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Russlands Olympia-Bann : Hilfe, Wladimir Wladimirowitsch!

  • -Aktualisiert am

Bereit zur Selbstverteidigung? Der Judoka Wladimir Putin weiß über den russischen Sport Bescheid. Bild: dpa

Russland droht abermals eine Olympia-Teilnahme unter restriktiven Auflagen. Das IOC wirkt in seiner Erklärung dazu zwischen den Zeilen begeistert: Der russische Sport hat nichts falsch gemacht. Die Behörden waren es!

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          Der Russe ist schuld. Immer. Das sagte Herr Lawrow zwar nicht wortwörtlich. Aber er kokettierte mit der Sündenbockrolle, als ihm, dem Außenminister der Föderation, am Montag die Kunde von möglichen Sanktionen gegen sein Vaterland erreichte. Gemein. Immer auf die Größten. Nur weil seit vier Jahren beinahe regelmäßig die führende Rolle des Staates bei den Doping-Manipulationen von wenigstens 2012 an dokumentiert wird.

          Selbst dem Phantasievollsten unter den Verschwörungstheoretikern dürfte es schwerfallen, ausländische Mächte hinter dem Austausch russischer Doping-Kontrollen nächtens während der Olympischen Spiele in Sotschi 2014 zu identifizieren: Oder hat der Inlandsgeheimdienst FSB seinerzeit Befehle aus der Uckermark gehorsamst umgesetzt?

          Die Manipulation auch von Daten des Anti-Doping-Labors bis Anfang 2019 hängt allerdings eng mit dem Spiel der Welt zusammen. Staatsdoping und Vertuschung ergeben nur im internationalen Kontext Sinn. Wenn es darum geht, der Welt und den Bürgern Leistungsfähigkeit auf dem Feld der Ehre vorzuspielen. Größe. Das können andere auch. In England steht das famose Radsportteam Sky unter Verdacht, in Frankreich klagt die Sportministerin über positive Fälle, in Österreich wird fleißig verhaftet, in Deutschland bereitet die Staatsanwaltschaft München eine Anklage im Fall der „Operation Aderlass“ vor. Allerdings stecken (inzwischen) vordergründig Privatiers hinter den mehr oder weniger spektakulären Doping-Taten auf unserem Hof.

          Sport als Opfer der Staatsmacht

          Sportskameraden, deren Kollegen in Russland wiederum nichts zu sagen haben sollen. Deshalb wirkt das Internationale Olympische Komitee (IOC) zwischen den Zeilen seiner Erklärung zu den jüngsten Forderungen gegenüber Russland beinahe begeistert: Der russische Sport hat nichts falsch gemacht. Die Behörden waren es! Schon wieder gemein. Der Sport als Opfer der Staatsmacht, ausgenutzt von Apparatschiks. Deshalb ist der Fall Russland keiner für das schlaue IOC, wie insinuiert, sondern einer für die Unesco und den Europarat.

          Wenn da nicht Herr Ganus wäre. Er ist der neue Chef der russischen Anti-Doping-Agentur. Herr Ganus kämpft in aller Öffentlichkeit um die Wiederherstellung der russischen Sportler-Ehre. Er spricht von alten Seilschaften, greift alle Bremser um sich herum an, auch die Behörden. Er wähnt sich in Gefahr. Vielleicht war es deshalb schlau, Wladimir Wladimirowitsch in diesem einsamen Kampf um Unterstützung zu bitten. Putin gegen sich aufzubringen hat noch niemandem geholfen. Außerdem kennt sich der Präsident aus. Glaubt man Grigorij Rodtschenkow, einst als Leiter des Anti-Doping-Labors in Moskau Architekt des Betruges, jetzt Kronzeuge, dann war der Chef von allem informiert über das Doping-Geschäft. Putin ist der Staat und, falls er will, auch der Sport. Hilfe!

          Das IOC wirkt zwischen den Zeilen begeistert: Der gute russische Sport hat nichts falsch gemacht, der böse russische Staat ist schuld.
          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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