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Olympia 2024 in Hamburg : „Massive Verschwendung von Steuergeldern“

  • -Aktualisiert am

Wie teuer wird es? So könnte das Olympiastadion 2024 in Hamburg aussehen. Bild: dpa

Die Linke ist als einzige Partei der Hamburger Bürgerschaft gegen Olympia 2024. Der Abgeordnete Mehmet Yildiz spricht im F.A.Z.-Interview über die NOlympia-Bewegung, IOC-Reformen und Risiken der Bewerbung.

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          Ihre Broschüre „NOlympia in Hamburg“ liest sich wie eine 43 Seiten lange Anklage gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und wie eine Warnung vor Olympischen Spielen und Paralympics in Hamburg. Würden Sie das ähnlich zusammenfassen?

          Wir haben mehrere Monate an der Broschüre gearbeitet und sind stolz auf sie. Jeder, der sich umfassend über die Auswüchse Olympischer Spiele informieren will, sollte sie lesen. Und man sollte sie als Anklage und Warnung verstehen, ja.

          Warum sind Sie und Ihre Partei als einzige in der Hamburger Bürgerschaft so vehement gegen Olympische Spiele?

          Wir lehnen Olympische Spiele in der jetzigen Form ab, weil es dem IOC nicht um Völkerverständigung geht oder darum, die Weltjugend des Sports zusammenzubringen, sondern nur um Profit für einige Sponsoren und Lobbyisten. Die Länder und Städte sollen die Kosten übernehmen und still sein. Ansonsten profitieren sie nicht.

          Hamburg will und würde vieles anders machen. Kleiner, näher am Sportler, sympathischer. Käme es nicht auf einen Versuch an?

          Nein. Wir sind in der jetzigen Form und unter den jetzigen Bedingungen gegen Olympische Spiele. Die Defizite, die wir in der Broschüre darstellen, beziehen sich ja noch gar nicht auf Hamburg. Wir haben nur die Spiele von 1972 in München bis 2012 in London untersucht und in ihren Auswüchsen beschrieben. Wir haben so lediglich dargelegt, was Hamburg erwartet: Die massive Verschwendung von Steuergeldern, ohne dass der kleine Mann davon etwas hätte.

          Eines der vorgebrachten Argumente für Hamburg ist, dass man die Ausrichtung Olympischer Spiele keinen Diktaturen überlassen sollte.

          Sind Athen und London nicht Hauptstädte demokratischer Länder? Ich finde dieses Argument scheinheilig. Es ist eine Beleidigung anderer europäischer Länder. Ich finde, dass das IOC den Gedanken der Spiele so missbraucht hat, dass nur noch Diktaturen Spiele umsetzen können. Wo ist die Logik für Winterspiele in Peking, wenn es dort keinen Schnee gibt? Wie kann das IOC zulassen, dass Peking, wo es so viel Armut gibt, noch einmal Milliarden Euro für Spiele ausgibt? Erst wenn das IOC das Gesamtkonzept dahin gehend ändert, dass nicht es selbst profitiert, sondern Städte und Menschen, könnte ich dem etwas abgewinnen.

          Mehmet Yildiz ist 37 Jahre alt, sitzt seit 2008 in der Bürgerschaft und ist Fachsprecher der Linken für Sport, Migration, Kinder, Jugend und Familie.

          Haben Sie als kleiner Junge nie staunend vor dem Fernseher gesessen und Olympische Spiele angeschaut?

          Nein, ich konnte dem nie etwas abgewinnen.

          Warum glauben Sie der Reformagenda 2020 des IOC nicht? Weniger Gigantismus, mehr Nachhaltigkeit, Spiele für die Athleten, nicht für Funktionäre?

          Die Reformer bieten nichts Konkretes an. Wer glaubt ihnen nach all den Verfehlungen schon? In Oslo zumindest niemand. Es war schlau von den Norwegern, gegen Olympische Winterspiele zu stimmen. Ich verstehe nicht, warum Deutschland und Hamburg Geld für ein solches Prestigeprojekt haben, während im Stadtteil Wandsbek ein Haus der Jugend zugemacht wird, weil 30.000 Euro fehlen.

          Es ist eine Illusion, dass Gelder für andere Projekte genutzt werden, sollte das Referendum scheitern. Es gibt Geld von Bund und Stadt für Olympia - oder gar nicht.

          Das stimmt nicht. Hamburg muss zwei Drittel der Kosten übernehmen. Das zeigt doch, dass das Geld irgendwo steckt. Diese Summe, wie hoch sie auch sein mag, könnte man langfristig sinnvoll investieren. Das Problem des Referendums am 29. November ist, dass dann schon über etwas abgestimmt wird, das viele Jahre in der Ferne liegt - Gentrifizierung wird aber alle treffen, auch die Befürworter: Ein Haus, das heute den Preis x hat, wird beim Zuschlag für Hamburg seinen Preis bis dahin verzehnfachen. Olympia wird ein Hebel sein, um alles zu verteuern. In der Öffentlichkeit heißt es, durch Olympische Spiele würde Hamburg weltweit bekannter, bekäme mehr Arbeitsplätze. Es gibt aber Studien, die nachweisen, dass der volkswirtschaftliche Nutzen Olympischer Spiele kaum messbar ist.

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