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Olympiastadt London : Hinter dem Hochglanz

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Just in den Tagen der Londoner Krawalle beraten Sportfunktionäre in der Stadt der Olympischen Spiele 2012 über Organisationsfragen. Dadurch gerät die Sicherheit in den Fokus. Ein Verdrängen darf nicht sein.

          London ist die erste Stadt, die - nach 1908 und 1948 - zum dritten Mal Gastgeber für Olympische Spiele sein wird. Ein Jahr nur noch bis zu den Spielen 2012 - genau in diesen August-Tagen in zwölf Monaten sollen die Straßen und Plätze der britischen Hauptstadt vor Leben sprühen, und ein Fest in bester britischer Sporttradition soll fröhliche, friedliche Bilder für die Welt liefern. Derzeit ist das schwer vorstellbar. Seit Jahren erhalten die Olympia-Organisatoren um den früheren Weltklasse-Leichtathleten Lord Sebastian Coe vom Internationalen Olympischen Komitee für glänzende Vorbereitungen Bestnoten.

          Doch die sich von Nacht zu Nacht zuspitzenden und ausweitenden Ausschreitungen (siehe: Britische Krawalle: „Wir haben ein Gang-Problem“) haben vieles verändert: Die Zuversicht schwindet, das Image leidet, das Vertrauen sinkt. Vor allem in England selbst werden kritische Stimmen laut. Ist das berechtigt? Das hochgelobte Olympiakonzept ist von Brandstiftern und Plünderern nicht beschädigt worden. Die Krawalle haben aber Zweifel an Strategie und Können der britischen Polizei aufgeworfen. Auf der Evaluierung und Weiterentwicklung der Arbeit der Behörden, die wichtigster Teil der olympischen Sicherheitskonzeption ist, muss jetzt das Augenmerk liegen. Alarmgeschrei hilft nicht ein Stück weiter.

          Während die Athleten weltweit um die Olympiaqualifikation kämpfen und in London erste Testwettkämpfe laufen, tagen auch Spitzenvertreter aus rund zweihundert Teilnehmerländern des nächsten Jahres an der Themse. Sie tun gut daran, nicht alles in Frage zu stellen, aber dennoch hinter das Hochglanzkonzept zu schauen - bei Einsatz- und Notfallplänen etwa. Von ihrem Meeting, das ausgerechnet in diesen heiklen Tagen in London stattfindet, müssen die olympischen Teamleiter klare, überzeugende Antworten auf schwierige Fragen mitbringen.

          Denn zu Hause werden die Chefs de Mission der künftigen Olympiateams sich besorgten Athleten, Trainern und Betreuern gegenübersehen, die Tag für Tag verstörende Bilder aus London und anderen englischen Städten im Fernsehen verfolgen können. Sie, die teilweise seit Jahren, Jahrzehnten für ihren olympischen Traum arbeiten, darf man nun nicht mit Floskeln abspeisen, nach dem Motto: In einem Jahr sieht die Welt ganz anders aus.

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