https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/olympia-moderner-fuenfkampf-kuenftig-mit-radsport-statt-springreiten-17614688.html

Nach Olympia-Skandal : Moderner Fünfkampf mit Radsport statt Reiten?

  • Aktualisiert am

So soll es nicht mehr sein: Annika Schleu fällt vom Pferd, das den Sprung verweigert hat. Bild: dpa

Die Bilder der schlagenden Mehrkämpferin auf bockigem Pferd sorgten bei Olympia für einen Skandal und lösten eine Tierwohl-Diskussion aus. Nun wird Springreiten offenbar aus dem Modernen Fünfkampf gestrichen.

          2 Min.

          Annika Schleu weinte, ihre Verzweiflung wuchs mit jeder Sekunde. Sie schlug nach dem skandalösen Zuruf von Bundestrainerin Kim Raisner („Hau drauf, hau richtig drauf!“) mit der Gerte, sie rammte dem Pferd die Sporen in die Seite. Die Bilder von den Olympischen Spielen gingen um die Welt und sorgten für einen Skandal. Danach entbrannte eine Tierwohl-Debatte. Kern der Diskussionen um das Reiten ist das Zulosen von fremden Pferden für die Reiter, die dann nur wenige Minuten Zeit haben, sich mit den Tieren vertraut zu machen.

          Nun soll das Springreiten aus dem Modernen Fünfkampf offenbar gestrichen und durch eine Radkonkurrenz ersetzt werden. Übereinstimmenden Berichten der englischen Zeitung Guardian und des Olympia-Portals „insidethegames“ zufolge hat dies der Weltverband UIPM als Konsequenz aus dem Eklat in Tokio beschlossen. UIPM-Präsident Klaus Schormann war für den SID zunächst nicht zu erreichen.

          Um den Olympia-Status für Paris 2024 nicht zu verlieren, soll nun verbandsintern gegen das Springreiten abgestimmt worden sein. Die UIPM verweigerte gegenüber dem Guardian eine Bestätigung, sprach jedoch von „einer Serie strategischer Treffen“, deren Ergebnisse am Donnerstag präsentiert werden sollen.

          „Es muss sich etwas ändern, sie müssen handeln“, sagte Raisner dem SID am Dienstag. Sie „liebe das Reiten“, und „von der Tradition her gehört Reiten zum Modernen Fünfkampf, aber wenn sich die Gesellschaft wandelt und das Reiten nur für negative Publicity sorgt“, schade dies dem Sport eher.

          Ein Tausch hin zum Radsport bringe aber „einschneidende Veränderungen“ mit sich, sagte Raisner, mit vielen Folgen für das Training: „Wenn man so eine krasse Änderung macht, zerstört man eine ganze Generation von Sportlern.“ Zudem ist noch völlig unklar, welche Rad-Disziplin (BMX, Bahn, Mountainbike etc.) das Springreiten ersetzen soll.

          Raisner und Co. haben vor dem UIPM-Kongress Ende November zahlreiche Änderungsvorschläge eingereicht, wie man das Reiten im Modernen Fünfkampf reformieren könnte. „Was davon umgesetzt wird, weiß ich nicht“, sagte sie. Wenn die Disziplin wirklich gestrichen werden sollte, „geht das nur langfristig“, sagte sie: „Das ist für Athleten und Trainer eine Mammut-Aufgabe.“

          Schleu hatte in Tokio auf Goldkurs gelegen, bis das Drama seinen Lauf nahm. Unter Tränen versuchte sie, das ihr zugeloste und völlig verängstigte Pferd Saint Boy mit Gerte und Sporen zurück in den Parcours zu bringen. Raisner hatte sie dazu mit dem heftig umstrittenen Zuruf animiert. Die Bundestrainerin wurde von den Spielen ausgeschlossen und nach einer Untersuchung durch den Disziplinarausschuss des Weltverbandes offiziell verwarnt.

          Kurz nach den Ereignissen bei den Sommerspielen in Tokio hatte Schormann noch versichert, „dass Reiten integraler Bestandteil des Modernen Fünfkampfs auf der Grundlage der Vision von Baron Pierre de Coubertin“ bleibe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In der Frage der Mindestzahl für Anträge auf Parteitagen nur halb durchgesetzt: Annalena Baerbock und Robert Habeck auf dem Grünen-Parteitag

          Grünen-Satzungsänderung : Ein langer Weg zur erwachsenen Partei

          Grünen-Parteitage werden normalerweise mit Anträgen geflutet. Baerbock und Habeck wollten auf ihren letzten Metern das Quorum dafür deutlich erhöhen. Aber dazu war die Parteibasis nicht bereit.
          In Rage: Verbalattacken gegen Künstler gehören zu Tayyip Erdogan wie die Schiffe zum Bosporus

          Hetze gegen Sezen Aksu : Erdoğan gerät unter Beschuss

          Mit dem Angriff auf die Sängerin Sezen Aksu hat sich der türkische Präsident verschätzt. Künstler unterstützen sie. Aksu antwortet auf Erdoğans brutale Rhetorik souverän mit einem Gedicht.