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Olympia 2016 in Rio : „Enttäuscht, erschrocken und empört“

  • -Aktualisiert am

Der schöne Schein trügt: Bei Olympia in Rio lief nicht alles rund. Bild: AFP

Olympia in Rio ist schon seit mehr als zwei Monaten Geschichte. Doch noch immer warten Mitarbeiter auf ihre Gehälter. Peu a peu sickert auch durch, welche Probleme es schon während der Spiele gab.

          Haben sich die Brasilianer ihre Sommerspiele schöngeredet? Peu à peu sickert durch, dass zumindest die Organisation des größten Sportfestes der Welt und der nachfolgenden Paralympics vor allem während der Wettkämpfe am seidenen Faden hing. Das geht aus indirekt bestätigten Meldungen über nicht bezahlte Mitarbeiter hervor.

          Offenbar steckt das Lokale Organisationskomitee von Rio 2016 in argen Zahlungsschwierigkeiten. Bis heute, schildern Angestellte, hätten sie nur einen Teil ihrer Gehälter bekommen. Das gilt wohl auch für manche Dienstleister aus dem Ausland. Die Auszahlungsverzögerung erklärte Mario Andrada, der Kommunikationschef der Spiele, mit dem Streik der offiziellen brasilianischen Banken. Aber die Geldinstitute arbeiten wieder - trotzdem fließt kein Geld.

          Ein anderer, nicht namentlich genannter Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung erklärte nun, die Gastgeber schuldeten den Mitarbeitern inzwischen bereits mehrere tausend Dollar. Die im Umgang mit Großereignissen des Sports erfahrenen Angestellten hätten so etwas zuvor noch nie erlebt, weder bei Weltmeisterschaften noch bei Olympischen Spielen. Wie dramatisch die Situation ist, geht aus einem Schreiben der Pressechefin der Spiele, Lucia Montanarella, hervor. „All denen, die mich persönlich kennen, muss ich nicht erklären, wie enttäuscht, erschrocken und empört ich über die Situation bin.“

          Ihr sei im Vorfeld versichert worden, dass nach Beendigung des Bankenstreiks mit der Auszahlung der ausstehenden Gehälter begonnen werde. Das hätte eigentlich Mitte Oktober sein müssen. Die Schilderung stützt Hinweise, dass Mitarbeiter schon während der Spiele wegen ausbleibender Gehälter nicht zur Arbeit erschienen und es deshalb nur mit äußerster Mühe gelungen sei, den Ablauf von Wettkämpfen aufrechtzuerhalten. Auch das Kontrollsystem für den Kampf gegen Doping hat unter der klammen Finanzlage gelitten.

          Unterdessen hat sich Carlos Arthur Nuzman im Alter von 74 Jahren zum sechsten Mal als Chef des Nationalen Olympischen Komitees wählen lassen. In dieser Funktion wird er bis Jahresende die Konten der Olympischen Spiele abrechnen. Ganz nebenbei hält der Cheforganisator der Spiele damit auch die Kontrolle über das eigene Finanzgebaren fest in eigener Hand. Das ist aus seiner Sicht beruhigend, denn zuletzt hatte der TV-Sender ESPN darüber berichtet, dass Nuzmans Ehefrau familiäre Kontakte zu jener Mitarbeiterin unterhält, die für die Abrechnung beim Konzern Odebrecht verantwortlich ist, der Lieferverträge mit dem lokalen Organisationskomitee (OK) unterhielt.

          Odebrecht zählt zu jenen Unternehmen, die in Brasilien an nahezu allen Korruptionsskandalen der jüngsten Vergangenheit beteiligt waren. Der Vorfall zeigt, dass es das brasilianische OK bei den Verträgen nicht so genau genommen hat. Die Verbindung der Familie Nuzman zu Odebrecht verstieß gegen die Sazung, hat dem NOK-Chef aber bislang nicht geschadet. Zur Lösung der Finanzprobleme wird Nuzman zum Ende des Jahres in der Hauptstadt Brasília vorstellig werden und dort um Zuschüsse aus öffentlichen Kassen bitten müssen. Mit anderen Worten: Der Bürger hat die Zeche zu zahlen.

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