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Sommerspiele in Deutschland : Demokratisch legitimiertes Olympiaprojekt

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Olympische Ringe in Deutschland: Eingang zum Olympiastadion in Berlin Bild: imagebroker / vario images

Nachdem Rhein-Ruhr die Sommerspiele 2032 abschreiben kann, sollte Deutschland sich um Olympia 2036 bewerben. Die Erinnerung an Berlin 1936 darf kein Grund sein, aufzugeben. Im Gegenteil.

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          Es wird keine Sommerspiele 2032 in Deutschland geben. Damit sollten sich alle Freunde Olympias abfinden, die nach dem Votum des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Mittwoch noch glauben, im Rennen gegen Brisbane habe die professionelle Privat-Initiative für das Rhein-Ruhr-Gebiet nur ein paar Meter verloren.

          Die Entscheidung des IOC, vorerst allein mit den Australiern zu verhandeln, entspricht einem Vorsprung im Hundertmeterlauf um zehn Meter – unter annähernd Gleichschnellen. Dass die Australier, noch dazu vom IOC an der Hand genommen, auf diesem Weg straucheln werden, ist quasi ausgeschlossen.

          Woran sind die Deutschen diesmal gescheitert? Allein an der fehlenden Unterstützung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für Rhein-Ruhr zu diesem Zeitpunkt, wie es das IOC andeutete? Der DOSB war im Februar nicht bereit, mit den Gesandten des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach in den Prozess einzusteigen. Nachdem die Bürger Winterspiele in und um München und Sommerspiele in Hamburg ablehnten, lassen sich Bewerbungen um Olympische Spiele in diesem Land nur noch per Volksentscheid in den ausgewählten Städten oder Regionen auf den Weg bringen. Zur Bundestagswahl, so der DOSB in diesen Tagen, hätte es so weit sein sollen. Zu spät.

          Es ist vorerst müßig, darüber nachzudenken, ob der Einfluss des australischen IOC-Vizepräsidenten John Coates Brisbane den entscheidenden Vorsprung brachte gegenüber dem teils schwerfällig anmutenden deutschen Antritt. Entscheidend für die Zukunft Olympias in Deutschland wird die Reaktionsgeschwindigkeit sein, die Fähigkeit, im Rennen eine neue Perspektive zu gewinnen. Denn hinter dem Rhein-Ruhr-Projekt steckt ein Konzept, das alle Forderungen für moderne Olympische Spiele zu erfüllen verspricht: Es stützt sich auf weitgehend vorhandene Sportstätten, strebt eine längst überfällige Verkehrs-Vernetzung in der Region an und baut nicht zuletzt auf die Überzeugung der Bürger, ökonomisch und ökologisch zu denken wie zu handeln.

          Diese Planung ist einen Langzeit-Versuch wert, weil diesmal im Gegensatz zu den Versuchen in der Ära Merkel auch die politischen Voraussetzungen zu stimmen scheinen. Armin Laschet steht schon lange hinter dem Projekt. Sollte der CDU-Vorsitzende im Herbst Kanzler werden und gleichzeitig die Menschen im Rhein-Ruhrgebiet für Olympia in ihrem Lebensraum stimmen, dann böte Deutschland die überzeugendste Bewerbung in seiner Sportgeschichte an – beim Rennen um Sommerspiele 2036.

          An dieser Stelle mag der gemeine Sportpolitiker zucken und der PR-Agent des Sports die Augen verdrehen: 100 Jahre nach Hitlers Propaganda-Spielen? Das könnte ein Anlass für Konkurrenten sein, alte Bilder vom gestreckten Arm in der Arena mit neuen aus braunen Winkeln Deutschlands zu verknüpfen, um die Bewerbung zu diskreditieren. Aber so ein Szenario darf kein Grund sein, aufzugeben. Im Gegenteil. Ein demokratisch legitimiertes Olympiaprojekt wäre die beste Antwort auf alles, was das IOC bislang zu bieten hatte, einschließlich der pragmatischen, aber weder transparenten noch demokratisch herbeigeführten Entscheidung für Brisbane. Olympia in seiner schönsten Form als Wettkampf der besten Athleten und als Inspiration für eine lebenslange Bewegungsfreude wird nur überleben, wenn die Menschen es wünschen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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