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Deutschland-Achter 1968 : Mit einem Psycho-Trick zum Olympiasieg?

  • -Aktualisiert am

Der Deutschland-Achter nach dem Olympiasieg 1968 bei der Siegerehrung. Bild: Picture-Alliance

Der legendäre Achter-Trainer Karl Adam war ein Verfechter des „mündigen Athleten“. Bei Olympia 1968 fiel dieses Konzept auf ihn zurück. Oder war die Auseinandersetzung sogar einkalkuliert?

          8 Min.

          Der folgende Text beinhaltet Auszüge aus den damaligen Aufzeichnungen von Gold-Schlagmann und Mannschaftssprecher Horst Meyer:

          Ende September 1968

          Ich werfe Kalli (Adam, d. Red.) vor, dass er viel zu wenig auf unsere Fehler achtet, und frage ihn, ob er überhaupt bemerkt hat, wie nervös und unkonzentriert wir dadurch sind. Die Mannschaft diskutiert darüber, Karl-Heinz Bantle, den Trainer des Vierers mit Steuermann, zu bitten, uns beim Training zu begleiten. Ein ungeheuerliches Ansinnen mitten in der Vorbereitung auf die olympischen Rennen.

          Ich frage mich, was mit ihm los ist, denn in den sieben Jahren unserer Zusammenarbeit habe ich ihn noch nie so erlebt. Er vergisst, Zeiten zu nehmen, Schlagzahlen bekanntzugeben, unsere technischen Fehler zu korrigieren und achtet nicht darauf, ob wir auf den engen Bahnen freie Fahrt haben. Mir ist bewusst, dass Kalli in mir den Störenfried in der Mannschaft sieht. Aber was kann ich tun? Als Mannschaftssprecher muss ich versuchen, Konflikte offen anzusprechen und zu regeln. Ich mache mir Sorgen, ich kenne ein solches Verhalten nicht von ihm. Hat er vollkommen vergessen, dass er uns zu mündigen Athleten gemacht hat? Vielleicht sind es aber auch gesundheitliche Probleme, die er uns verheimlicht?

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