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Olympia 2024 : Paris setzt auf den Trump-Effekt

Der Eiffelturm ist für alle da: „Gemacht, um zu teilen“ lautet der Slogan von Paris für Olympia 2024. Bild: AP

Made for Sharing: der Slogan ist bewusst in Englisch gehalten. Auch sonst steht die Bewerbung von Paris für Olympia 2024 ganz im Zeichen der Offenheit für alle Welt.

          Es sollte ein Tag der Freude, des Respekts und der Weltoffenheit sein. Am Morgen noch feierten französische Spitzensportler unbeschwert mit Sechstklässlern in einer Schule der Vorstadt Saint Denis die Pariser Bewerbung für die Olympischen Spiele im Jahr 2024. Doch bald darauf machte die Nachricht von einem neuen Terroranschlag in der französischen Hauptstadt die Runde. Es handelte sich mutmaßlich zwar nur um einen Einzeltäter, der einen Soldaten leicht verletzte und schnell unschädlich gemacht werden konnte, doch der Angriff führte allen die permanente Bedrohung vor Augen. Keine Stadt ist vor dem Terror sicher, in Paris und Umgebung aber addieren sich die Attacken in beunruhigender Zahl. „Terroranschläge können jede Stadt treffen, aber wir sind froh, dass wir so effektive Sicherheitskräfte haben“, sagte Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris am Freitag.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Organisatoren der französischen Olympia-Bewerbung wollten sich indes nicht aus der Ruhe bringen lassen und hielten am Programmablauf fest. Ein Reigen von Veranstaltungen sollte den Ehrgeiz und den Anspruch der Kandidatur markieren - von Schüler-Aufführungen bis zu einer Pressekonferenz mit Premierminister Bernard Cazeneuve. Am Freitag mussten die verbliebenen Anwärter, darunter Los Angeles und Budapest, den letzten Teil ihrer Bewerbungsunterlagen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne abgeben. In sieben Monaten bestimmen die IOC-Mitglieder den Sieger.

          Die Sicherheits-Debatte ließ sich aber nicht unterdrücken. Der amerikanische Präsident heizte sie durch einen Tweet an, dem zufolge Frankreich angeblich „am Rande“ stehe, ohne zu präzisieren, welchen Rand er meinte. Damit verteidigte Trump implizit sein Einreiseverbot für Staatsbürger aus sieben muslimischen Ländern. Genau dieser Bann hatte in der Welt des Sports für heftige Proteste gesorgt. Sie breche mit dem olympischen Prinzip der Völkerverständigung und mindere daher die Erfolgschancen des Paris-Konkurrenten Los Angeles, so die Ansicht etlicher Fachleute.

          Das Bewerbungskomitee versuchte zu beruhigen: Ein Drittel des gesamten Olympia-Budgets sei der Sicherheit gewidmet, hieß es, und man verwies auf die französische Erfahrung im Anti-Terrorkampf. Auch die Fußball-EM sei ohne Zwischenfall verlaufen, und schließlich seien in der Vergangenheit Sportveranstaltungen in der ganzen Welt zum Ziel von Terroranschlägen geworden.

          Bürgermeisterin Anne Hidalgo: „Wir sind froh, dass wir so effektive Sicherheitskräfte haben.“

          Mit Kritik an Trump halten sich die Organisatoren der Pariser Bewerbung in der Öffentlichkeit zurück. Insgeheim hoffen sie, dass sein Einreiseverbot schon von alleine Schaden anrichte. Offen setzt Frankreich dagegen auf Werte, die dem Ansatz des amerikanischen Präsidenten diametral gegenüberstehen. „Wir wollen unser Projekt mit der ganzen Welt teilen“, sagte der Ko-Präsident des französischen Bewerbungskomitees und Kanu-Champion, Tony Estanguet, am Freitag, „wir möchten unsere Stadt und die menschlichen Werte, die sich damit verbinden, für alle öffnen.“

          Slogan bewusst in Englisch gehalten

          So verfolgt das französische Bewerbungskomitee etwa ein Projekt mit Unicef, um Hunderttausende von Kindern dem Sport näherzubringen. Es unterstützt auch eine Initiative der Stadt Paris und des französischen Taekwondo-Verbandes, um Flüchtlinge zum Sport und damit auch zur Integration zu ermutigen. Am Freitagabend enthüllte Paris erstmals sein Bewerbungsmotto: „Made for Sharing“ - „Gemacht, um zu teilen“. Auch wenn Französisch zu den offiziellen Olympia-Sprachen gehört, ist der Spruch diesmal bewusst in Englisch gehalten, weil man glaubt, dass die gescheiterte Bewerbung für die Spiele von 2012 als „zu französisch“ empfunden wurde.

          Frankreich hofft auf den Zuschlag für Paris, weil es seine Bewerbung dem Trend der Zeit angepasst hat und zumeist auf bestehende Anlagen sowie öffentliche Verkehrsmittel setzt. Das Konzept gilt daher als klima- und ressourcenschonend. 95 Prozent aller Strukturen bestehen bereits oder werden temporär errichtet. Unter den Sportanlagen muss im Wesentlichen nur ein Schwimmzentrum gebaut werden, es soll nach Saint Denis kommen.

          Ansonsten hofft Paris auch auf die Ausstrahlung seiner Wahrzeichen: Beachvolleyball soll auf dem Champ de Mars am Fuße des Eiffelturms stattfinden, Bogenschießen auf dem Feld vor dem Hôtel des Invalides, Fechten und Taekwondo im Grand Palais und Radsport auf den Champs-Elysées. Selbst die Seine soll für das Schwimmen des Triathlons und für ein Langstrecken-Rennen herhalten. Die Kosten halten sich in Grenzen: Man rechnet mit insgesamt 6,6 Milliarden Euro, wovon ein großer Teil aus privaten Quellen kommen soll. Im Jahr 2024 wäre es hundert Jahre her, dass Paris das letzte Mal die Olympischen Spiele ausrichtete. Die Stadt wäre also schon lange wieder an der Reihe, finden die meisten Franzosen.

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