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Bestechungsskandal in Tokio : Der nächste Skandal nach Olympia

Soll Bestechungsgeld angenommen haben: Haruyuki Takahashi Bild: AP

Die Olympischen Spiele in Japan sind seit mehr als ein Jahr vorbei, doch die Liste der Skandale wird immer länger. Nun wird ein ehemaliger Funktionär festgenommen.

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          Die Olympischen Spiele in Tokio sind schon länger als ein Jahr vorbei, doch die Skandale hören nicht auf. Am Mittwoch verhaftete die Staatsanwaltschaft in Tokio Haruyuki Takahashi, einen ehemaligen Direktor des Organisationskomitees der Spiele, das sich in Auflösung befindet. Der 78 Jahre alte Takahashi ist einer der am besten vernetzten Männer im japanischen Sportmarketing. Er wird verdächtigt, rund 51 Millionen Yen (rund 370.000 Euro) Bestechungsgeld von einem der lokalen Sponsoren, dem Textileinzelhändler Aoki, angenommen zu haben. Auch der Gründer und ehemalige Vorsitzende des Unternehmens, Hironori Aoki, wurde verhaftet, ebenso wie sein jüngerer Bruder und ein Manager.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Takahashi und Aoki bestreiten die Vorwürfe. Doch wirft der Vorgang einen Schatten auf die Bewerbung der japanischen Stadt Sapporo um die Olympischen Winterspiele im Jahr 2030. Die Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, sagte nach Bekanntwerden der Verhaftung: „Ich bin sehr enttäuscht.“

          Sponsoren für Olympia sehr wichtig

          Aoki verkauft preiswerte Geschäftsanzüge. Das Unternehmen wurde im Oktober 2018 einer der lokalen Sponsoren der Spiele und erhielt das Recht, mit dem Logo der Spiele zu werben. Mehr als 30.000 Anzüge mit dem olympischen Emblem hat das Unternehmen verkauft. Aoki stattete auch die japanischen Athleten mit Bekleidung aus.

          Schon ein Jahr vor dem Sponsorenvertrag hatte ein von Takahashi gegründetes Unternehmen einen Beratungsvertrag mit Aoki abgeschlossen, der rund eine Million Yen im Monat wert war. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Takahashi im Gegenzug dem Anzugshersteller bei der Auswahl der Sponsoren Vorteile verschafft habe. Er habe „große Hoffnungen auf die Macht von Takahashi“ gesetzt, soll der verhaftete Aoki nach Medienberichten der Staatsanwaltschaft gesagt haben.

          Takahashi war früher ein leitender Manager der mächtigen Werbeagentur Dentsu, die für das Organisationskomitee die lokalen Sponsoren rekrutierte. Dentsu sammelte dabei die außerordentlich hohe Geldsumme von umgerechnet rund drei Milliarden Euro ein. Das ist fast ein Drittel der Kosten der Spiele von ungerechnet etwa zehn Milliarden Euro. Das Gros der Kosten der Spiele, die 2021 während der Covid-Pandemie ohne Zuschauer stattfanden, zahlten die japanischen Steuerzahler. Schon im Juli hatte die Staatsanwaltschaft das Haus des Sportmanagers sowie Geschäftsräume von Aoki und Dentsu durchsucht.

          Der aktuelle Fall ist nicht der einzige Bestechungsskandal rund um die Spiele. Schon 2016 hatten französische Staatsanwälte eine Untersuchung eingeleitet wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen vor der Vergabe der Spiele an Tokio. Der Vorsitzende des Japanischen Olympischen Komitees, Tsunekazu Takeda, trat deshalb 2019 zurück. Andere Skandale drehten sich um kopierte Logos, drastisch steigende Kosten und Rücktritte wegen frauenfeindlicher Äußerungen.

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