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Olympiasieger Robert Harting : „Das ganze Geschäftsmodell des IOC gehört überarbeitet“

Der deutsche Diskuswerfer Robert Harting bei der Weltmeisterschaft 2017. Bild: dpa

Der Diskuswerfer unterstützt die deutschen Athletenvertreter bei ihren Forderungen nach mehr Geld vom IOC. Dessen Präsident Thomas Bach will ihnen derweil die „olympische Solidarität“ in Lausanne erklären.

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          Thomas Bach hat die Vertreter der deutschen Olympia-Athleten nach Lausanne eingeladen. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) reagiert damit auf die Forderung von Athleten Deutschland, ein Viertel der Erträge der Organisation in Höhe von gut 5,5 Milliarden Dollar für einen Vierjahreszyklus an die Teilnehmer der Spiele auszuschütten. Die Athletenvertretung im IOC wie der Deutsche Olympische Sportbund hätten in ihren Reaktionen deutlich gemacht, dass das IOC neunzig Prozent seiner Einnahmen an den Sport ausschütte und für die Unterstützung der Athleten. „Als ehemaliger Athletenvertreter wäre ich froh, die deutschen Athletenvertreter zum IOC nach Lausanne einzuladen, um mit ihnen zu diskutieren und das Solidaritäts-Modell zu erklären“, sagte Bach der Website insidethegames.com.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Antwort der Athleten kam prompt. „Danke für die Einladung. Wir kommen gerne“, teilten die beiden Sprecher Max Hartung und Silke Kassner auf Twitter mit. Unterdessen begrüßte Olympiasieger Robert Harting die Forderung nach einer 25-prozentigen Beteiligung der Spitzensportler an den Erlösen des IOC. Auf einer Pressekonferenz sagte er laut Sportinformationsdienst: „Ich glaube, dass das ganze Geschäftsmodell des IOC überarbeitet gehört.“ Im äußersten Fall müssten Athleten streiken.

          Schwimm-Olympiasiegerin Kirsty Coventry dagegen, Vorsitzende der Athletenkommission im IOC und Mitglied in dessen Exekutive, lobte die Transparenz der Finanzen des IOC, die Beteiligung der Athleten an dessen Entscheidungen und vor allem die Verteilung der 5,5 Milliarden Dollar, die das IOC durch Vermarktung und Verkauf von Fernsehrechten eingenommen hat. Die ehemalige Athletin, Vizepräsidentin des Nationalen Olympischen Komitee von Zimbabwe und des Surf-Weltverbandes ISA sowie Mitglied einer Reihe von Kommissionen in der olympischen Welt, mahnt die deutschen Athleten, „dass keiner von uns die Spitze seiner sportlichen Karriere ohne die unterstützenden Strukturen um uns herum erreicht“. Die Verteilung der Erträge Olympias (abzüglich 2,5 Milliarden für die Organisation der Spiele) an Verbände und Nationale Olympische Komitees geschehe im Interesse der Athleten, indem es Wettkämpfe und die Vorbereitung auf Olympische Spiele ermögliche.

          Kirsty Coventry preist sich als gutes Beispiel für den Nutzen der mit 500 Millionen Dollar ausgestatteten Olympic Solidarity, da sie aus Zimbabwe stamme. Nur das olympische Stipendium „hat mir erlaubt, meine Ausbildung und meine sportliche Laufbahn zu verfolgen“, schreibt sie. „Ohne diese Unterstützung hätte ich niemals an Olympischen Spielen teilnehmen und keine Goldmedaille gewinnen können.“ Dies wirft Fragen auf. Coventry, erfolgreichster Athlet Afrikas mit fünf Olympia-Teilnahmen und fünf Olympia-Medaillen, startete mit 16 Jahren in Sydney. Wenige Wochen danach erhielt sie ein Vollstipendium der Auburn University in Alabama. Seitdem lebte sie überwiegend in Amerika. Auf einer Konferenz in Kuweit beschrieb sie vor fünf Jahren, dass Olympic Solidarity einsprang, als sie die Hochschule verlassen hatte, Profi wurde und in finanziellen Schwierigkeiten war.

          Dies war, wie das IOC bestätigte, nach den Spielen von Athen 2004, wo sie Gold, Silber und Bronze gewann. Demnach wurde sie vor Peking 2008, London 20012 and Rio 2016 vom IOC unterstützt. In Peking 2008 wurde sie wieder Olympiasiegerin. Das IOC sieht kein Problem darin, eine professionelle Schwimmerin zu unterstützen, die in Amerika lebt. „Das Olympische Stipendium zielt darauf ab, globale Teilnahme an den Olympischen Spielen zu unterstützen, teilt es mit. „Entsprechend haben Kandidaten kleiner NOK, die üblicherweise kleine Mannschaften zu den Spielen geschickt haben, Vorrang.“ NOK mit dem größten Bedarf würden deshalb bevorzugt. Seit Kirsty Coventry 2014 Mitglied des IOC wurde, gehört sie der Kommission für Olympic Solidarity an.

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