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Milliardär Alexander Otto : „Die Spiele sind eine Herzensangelegenheit“

Geht es auch mit Hamburg auf der Ropptreppe nach oben? Alexander Otto in einem seiner Einkaufszentren Bild: dpa

Alexander Otto ist erfolgreich als Betreiber von Einkaufszentren. Im F.A.Z.-Interview spricht der Milliardär und Hamburg-Unterstützer über den Reiz von Olympia, das Interesse von privaten Investoren und die Macht der Bürger.

          Was bedeutet Sport für Sie?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mir hat Sport immer sehr viel gegeben. Ich kann mich erinnern, dass ich als kleines Kind die Olympischen Spiele 1972 verfolgt habe. Ich kann mich an den Hochsprung von Ulrike Meyfarth erinnern, der ihr die Goldmedaille gebracht hat. Ich habe auch immer selbst Sport getrieben und viel daraus gelernt: Fairness, Teamgeist, sich mit anderen gemeinsam anzustrengen.

          Sie sind in Bayern aufgewachsen, haben in Oxford studiert. Da liegen Skifahren und Rudern nahe.

          Rudern habe ich trotz Oxford nie aufgegriffen. Aber ich bin als Mitglied des Skiclub Partenkirchen leidenschaftlich Ski gefahren. Das ist eine Sportart, in der man starke Nerven haben muss, das hat mir viel gegeben. Im Tennis bin ich immer noch aktiv, im Seniorentennis. Sport ist wichtig für die Gemeinschaft und die Gesellschaft. Deshalb habe ich eine eigene Sport-Stiftung, mit der ich auch Projekte des Breitensports unterstütze. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Integration, die Möglichkeit, Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Hintergründe zusammenzubringen.

          Ihr Unternehmen ECE hat knapp 200 Einkaufszentren in Europa, gut 600 in Amerika, Sie machen 20 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Werden Sie den Kleinen Grasbrook, die Olympia-Insel auf der Elbe, bebauen?

          Ich will mich weiterhin für Olympia in Hamburg engagieren. Erst einmal werden wir die Planung konkretisieren müssen. Aber in den nächsten Monaten ist es ganz wichtig, die Hamburger weiterhin für Olympia zu begeistern. Dies ist auch eine Aufgabe für die Hamburger Wirtschaft.

          Steht Ihr Engagement für private Beteiligung an Bewerbung und Umsetzung Olympischer Spiele im Gegensatz zu Spielen, die vollständig vom Steuerzahler bezahlt werden?

          Wir können in Hamburg sehr stolz sein, dass wir die Kampagne bisher ohne einen einzigen Cent öffentliches Geld angehen konnten, dass viele Private mitgemacht haben. Ich sehe mich selbst da natürlich auch in der Pflicht, an erster Stelle mitzuhelfen. Je weiter man in so einer Bewerbung kommt, umso wichtiger wird es werden, dass Private und die Stadt sich an den Kosten beteiligen.

          Wird die Bebauung der Insel ein privates Investment?

          Das muss man differenziert sehen. Vorstellbar ist das beim Wohnungsbau ...

          ... auf den ECE ein Auge geworfen hat.

          Ich habe kein persönliches Interesse daran. Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg sind eine Herzensangelegenheit. Diese Leistungen werden irgendwann ausgeschrieben. Es gibt eine Vielzahl qualifizierter Wohnungsbauer. Da wollen wir uns nicht in den Vordergrund drängen.

          Werden Sie sich an der Ausschreibung beteiligen?

          Mir ist wichtig, dass das Verfahren unantastbar ist. Deshalb würde ich das eher zurückhaltend sehen.

          Das Olympiastadion in Hamburg soll auf dem Kleinen Grasbrook im Hafen entstehen

          Was geht noch privat?

          Hauptthema wird der Wohnungsbau sein ...

          ... das Olympische Dorf.

          Vielleicht ist das auch bei Gebäuden möglich, die hinterher eine andere Nutzung erfahren. In Athen ist aus dem Pressezentrum von 2004 ein Einkaufszentrum entstanden. Aber auch da erscheint mir eine Finanzierung zunächst durch die öffentliche Hand sinnvoll. Gerade, weil wir nachhaltig bauen wollen, müssen wir uns genau überlegen, welche Materialien eingesetzt werden, um einen Rück- oder Umbau möglich zu machen.

          Wenn Sie auf diese Olympiainsel in der Elbe schauen, auf deren Sanierung, Erschließung, Bebauung und den anschließenden Rückbau des Stadions: Welche Zahl schwebt Ihnen vor? Sind sechs Milliarden Euro zu hoch gegriffen?

          Es wäre falsch, über Zahlen zu sprechen, bevor das Planungskonzept konkretisiert ist. Die Erfahrung mit den Sommerspielen in London zeigt, dass man mit den Organisationskosten einen guten Überschuss erwirtschaften kann.

          Sie haben Erfahrung mit Bürgerentscheiden; oft hing davon ab, ob ECE in einer Stadt bauen darf oder nicht. Welches ist Ihre Empfehlung vor dem Votum, das Hamburg im Spätsommer in der Frage Olympiabewerbung bevorsteht?

          Man darf nicht nachlassen, die Bürger intensiv in die Fragen einzubinden. Man muss kommunizieren, das ist der wichtigste Punkt. Man muss Kritik und Sorgen der Gegner ernst nehmen.

          An vorderster Front: „Ich will mich weiterhin für Olympia in Hamburg engagieren“

          Sie haben in Harvard studiert und kennen Boston, den größten Konkurrenten von Hamburg. Was hat die Stadt, was Hamburg nicht hat?

          Boston ist wunderschön, hat eine starke Wirtschaft, viele Innovationen. Es gibt eine junge Bevölkerung, bei der Ökologie und Nachhaltigkeit eine starke Rolle spielen. Das macht die Bewerbung von Boston sicher sehr aussichtsreich. Aber sie muss gegen die schönste Stadt der Welt erst einmal gewinnen!

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