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Olympia-Kommentar : Putins Spieleverderber

Der große Flammenwerfer: Fackelträger Putin Bild: AP

Wer die Politisierung Olympias durch öffentliche Absagen beklagt, muss sich geeignetere Gastgeber auswählen. Denn jeder Stein, den Putin in Sotschi bewegen ließ, war Teil eines politischen Auftrags.

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          So ist das manchmal mit Motto-Partys: Da lädt der Gastgeber ein und malt sich sein Fest in den schönsten Farben aus. Nur passt die Reaktion der Eingeladenen nicht zur Wunschvorstellung. Es sind noch fünfzig Tage, bis die Olympischen Spiele in Sotschi beginnen. Aber das Motto von Wladimir Putins Spielen hat sich schon in den vergangenen zwei Wochen verselbstständigt: „Hot. Cool. Yours“, haben Putins Organisatoren über die Winterspiele geschrieben.

          Das haben Politiker vor allem der westlichen Welt wörtlich genommen. Sie treffen tatsächlich ihre eigenen Entscheidungen und bleiben den Spielen demonstrativ fern. Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland: Hat abgesagt. Die Kommissarin der Europäischen Union für Justiz und Grundrechte: Bleibt in Luxemburg. Der Präsident der Französischen Republik: Kommt nicht. Der mächtigste Mann der Welt, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika: Schickt als offizielle Delegation homosexuelle Sportgrößen, eine Universitätspräsidentin und zur Schlussfeier den stellvertretenden Außenminister.

          Glanzvoller Auftakt der „russischen Sportdekade“?

          Putin hatte anderes im Sinn, als er 2007 im Sommer in Guatemala-Stadt vom Internationalen Olympischen Komitee den Zuschlag erhielt, die Jugend der Welt im Februar 2014 zu den Winterspielen von Sotschi empfangen zu dürfen. Der glanzvolle Auftakt der „russischen Sportdekade“ sollte es werden, gefolgt von einem Formel-1-Rennen in Sotschi, der Schwimm-WM, schließlich der Fußball-WM 2018. Das neue Russland, Putins Russland, soll sich in Sotschi der Welt präsentieren.

          Dafür wurde ein halbes Tal gesprengt, wurden Arbeiter kaserniert und ausgebeutet, dafür wurde sogar das Homosexuelle diskriminierende Recht des eigenen Landes außer Kraft gesetzt. Schließlich soll das Gesetz gegen die „Propaganda für nichttraditionelle sexuelle Orientierungen unter Minderjährigen“ für die Zeit der Spiele wenigstens in Sotschi keine Anwendung finden.

          Sotschi 2014: Die olympische Idee vor dem Absturz

          Wer nun beklagt, durch die öffentlichkeitswirksamen Absagen und Delegationszusammenstellungen würden die Olympischen Spiele politisiert und missbraucht, erkennt nicht, wer die Ringe genau zu diesem Zweck gekapert hat: Putin war es, 2007. Seitdem war jeder Stein, der in Sotschi bewegt wurde, Teil eines politischen Auftrags.

          Die Absagen aus Deutschland und Frankreich, die konsequente Auswahl der amerikanischen Delegation durch Barack Obama sind die richtigen Antworten auf Putins Symbolpolitik. Wer sich für Olympische Spiele allein der sportlichen Wettkämpfe wegen begeistert, mag diese Schritte bedauern. Selbstverständlich werden auch die Sportler die aufgeladene Atmosphäre zu spüren bekommen, obwohl sie Besseres verdient hätten. Aber das ist nicht den westlichen Politikern anzulasten. Niemand hatte das Internationale Olympische Komitee gezwungen, Putin die Spiele zu schenken. Wer ihre Politisierung verhindern will, muss sich geeignetere Gastgeber auswählen.

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