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Bestechungsskandal wird größer : Tiefe Schrammen nach Olympia in Japan

Haruyuki Takahashi ist einer der am besten vernetzten Männer im japanischen Sportmarketing. Bild: Reuters

Das schöne Bild der Olympischen Spiele in Tokio, die trotz der Pandemie und ohne Zuschauer über die Bühne gingen, verfinstert sich. Darunter leidet die Bewerbung für die Winterspiele 2030.

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          Überraschend hat die nordjapanische Stadt Sapporo, die sich um die Austragung der Olympischen Winterspiele 2030 bewirbt, eine für Mitte September geplante Reise zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne abgesagt. Sapporo spricht von Terminschwierigkeiten in der Abstimmung mit dem IOC und verneint ausdrücklich, dass der jüngste Bestechungsskandal um die im vergangenen Jahr abgehaltenen Olympischen Spiele in Tokio eine Rolle gespielt habe.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Doch schon der Verdacht bestätigt, wie sehr die olympische Bewerbung Sapporos unter den Vorgängen im fernen Tokio leidet. Das schöne Bild der Olympischen Spiele in Tokio, die trotz der globalen Corona-Pandemie und auch ohne Zuschauer mit ein wenig Glanz und japanisch effektiv über die Bühne gingen, erhält im Nach­hinein tiefe Schrammen.

          Zum zweiten Mal verhaftet

          Haruyuki Takahashi, der Hauptverdächtige in dem Korruptionsskandal und Mitglied des Organisationskomitees für die Spiele in Tokio, ist mittlerweile zum zweiten Mal wegen des Verdachts der Bestechung verhaftet worden. Es geht jetzt um das zweite Unternehmen, von dem der 78 Jahre alte Takahashi für die Vermittlung eines Sponsorenvertrags für die Spiele Bestechungsgeld erhalten haben soll.

          Das Verlagshaus Kadokawa soll in zehn Raten 76 Millionen Yen (rund 530.000 Euro) an eine Beratungsfirma gezahlt haben, die das Geld für Takahashi eingesammelt haben soll. Ein Teil der Summe ist strafrechtlich schon verjährt. Das Beratungsunternehmen wurde von einem Bekannten des Hauptbeschuldigten geleitet, mit dem er früher in der mächtigen Werbeagentur Dentsu zusammengearbeitet haben soll. Der Bekannte und zwei Manager des Verlagshauses, das als Sponsor der Spiele Programmhefte und ein teures Buch mit den Ergebnissen der Spiele veröffentlichte, sind ebenfalls in Untersuchungshaft.

          Im Fall der japanischen Textilbekleidungskette Aoki, die 51 Millionen Yen (356.000 Euro) als Bestechungsgeld gezahlt haben soll, sind derweil Takahashi, der Unternehmensgründer Hironori Aoki und zwei weitere Manager angeklagt worden. Untersucht wird als drittes Unternehmen die Werbeagentur Daiko Advertising in Osaka, die verdächtigt wird, gleichfalls Bestechungsgeld gezahlt zu haben.

          Takahashi ist einer der am besten vernetzten Männer im japanischen Sportmarketing. Ihm wird maßgeblicher Anteil daran zugeschrieben, dass für die Olympischen Spiele in Tokio bei lokalen Sponsoren die Rekordsumme von rund drei Milliarden Euro eingesammelt wurde.

          Die Staatsanwaltschaft hat zu den Bestechungsvorwürfen auf freiwilliger Basis auch schon den früheren Vorsitzenden des Organisationskomitees, Yoshihiro Mori, befragt. Mori war wenige Monate vor Beginn der Olympischen Spiele im vergangenen Jahr zurückgetreten, nachdem er eine Frauen herabwürdigende unfreund­liche Bemerkung gemacht hatte. Doch unbeeinflusst davon sammelt nach einem Bericht der japanischen Zeitung „Asahi“ mittlerweile eine Gruppe von industriellen und andere dem Sport verbundenen Personen auf privater Basis Geld, um eine Büste von Mori zu errichten.

          Damit sollen seine Verdienste um die erfolgreiche Bewerbung Japans um die Olympischen Spiele und die Rugby-WM 2019 gewürdigt werden. An der Gruppe beteiligt ist auch Moris Nachfolgerin als Präsidentin des Organisationskomitees, Seiko Hashimoto, die Mori nach seiner beleidigenden Bemerkung noch scharf kritisiert hatte.

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