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Sportler gegen Funktionäre : „Geschlossenes Ökosystem aus korrupten Insidern“

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„Große Träume“: Der zehn Jahre alte Schwimmer Clark Kent Apuada. Bild: AFP

Der sexuelle Missbrauch junger Athleten in der Obhut von Trainern, deren Vergehen oft vertuscht wird, ist eines der größten Probleme im amerikanischen Sport. Nun kommt Hilfe von außen.

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          Seine Mutter hat ihm den Namen gegeben, weil sie ihrem Mann schmeicheln wollte. Denn dessen Lieblingsfigur aus der Welt der Comics ist Superman, und so nannte sie den gemeinsamen Sohn Clark Kent. Eine Anlehnung an die Identität, die sich hinter dem Helden im roten Cape verbirgt. Der Filius ist inzwischen zehn Jahre alt und besitzt tatsächlich beinahe übernatürliche Kräfte. Zumindest im Schwimmbecken, wo er vor einer Woche bei einem Wettkampf im kalifornischen Ort Moraga einen 23 Jahre alten Rekord über 100 Meter Schmetterling für seine Altersklasse aufstellte.

          Der Mann, dessen Bestmarke er um etwas mehr als eine Sekunde auf 1:09,38 Minute drückte, war beeindruckt: „Mach so weiter“, schrieb Michael Phelps auf Twitter und wünschte seinem Landsmann „große Träume“. Die hat er bereits. Clark Kent Apuada, dessen Familie philippinische Wurzeln hat, hängte bei der Veranstaltung auch über die kurzen Freistil- und Rückenstrecken die gleichaltrige Konkurrenz ab. Seine Fernziele: „Paris 2024 oder Los Angeles 2028“, verriet er hinterher. Allerdings zeichnen sich bereits erste Hindernisse auf dem Weg dahin ab.

          Seine Trainerin Dia Rianda zieht in ein paar Wochen ihn und ihr gesamtes Monterey County Aquatic Team aus dem Schwimmbad in Salinas ab. Sie sah darin die einzige Möglichkeit, der wachsenden Drogenkriminalität und der Gewalt krimineller Gangs gleich vor der Haustür zu entgehen. Wo die jungen Talente als Nächstes trainieren werden? Die Zukunft ist ungewiss. Dia Rianda, die Zeit und eigenes Geld in die Förderung des kalifornischen Schwimmnachwuchses steckt, ist Kummer gewohnt.

          Vor sechs Jahren wurde sie in Huntington Beach von Mark Schubert, einem der prominentesten Trainer der Vereinigen Staaten, entlassen, als sie Anschuldigungen über einen anderen Coach vorbrachte, der junge Sportlerinnen unsittlich berührt haben sollte. Es war die Zeit, als man verbandsintern solche Vorwürfe am liebsten verschwieg oder verharmloste. Auch wenn die Klage, die sie gegen die Kündigung einreichte, zwei Jahre später außergerichtlich beigelegt wurde, leistete sie einen erheblichen Teil, um die Öffentlichkeit für eines der größten Probleme im amerikanischen Sport zu sensibilisieren: den sexuellen Missbrauch junger Athleten in der Obhut von Trainern, deren Vergehen gerne vertuscht, anstatt bei den Behörden angezeigt werden.

          Erst der Fall von Larry Nassar, dem ehemaligen Arzt von Amerikas besten Turnerinnen, rückte das Thema massiv in der Vordergrund, brachte zahlreiche prominente Politiker auf den Plan und wurde zur Basis für hohe Schadenersatzforderungen der Opfer gegen den Turnverband sowie das Nationale Olympische Komitee (Usoc). Die Klagen werden unter anderem von der Turn-Olympiasiegerin Aly Raisman vorangetrieben, die so etwas wie die inoffizielle Athletensprecherin geworden ist.

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