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Olympiasieger im Bundestag : Ullrich will Wertschätzung für den Sport wiederherstellen

  • Aktualisiert am

Sieg für die SPD: Frank Ullrich Bild: dpa

Biathlon-Olympiasieger Ullrich zieht für die SPD erstmalig in den Bundestag ein. Der frühere Bahnradprofi Lehmann hält seinen Wahlkreis für die CDU. Dagegen scheitert die erfolgreichste Olympionikin.

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          Biathlon-Olympiasieger Frank Ullrich will in seiner noch jungen Politiker-Karriere als frisch gewählter Bundestags-Abgeordneter die Sportförderung auf seine Agenda heben. „Da haben wir ganz dicke Bretter zu bohren“, sagte der 63 Jahre alte SPD-Politiker am Montag dem Sport-Informations-Dienst: „Die Wertschätzung für den Sport ist aus meiner Sicht extrem verloren gegangen, da müssen wir Akzente setzen. Da habe ich viel vor.“

          Die Corona-Pandemie habe die aktuelle Situation nochmal verschlechtert, „da müssen wir auch vom Bund aus Akzente setzen und können nicht alles auf die Länder abwälzen“, meinte der frühere Bundestrainer im Biathlon und Ski-Langlauf. Man müsse in einer gesamtgesellschaftliche Aufgabe „den Bogen vom Schul- und Nachwuchssport hin zum Breiten- und Leistungssport schlagen“, nur so könne Sport-Deutschland „auch international wieder erfolgreicher“ sein.

          Ehrgeiz und Teamgedanke

          Der Sportausschuss scheint also wie geschaffen für Ullrich, doch die genauen Aufgaben und Arbeitsgruppen werden erst in den kommenden Tagen besprochen und festgelegt. Klar ist, dass der 63-Jährige auch auf politischer Ebene auf die Fähigkeiten zurückgreifen will, die er im Sport erlernen durfte. „Der Ehrgeiz, die Durchhaltefähigkeit, der Teamgedanke – das nehme ich alles mit aus dem Sport“, sagte Ullrich.

          Der Olympiasieger von 1980 hatte am Sonntag das Direktmandat für den 20. Bundestag gewonnen. Er setzte sich im Wahlkreis 196 in Südthüringen entsprechend des vorläufigen Endergebnisses mit 33,6 Prozent der Stimmen klar vor dem CDU-Kandidaten Hans-Georg Maaßen (22,3) durch. Den Rechtsaußen der Union distanzierte Ullrich deutlich, auch dank einer „breiten Front“, die der Thüringer auch über die Parteigrenzen hinweg vernahm. Das öffentlichkeitswirksame Duell gegen Maaßen hatte Ullrich im Wahlkampf versucht, außen vor zu lassen. „Ich habe mich damit gar nicht so sehr beschäftigt“, sagte er, „sondern eher damit, was wir wollen.“ Mit dem klaren Ergebnis habe er „nicht gerechnet“, räumte Ullrich ein: „Ich war total überrascht.“

          Nach einer kurzen Nacht voller Glücksgefühle fuhr er am Montag leicht nervös in seine neue berufliche Heimat Berlin. „Wir treffen uns zu ersten Fraktionssitzungen“, berichtete er während der Autofahrt: „Da freue ich mich wahnsinnig drauf, aber es ist auch eine neue Situation, mit der ich mich erst mal auseinander setzen muss.“

          Ullrich wird erstmals im Parlament vertreten sein, er ist einer von zwei Olympiasiegern im gesetzgebenden Organ der Bundesrepublik Deutschland. Der frühere Bahnradprofi Jens Lehmann (CDU) holte wie schon 2017 erfolgreich sein Direktmandat. Der 53 Jahre alte Olympiasieger im Mannschaftszeitfahren von 1992 und 2000 setzte sich in Leipzig (Wahlkreis 152) mit 20,5 Prozent hauchdünn vor SPD-Kandidat Holger Mann (20,2) durch.

          Die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin Claudia Pechstein (49), die am Sonntag für die CDU erstmals zur Wahl gestanden hatte, musste sich im Wahlkreis 84 in Berlin Treptow-Köpenick mit 13,5 Prozent der Stimmen hingegen dem langjährigen Abgeordneten Gregor Gysi (Die Linke/35,4) geschlagen geben. Ihre Hoffnung, über den sechsten Platz auf der CDU-Landesliste in den Bundestag einzuziehen, zerschlug sich ebenfalls.

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