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Olympia-Fernsehen : Das Ende des roten Fadens

  • -Aktualisiert am

Schauen die Fans bei Olympia bald schon in die Röhre? Bild: dpa

Bei Olympia sorgt der Sport für eine Erzählung, die 17 Tage lang anhält. Doch wer wird das in Zukunft noch wie verfolgen können? Schon bald wird auch das Fernsehen für die attraktivsten Entscheidungen ein Eintrittsgeld verlangen.

          Man stelle sich vor, Hamburg veranstaltet 2024 die Olympischen Spiele – und schaut zu. Wer kein Ticket für das Finale im 100-Meter-Lauf im Stadion auf dem Kleinen Grasbrook bekommt, wer nicht zu den besten Basketballspielern in die Halle, zu den stärksten Kickern ins Stadion gelangt, kann ja immer noch zum Schießen oder zum Badminton gehen oder sich beim Marathon an die Strecke stellen; irgendeine der etwa elf Millionen Eintrittskarten für Olympische und Paralympische Spiele dürfte doch zu kriegen sein.

          Doch was ist mit der Rundum-Versorgung, was ist mit dem Fernsehen? Auch das wird in neun Jahren Eintrittsgeld verlangen für die attraktivsten Entscheidungen der Spiele. Das ist nicht schwer zu prognostizieren nach dem Verkauf der Übertragungsrechte von den Winterspielen 2018 in Pyeongchang an bis zu den Sommerspielen sechs Jahre später. Selbst wenn das amerikanische Unternehmen Discovery Communications für 1,45 Milliarden Dollar im Vergleich zu den Kosten für die Rechte in Amerika ein Schnäppchen gemacht hat, muss es die Ausgabe doch refinanzieren.

          200 Stunden sind garantiert

          200 Stunden „Free-TV“ muss Discovery für Sommerspiele garantieren, das sind 86 Prozent der Zeit, die ARD und ZDF 2012 aus London sendeten. Ob diese nun auf Eurosport ausgestrahlt werden oder ob die Öffentlich-rechtlichen, wenn sie aus dem Schmollwinkel kommen, dafür ein paar Gebühren-Milliönchen bieten wollen, wird sich weisen. Gewiss aber ist, dass im Netz alles zu haben sein wird, und dass für das Beste die allerneuesten Bezahlsysteme zum Einsatz kommen werden.

          Was aber ist mit dem Gemeinschaftserlebnis der Zuschauer? Olympia ist, wenn ein Land gemeinsam einen überraschenden Sieg hier bejubelt und sich in Gedanken dort hinter einem enttäuschten Athleten in Tränen versammelt. Ein besonderer Geist ist zu spüren, wenn die Stimmung eines Landes von seiner Olympiamannschaft bestimmt wird, von der kleinsten Turnerin bis zum stärksten Ruderer. Olympia, das ist, wenn der Sport für den roten Faden einer Erzählung sorgt, die 17 Tage und Nächte anhält. Die Öffentlich-rechtlichen können dies leisten. Spartenkanäle eher nicht.

          Zwar könnte IOC-Präsident Thomas Bach in Discovery den Partner gefunden haben, mit dem er seinen olympischen Fernsehkanal schaffen wird. Doch er darf nicht riskieren, dass – insbesondere im glücklichen Fall von Hamburg 2024 – die Gastgeber das Gefühl haben, dass die Athleten, die sie mittels Steuergroschen fördern, auf der Bühne, die sie ihnen bereitet haben, gar nicht für sie spielen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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