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Olympische Sommerspiele nach 52 Jahren : Deutschland ist dran!

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Immer höher, weiter und schneller für Olympia? Das muss nicht sein Bild: dpa

Olympia in Deutschland? Ja. Aber bitte nicht wie bisher. Sondern ohne Gigantismus, ohne öffentliches Geld für die Bewerbung, ohne Neubauten. Das ist schwer umsetzbar – aber der richtige Weg, die Deutschen wieder für Olympia zu begeistern. Ein Plädoyer für mehr Mut.

          2024 wäre Deutschland mit Olympia durchaus „an der Reihe“. Die Spiele von München sind dann 52 Jahre Geschichte, und seitdem gab es eine Reihe von aufrichtigen, wenngleich erfolglosen deutschen Bewerbungen. Deutschland wird international als wirtschaftlich, politisch und sportlich stabil und stark wahrgenommen.

          Eine gelungene Kampagne der beiden potentiellen Bewerberstädte Berlin und Hamburg wird jedoch nicht davon abhängen, die internationale Sportfamilie davon zu überzeugen, dass Deutschland die Spiele organisieren und finanzieren kann. Dies traute der Rest der Welt Deutschland auch bei den zurückliegenden Bewerbungen zu. Entscheidend wird vielmehr sein, mit einem ungewöhnlichen, überraschenden, vielleicht provozierenden Konzept anzutreten, das zunächst in Deutschland die bislang zurückhaltenden Milieus, und dann international die Sportführungen überzeugt.

          Ein solches Konzept sollte mehrere neue Facetten haben, deren Entwicklung nicht allein die Aufgabe der Eliten aus Sport, Politik und Verwaltung sein kann. Beide Städte haben Erfahrungen bei der Entwicklung neuartiger Konzepte in der Stadtentwicklung und scheinen zumindest teilweise bereit, diese auch für die Olympiabewerbung zu nutzen. Berlin und Hamburg gaben der Bevölkerung die Möglichkeit, sich bei Ideenwettbewerben an städtebaulichen Entwicklungen zu beteiligen; in Hamburg beispielsweise bei der Robert-Koch-Straße, in Berlin beim Flughafengelände Tempelhof. Tausende Bürger engagierten sich mit Vorschlägen.

          In Tempelhof wurden die Vorschläge übrigens nicht erhört – eine wichtige Ursache des Erfolges der Volksabstimmung, welches die Senatsvorschläge ablehnte. Für viele Menschen, gerade bei den in beiden Städten verbreiteten kritischen Lebenswelten, ist „Partizipationsgerechtigkeit“ genauso wichtig wie Gleichheit vor dem Gesetz, Verteilungs- oder Chancengleichheit. Im Falle der Stadtentwicklung dürfte dies unter anderem daran liegen, dass die Kenntnisse der formalen Eliten aus Politik und Verwaltung zur „richtigen“ Entwicklung von Stadt, Bezirk und Kiez von wachsenden Milieus nicht mehr als überlegen anerkannt werden.

          Hoch hinaus: Jelena Isinbajewa im Berliner Olympiastadion während der Leichtathletik-WM 2009

          Die Ideen, die in einem solchen Verfahren aufkommen, können auch als schmerzhafte Hinweise auf die wunden Punkte Olympischer Spiele verstanden werden. Das wäre der Fall etwa bei der Forderung, Olympische Sportstätten so zu konzipieren, dass sie anschließend auch dem Breitensport dienen, auch dem nicht-organisierten. Vielleicht würde auch gefordert werden, solche Sportstätten modular und wiederverwertbar zu bauen, um sie anschließend an anderen Orten einzusetzen.

          Oder Ausgleichsmaßnahmen nicht nur ökologisch, sondern auch sozial zu konzipieren, um beispielsweise den Menschen die Angst vor Mietpreissteigerungen zu nehmen. Eine stärkere Integration von Kunst und Musik in den Bewerbungs- und Austragungsprozess. Gastaufenthalte ausländischer Familien, flankierende Olympische Spiele der Schulen statt renovierungsbedürftiger Bundesjugendspiele. Gratis Public Viewing vor jeder Sportstätte und die Chance für deren Besucher, eine Eintrittskarte zu erhalten, wenn – wie oft – Zuschauerplätze drinnen (trotz „ausverkauft“) unbesetzt bleiben und diese verlost werden.

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