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Mexiko 1968 und die Folgen : Bob Beamon, Fäuste – und ein Flop

Ein Sprung in ein neues Zeitalter: Bob Beamons legendärer Satz auf 8,90 Meter. Bild: picture-alliance

Vor 50 Jahren begannen die Olympischen Spiele von Mexiko. Die Wettbewerbe markieren einen Zeitenwandel im Sport. In einer Serie widmet sich FAZ.NET dem Beginn einer neuen Ära des Sports zwischen Machtpolitik und Doping.

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          Wen interessiert das noch? Diese Frage ist uns in den vergangenen Wochen ein paar Mal gestellt worden. Bei der Recherche für Geschichten über die Olympischen Sommerspiele 1968 in Mexiko-City. „Das ist doch schon so lange her.“ Ein halbes Jahrhundert. Die Olympiasieger und -teilnehmer von damals sind heute, sagen wir, Damen und Herren in der Mitte ihrer Rentnerphase. Einer erzählte, dass seine Enkel Bob Beamon für eine Figur aus einer Baumeister-Zeichentrickserie für Vorschulkinder halten und 8,90 Meter für den Pegelstand des Lippehochwassers.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das sind gute Gründe, an den unglaublichen Sprung des Amerikaners nicht nur in die Sandgrube, sondern – damals gefühlt – ins nächste Jahrtausend zu erinnern. Auch die erstmals erzählte Geschichte über den Weg des deutschen Ruder-Achters zur Goldmedaille aus der Sicht seines Schlagmannes hat die Zeit ohne Spannungsverlust überstanden: Athleten opponierten gegen ihren dominanten Trainer wie Achtundsechziger gegen ihre Eltern in einem für Europa und die Deutschen aufwühlenden Jahr.

          Die Höhenflüge bei den Wettkämpfen in Mexiko, die zahlreichen Weltrekorde, faszinierten kleine wie große Sportfreunde. Aus ihrer Sicht schien der Mensch auf dem Absprung von der Erde, getragen von Athleten.

          Verknüpfung von Sport und Machtpolitik

          Aber die ersten Spiele in Lateinamerika boten auch eine außergewöhnlich vielschichtige, leicht erkennbare Verknüpfung von Sport und Machtpolitik auf allen Ebenen. Sie zeigte sich bei der brutalen Niederschlagung protestierender mexikanischer Studenten Anfang Oktober, weil das Internationale Olympische Komitee Ruhe gefordert hatte. Sie offenbarte sich angesichts der erfolgreichen Boykottdrohungen afrikanischer Staaten, des ersten Auftritts der DDR-Auswahl als eigene Mannschaft und bei den Protesten schwarzer Sprinter während der Siegerehrung gegen den Rassismus in den Vereinigten Staaten. Auch die Einführung von Doping-Kontrollen zeugte von Wünschen, Forderungen und Hoffnungen.

          Wie war das damals, was ist daraus geworden und was geblieben? Nachdem wir Anfang Oktober über das Massaker vor 50 Jahren berichtet haben, beginnt an diesem Samstag, damals der erste Wettkampftag, an dieser Stelle eine Serie mit Beiträgen zu „Mexiko 68, den Spielen in dünner Luft“. An jedem Tag versuchen wir, bis einschließlich des 27. Oktober, dem Datum der Schlussfeier, den wichtigsten Phänomenen dieser Sommerspiele gerecht zu werden.

          In den Geschichten wird nicht nur von großartigen Sportlern und ihren Motiven die Rede sein, der ganzen Welt ihre Kraft zu demonstrieren, gegen Gewalt und Fremdbestimmung anzuturnen oder zu laufen. Denn manche sogenannte Revolution von Mexiko entpuppte sich als Misserfolg, als große Täuschung und Enttäuschung. Aber nicht jeder Stillstand mündet in eine Niederlage. Ironischerweise bescherte Dick Fosbury mit seiner belächelten Hochsprungtechnik den Sommerspielen ein ewiges Andenken unter Leichtathleten. Bis heute springt, wer gewinnen will, nach seinem Vorbild – den Flop.

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