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Olympiavergabe 2018 : Herz oder Brieftasche?

  • -Aktualisiert am

Abteilung Charme auf südkoreanischer Seite: Kim Yu-Na Bild:

Mit argumentativem Geschick hat die Münchener Delegation versucht, Pyeongchang Wind aus den Segeln zu nehmen. Auch Bundespräsident Wulff stärkt München 2018 den Rücken. Er hat sein Kommen zur Wahl-Session im Juli zugesagt.

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          Draußen vor der Tür, wo die Raucher stehen, gibt es oft die interessantesten Gespräche. Am Mittwoch sogar vor dem prunkvollen Olympischen Museum in Lausanne. An der Zigarette: Gian-Franco Kasper, der Präsident des Internationalen Skiverbandes und René Fasel, Chef des Eishockey-Weltverbandes und der Vereinigung der olympischen Wintersportverbände. Zwei dem Nikotin verfallene Schweizer, Schwergewichte des Wintersports, die gerade die Präsentation von München erlebt haben, eines der drei Bewerber für die Olympischen Winterspiele 2018. „Korrekt“, sagte Kasper, sei die Vorstellung gewesen, „aussagekräftig und sachlich, typisch deutsch eben, da blieben keine Fragen offen.“ Fasel stieß eine Rauchwolke in die Luft und stimmte ein: „Eine sehr gute Präsentation.“

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Ob damit die Deutschen auf dem Weg zur Entscheidung am 6. Juli in Durban ihre Position verbessert haben? Da werden die beiden hartleibig. Vielleicht wissen sie ja schon viel länger, wie sie in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entscheiden werden und haben sich die enormen Bemühungen von München, Pyeongchang und Annecy eher wie zwei Theaterkritiker angesehen. Fasel klingt ein bisschen so: „Es fehlen die Emotionen“, urteilt er über den deutschen Auftritt. „Das ist aber normal für die deutsche Kultur.“ Auch ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass Annecy als Außenseiter zu sehen ist und München und Pyeonchang einen harten Zweikampf führen müssen.

          Gute Olympiabewerber sprechen Herz und Brieftasche an

          Drei Viertelstunden hatte jede Bewerbung Zeit, vor 89 von 112 IOC-Mitgliedern ihre Argumente vorzutragen, darauf folgte eine Fragestunde – hinter verschlossenen Türen. Was herausdrang: Mit argumentativem Geschick hat die Münchener Delegation versucht, Pyeongchang Wind aus den Segeln zu nehmen. Schon zur Eröffnung des Auftritts brachte Olympier Thomas Bach die drei gescheiterten deutschen Kandidaturen ins Spiel: Berchtesgaden für 1992, Berlin für 2000 und Leipzig für 2012. Dies sei also bereits der vierte Versuch, erklärte er. Pyeonchang hatte das IOC in der Vergangenheit immer wieder aufgefordert, nach zwei gescheiterten Versuchen nun endlich die koreanischen Bemühungen zu belohnen.

          Im Mittelpunkt der deutschen Bewerbung: Katarina Witt
          Im Mittelpunkt der deutschen Bewerbung: Katarina Witt : Bild: dapd

          Pyeonchangs Motto „New Horizons“, das auf die ökonomischen Expansionsmöglichkeiten auf dem asiatischen Markt abhebt, konterten die Münchner mit eindrucksvollen Zahlen: 50 Prozent der Sponsoren der Wintersportverbände sind deutsche Firmen, gleichzeitig stammen 40 Prozent der olympischen Einnahmen aus dem Wintersport. München hat zudem deutlich gemacht, dass es erfolgreich an seinen beiden Schwachpunkten gearbeitet hat. Das Referendum in Garmisch-Partenkirchen wurde gewonnen, das Grundstücksproblem im Zielraum der Abfahrtsstrecke ist seit Dienstag gelöst.

          Eis-Diva Katarina Witt leitet die Abteilung Charme

          „Ich glaube, wir haben einen Schritt vorwärts gemacht“, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf der sonnigen Museumsterrasse, ein paar Meter von der Raucherecke entfernt. Er habe den IOC-Mitgliedern versichert, dass die Politik auf allen Ebenen die Münchner Bewerbung unterstütze. Dazu passt, dass zur Wahl-Session im Juli Bundespräsident Christian Wulff sein Kommen angesagt hat. „Das Land steht voll dahinter“, so Friedrich. Die einzig kritische unter den acht IOC-Fragen beantwortete nicht er, sondern Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Die Amerikanerin Anita DeFrantz brachte das Olympia-Attentat von 1972 zur Sprache. „Ich habe gesagt, dass es sich um einen Angriff des internationale Terrorismus gehandelt hat, der überall auf der Welt hätte passieren können“, berichtet Ude.

          Pyeongchang, das schon aufgrund des vielfältigen Sponsoren-Engagements koreanischer Unternehmen trotz allem Favorit bleibt, hatte passend zu seinen Argumenten seinen Außen- und Handelsminister Kim Sung-Hwan aufgeboten. Und fürs Gefühl die Eisprinzessin Kim Yu-Na, die ihre Hoffnung ausdrückte, dass künftige koreanische Sportler sich im Training nicht mehr so einsam fühlen sollen wie sie – Winterspiele in Asien sollen einer neuen Generation den Traum von olympischen Medaillen vermitteln. Herz oder Brieftasche – gute Olympiabewerber wie München und Pyeongchang sprechen beides an. Bei den Deutschen leitet Eis-Diva Katarina Witt die Abteilung Charme – doch ihr Lächeln bedeutet nicht, dass sie naiv wäre. Sie weiß die herzliche Zustimmung im Olympischen Museum einzuordnen: „Es wäre schön, wenn jede Gratulation auch eine Stimme wäre.“

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