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Olympia-Ministerin : Die Flamme im Namen

Olympia-Ministerin Seiko Hashimoto: Ihr Name ist Berufung Bild: AP

Seiko Hashimoto trägt die olympische Flamme in ihrem Namen. Sie folgte ihrer Berufung und nahm an sieben Olympischen Spiele teil. Nun ist sie die neue Olympia-Ministerin für Tokio 2020.

          2 Min.

          Die Minister für die Olympischen Spiele haben es in Japan nicht leicht, Aufmerksamkeit zu erlangen. Auch wenn es bis zu den Sommerspielen in Tokio nur noch weniger als ein Jahr ist, liegt das Augenmerk der Öffentlichkeit doch auf anderen Themen. Schlagzeilen schaffen olympische Minister nur durch Ausrutscher. Im Frühjahr musste ein Olympia-Minister gehen, nachdem er sich abfällig über den Wiederaufbau in den vom Tsunami 2011 zerstörten Gebieten in Nordostjapan geäußert hatte. Von der am Mittwoch ernannten neuen Ministerin für die Olympischen Spiele, Seiko Hashimoto, sind solche Ausfälligkeiten nicht zu erwarten. Der einzige Skandal, der die ehemalige Spitzensportlerin umweht, ist ein Skandal, der keiner war.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          2014 hatte sie, damals Delegationschefin bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi und Vorsitzende des japanischen Eislaufverbands, auf einer nacholympischen Feier den Eiskunstläufer Daisuke Takahashi beim Tanz wohl ein wenig zu sehr geherzt und geküsst. Ein Magazin erhob den Vorwurf der sexuellen Belästigung Takahashis, den beide Beteiligten abstritten. „Es war ein Fall, in dem zwei Erwachsene ein wenig die Kontrolle verloren“, schilderte der noch junge Takahashi damals den alkoholseligen Abend.

          Die neue Ministerin trägt die olympische Flamme in ihrem Namen. Sie wurde wenige Tage bevor in Tokio 1964 die Olympischen Sommerspiele begannen, geboren. Ihr Vater nannte sie Seiko, in Anlehnung an Seika, wie in Japan die olympische Flamme genannt wird. Hashimoto folgte ihrer Berufung. Von 1984 in Sarajevo bis 1996 in Atlanta nahm sie an sieben Olympischen Spielen teil und setzte so einen Rekord für japanische Sportlerinnen. Viermal trat Seiko Hashimoto in ihrer Paradedisziplin als Eisschnellläuferin an und gewann 1992 in Albertville die Bronzemedaille über 1500 Meter. Dreimal kämpfte sie als Radfahrerin in den Sommerspielen erfolglos um einen Platz auf dem Podest.

          Als Seiko Hashimoto 1996 dem olympischen Zirkus als Sportlerin sayonara sagte, war sie schon Abgeordnete im japanischen Oberhaus. Dreimal hat sie seither den Abgeordnetensitz verteidigt und diente in mehreren Positionen in der konservativen Regierungspartei der Liberaldemokraten und in der Regierung. Hashimoto machte Schlagzeilen, als sie als junge Mutter die Politik nicht aufgab und sich für eine Kindertagesstätte im Parlament einsetzte.

          Die 54 Jahre alte Ministerin ist Vizepräsidentin im Nationalen Olympischen Komitee und diente auch im Vorstand des Organisationskomitees für Tokio 2020. Das verschafft ihr hinreichend Kontakte in die Sportszene, um das nationale Großereignis koordinierend erfolgreich über die Bühne zu bringen. Dass die olympische Ministerin eine unabhängige Aufsichtsrolle der Sportler übernimmt, darf man in Japan wenige Monate vor den Spielen in Tokio ohnehin nicht mehr erwarten. Als eine von nur zwei Frauen im neuen Kabinett von Ministerpräsident Shinzo Abe muss Seiko Hashimoto auch symbolisieren, dass Abe einst die Frauenpower hochhielt. Neben den Olympischen Spielen fällt ihr so in der neuen Regierung auch die ministeriale Aufgabe zu, die Rolle der Frauen in der japanischen Gesellschaft zu stärken.

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