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Olympia-Kommentar : Das Volk entscheidet

  • -Aktualisiert am

Noch ist das Bild diffus, aber Hamburg will, dass die Olympischen Ringe 2024 in der Hansestadt leuchten Bild: dpa

Olympia öffnet die Herzen, die Türen und die Kassen. Eine bessere Chance für die Modernisierung und neue Verankerung des deutschen Spitzensports in der Gesellschaft bietet sich nicht. Sie muss beim Schopfe ergriffen werden.

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          Hamburg hat keine Chance 2024! Spricht hier der Kleinkrämer oder der Olympia-Versteher bei seinem trüben Blick in die Kristallkugel? Und wenn es so wäre: Beide haben immer noch nicht verstanden, worum es beim Zweikampf zwischen der Hansestadt und Berlin ging.

          Eben nicht vordergründig um ein grandioses, spektakuläres, verführerisches wie teures Sportfest, das allemal Potential für ein phantastisches Sommermärchen besitzt. Nein, bei dieser Vorwahl ging es in erster Linie um den Wert des Spitzensports in Deutschland, um seine Zukunft, um die Frage, was die Deutschen erwarten von ihren Athleten. Und was sie dafür zu tun bereit sind.

          Der Ausgangspunkt für den Etappensieg von Hamburg ist eine Zahl: 38 Millionen Euro hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nach den Spielen von London 2012 pro Jahr als Zugabe zur staatlichen Förderung gefordert, um den Ansprüchen weiterhin genügen zu können: Weltspitze. Er bekam mehr oder weniger die kalte Schulter gezeigt. So bedeutsam, wie er (von der Politik) dargestellt wird, ist der Sport abseits des Fußballs wohl doch nicht.

          Zudem rückt ihn die unendliche Doping-Geschichte in eine Legitimationskrise. Die Menschen sind skeptischer geworden. Nur der Zauber der Sommerspiele bietet noch die Basis für eine vielversprechende Reform. Olympia öffnet die Herzen, die Türen und die Kassen. Insofern hatte die Führung des DOSB ein Investitionsprogramm im Sinn, das, nehmen die Hamburger die nächste Hürde im Herbst, wenigstens sechs Jahre läuft; nämlich bis 2021, wenn nach einer Niederlage 2024 über die Spiele sieben Jahre später entschieden wird.

          Eine bessere Chance für die Modernisierung und neue Verankerung des Spitzensports in der Gesellschaft bietet sich nicht. Sie musste beim Schopfe ergriffen werden. Das haben auch die Fachverbände so gesehen und mit großer Mehrheit für Hamburg gestimmt. Das Risiko, mit Berlin schon an der Bürgerbefragung zu scheitern, erschien zu hoch. Zu Recht.

          Der von der Politik gewollte Entscheid nach dem Auswahlprozess mag die „sportliche“ Eignung, die Frage nach internationalen Chancen, in den Hintergrund gerückt haben. Aber dieses Prozedere sollte nicht als ärgerliches Hindernis, sondern als zeitgemäße Prüfung begriffen werden. Der deutsche Sport muss seine Olympiareife beim Bürger abfragen. Bekommt er eine positive Antwort, dann darf er mit neuem Selbstbewusstsein beim IOC antreten und sich Hoffnungen machen. Denn erstens wird die konkurrierende Wahl der den Deutschen angeblich schon sicheren Fußball-EM 2024 erst nach dem IOC-Votum stattfinden. Und zweitens kann man dem illustren Zirkel allen Prognosen zum Trotz eines nicht vorwerfen: Berechenbarkeit.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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