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Zurückgetretener Olympia-Chef : Sponsoren bereiten Mori unfreundlichen Abgang

Nicht länger im Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Tokio: Yoshiro Mori Bild: AFP

Nach dem Rücktritt des Olympia-Chefs Yoshiro Mori wegen einer abfälligen Äußerung gegenüber Frauen hält die Entrüstung in Japan weiter an. Ein großer Geldgeber ist „enttäuscht“, andere werden deutlicher.

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          Gut fünf Monate vor der geplanten Eröffnung der Olympischen Sommerspiele von Tokio am 23. Juli steht das japanische Organisationskomitee (OK) ohne Präsident da. Nachdem Yoshiro Mori über seine Frauen diskriminierenden Aussagen gestürzt war und eine Woche nach deren Bekanntwerden am Freitag formell seinen Rücktritt erklärt hatte, einigte sich das OK der Spiele auf die Einsetzung eines Berufungsausschusses, um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin Moris zu bestimmen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          In welchem Zeitraum dies geschehen soll, ist unklar. Der Generaldirektor des OK, Toshiro Muto sprach davon, „so schnell wie möglich“ entscheiden zu wollen. Mit der Einberufung des paritätisch mit Männern und Frauen besetzten Gremiums ist auch die von Mori selbst angestrebte Lösung der Amtsübergabe durchgefallen. Der 83 Jahre alte frühere Premierminister und maßgebliche Netzwerker der Regierungspartei LDP hatte den ein Jahr älteren Saburo Kawabuchi, 1964 Mitglied der japanischen Fußball-Mannschaft bei den ersten Spielen in Tokio und rund zwanzig Jahre später Gründungspräsident der Fußball-Profiliga J-League und Präsident des japanischen Fußballverbandes, als Nachfolger vorgeschlagen. Kawabuchi hatte zunächst von der „letzten großen Aufgabe“ in seinem Leben gesprochen, sollte er gefragt werden.

          „Ordentliches Verfahren“ zur Nachfolge

          Dieser Deal fiel durch, nach Darstellung der Nachrichtenagentur AP teilte Kawabuchi Mori mit, er solle bekanntgeben, nicht zur Verfügung zu stehen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte in einer Stellungnahme mit, es sei darüber informiert worden und begrüße, dass die Nachfolge in einem „ordentlichen Verfahren“ geregelt werde. Vor einer Woche hatte die Dachorganisation zunächst mitgeteilt, mit Moris Version einer Entschuldigung für die Aussagen, in denen Mori sich unter anderem für eine Begrenzung der Redezeit von Frauen in Führungspositionen ausgesprochen hatte, zufrieden zu sein. Diese hatte jedoch die Entrüstung in Japan eher angefacht als gelöscht.

          In einer Videokonferenz am Montag, berichtet die Zeitung „Asahi“, habe John Coates als Vorsitzender der IOC-Koordinierungskommission Mori dann „in deutlichen Worten“ mitgeteilt, was die Sponsoren von seiner Außendarstellung hielten. In der Folge hatte Toyota, der größte Automobilhersteller der Welt und Sponsor des IOC, öffentlich erklärt, man sei „enttäuscht“ von Mori, seine Aussagen widersprächen den Werten der Firma. Das Unternehmen hält sich mit Äußerungen zu politischen Themen gewöhnlich zurück. Am Dienstag teilte das IOC mit, Moris Aussagen seien „absolut unangemessen und widersprechen den Verpflichtungen des IOC und den Reformen der Agenda 2020“. Der Verweis auf das Lieblingsprojekt von IOC-Präsident Thomas Bach zeigte, dass der Wind sich gedreht hatte und Mori nun nicht nur aus der japanischen Gesellschaft ins Gesicht blies.

          „Meine unangemessenen Kommentare haben viel Chaos verursacht“, sagte Mori in seiner Rücktrittserklärung am Freitag. Die Sponsoren riefen ihm wenig schmeichelhafte Kommentare nach, die in der Zeitung „Mainichi“ gesammelten Aussagen zeigen zudem, an welch dünnem Faden die Olympia-Austragung angesichts der Skepsis in der japanischen Bevölkerung hängt. „Moris Kommentare waren sicherlich inakzeptabel, aber ich mache mir Sorgen, dass ein Wechsel auf der Führungsposition zu diesem Zeitpunkt die Austragung noch mehr gefährdet. Die Spiele stehen am Abgrund“, sagte eine namentlich nicht genannte Führungskraft.

          Ein Sponsorenvorstand, ebenfalls nicht namentlich genannt, verwies auf den Rückzug des Präsidenten des Japanischen Olympischen Komitees, Tsunekazu Takeda im Jahr 2019 auf Grund von Korruptionsvorwürfen: „Ich habe es satt, dauernd Probleme bei der anderen Organisation (dem OK; d. Red.) zu sehen. Diese Lage hätten wir uns nicht vorstellen können, als wir Sponsoren wurden.“ Das IOC entdeckte in Krisenlage unterdessen eine positive PR-Botschaft: Man applaudiere dem Vorhaben, den Kandidatenausschuss paritätisch zu besetzen. Das Organisationskomitee, heißt es in einer weiteren Mitteilung, habe sich der Transparenz und der Gleichberechtigung „klar verpflichtet“ und folge der strategischen Ausrichtung des IOC.  

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