, sagte er in Acapulco. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich einen Fehler gemacht habe.“ Man könne einem Sportverband schließlich keinen Sponsorenvertrag vorenthalten, nur weil sein Präsident IOC-Mitglied sei.

          „Ich glaube, dass unsere Regeln uns weitgehend schützen“

          Die Fluggesellschaft Korean Air ist kein IOC-Sponsor, sondern offizieller Unterstützer der Bewerbung von Pyeongchang. „Die ISU ist begeistert von dieser Vereinbarung“, wird Eislauf-Präsident Cinquanta auf der Verbands-Website zitiert. Und noch jemand kommt zu Wort: Yang Ho Cho, der Vorsitzende der Airline, erklärt: „Unsere Unterstützung dieses weltweiten Wettbewerbs ist ein Weg, die Wintersportbegeisterung unseres Landes zu zeigen.“ Auf andere Weise hat Cho diese Begeisterung auch in Acapulco gezeigt. Als Chef der Bewerbungsgesellschaft von Pyeongchang pries er dort die Vorteile des koreanischen Skigebiets für die Winterspiele 2018.

          Seit IOC-Mitglieder nicht mehr in die Kandidatenstädte reisen und keine Geschenke annehmen dürfen, versuchen die Bewerber, sie auf indirektem Weg auf ihre Seite zu ziehen. Nette Gespräche sind da nur der Anfang. Die Ethik-Kommission des IOC wird nun die beiden Fälle prüfen und die Betroffenen hören. Die Konsequenzen für unlautere Werbung könnten auch über die übliche Verwarnung hinausgehen. Ein möglicher Imageverlust bei den wahlberechtigten Mitgliedern dürfte jetzt schon gegeben sein. „Ich glaube, dass unsere Regeln uns weitgehend schützen“, sagte Rogge in Acapulco bedächtig. „Aber man kann niemals nie sagen.“

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