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Olympische Baustellen : Die Sklaven von Sotschi

Geschnappt und weiterbefördert: Gastarbeiter werden auf Befehl des Gouverneurs in Scharen eingesammelt und ausgewiesen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat im Februar einen Bericht über die Lage der Bauarbeiter auf den olympischen Baustellen veröffentlicht. Darin sind Fälle systematischer Ausbeutung dokumentiert – wie die von Bauarbeitern, die überhaupt keinen Arbeitsvertrag bekommen hatten. So konnten sie nicht beweisen, dass sie überhaupt auf den Baustellen angestellt sind. Bis zum Sommer wurde trotzdem fast keiner abgeschoben. „Die olympischen Baustellen standen praktisch außerhalb aller Gesetze“, sagt Simonow. Wer dort unter welchen Bedingungen schuftete, kümmerte die Behörden nicht. Über Verletzungen der Rechte von Gastarbeitern habe man keine Informationen, war die offizielle Haltung.

Das hat sich nun geändert. Warum, ist unklar. Daran, dass auf den Baustellen nichts mehr zu tun wäre, kann es jedenfalls nicht liegen. Zu den Objekten, die noch nicht fertig sind, gehört auch das zentrale Objekt des olympischen Parks am Schwarzen Meer, das Stadion „Fisht“, in dem die Feiern zur Eröffnung und zum Abschluss der Spiele stattfinden sollen. Viele Hotels und Unterkünfte für Sicherheitskräfte und freiwillige Helfer sind auch noch nicht fertig, und in der Innenstadt von Sotschi sind in den letzten Wochen viele Straßen aufgerissen worden, weil vor Olympia noch schnell neue Wasserleitungen verlegt werden sollen.

Verdacht auf rassistische Kontrollen

Die großen Baufirmen scheinen die neue, harte Linie des Gouverneurs entspannt zu sehen. Dass sie sich beschwert hätten, ist jedenfalls nicht bekannt. „Offenbar hat irgendjemand ein Interesse daran, dass die Arbeiter in einer solchen Notlage sind, während sie fast wie Sklaven ausgenutzt werden“, sagt der Menschenrechtler Simonow. Die Unternehmen müssen wohl auch keine Strafe befürchten. Simonow sagt, er habe den Eindruck, dass Gastarbeiter mit Arbeitsvertrag oft bei Briefkastenfirmen angestellt seien. Dann sei es sogar für die Staatsanwaltschaft fast unmöglich, eine Verbindung zu den eigentlichen Auftragnehmern herzustellen.

Präsident Wladimir Putin preist beim olympischen Fackellauf in Moskau seine prestigeträchtigen Spiele

Viele kleinere Firmen in Sotschi befürchten allerdings, dass sie bald ohne Arbeiter dastehen könnten. Vertreter der Gebietsverwaltung haben sogar schon öffentlich darüber nachgedacht, ob außer illegal eingereisten Ausländern auch Russen, die nicht in Sotschi registriert sind, vor Olympia die Stadt verlassen sollten. Dabei sind nach Informationen der Boulevardzeitung „Moskowskij Komsomolez“ etwa die Hälfte aller Beschäftigten der Unternehmen in Sotschi Zugereiste. Es gab schon Fälle, in denen die „mobilen Gruppen“ des Gouverneurs bei Kontrollen in Wohnhäusern die Registrierungen russischer Staatsbürger sehen wollten. Simonow meint, dass das Vorgehen der Kontrolleure, zu denen immer auch Freiwillige aus nationalistischen Kosakenorganisationen gehören, meist rassistischen Charakter habe. „Ein Polizist hat mir ganz offen gesagt, er habe Befehl, Kaukasier und Zentralasiaten festzunehmen.“

Gouverneur Tkatschow begründet sein hartes Durchgreifen damit, dass die illegalen Arbeiter aus den armen zentralasiatischen Staaten kriminell werden könnten. Sei die Arbeit auf den Baustellen erst einmal getan, könnten sie sich entschließen, ihren Lebensunterhalt anders zu verdienen. „Sie haben angefangen, mit uns Verstecken zu spielen: Sie verbergen sich auf Baustellen, in abgelegenen Siedlungen, wohnen mit 50 Personen in einer Wohnung, schließen fiktive Ehen. Sie tun alles Mögliche, um jeden Preis hier zu bleiben. Aber wir lassen das nicht zu!“

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