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Olympia 2024 : Boston als Beispiel für die nächste Phase

Boston will Olympia – und wo bleibt die Vorfreude? Bild: Reuters

Andere Länder, ähnliche Sorgen: Während sich der DOSB zwischen Hamburg und Berlin entscheiden muss, wachsen in Boston die Zweifel an der Bewerbung für die Sommerspiele 2024. Für Unruhe sorgen eine ungünstige Umfrage und ein teurer Botschafter.

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          Boston ist schon weiter als Berlin oder Hamburg. Während in Deutschland dieser Tage um die Entscheidung für eine olympische Bewerberstadt gerungen wird, hat es die Metropole des amerikanischen Bundesstaates Massachusetts bereits geschafft: Seit Januar steht fest, dass sie sich um die Austragung der Sommerspiele 2024 bemühen wird. Was jetzt dort geschieht, könnte alarmierend sein – oder aber typisch für die nächste Phase: Die Zustimmung in der Bevölkerung wackelt, die Medien schießen zum Teil scharf, und die Politik spielt ihre Spielchen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Mitte Februar ergab eine Umfrage des Radiosenders WBUR, dass die Zahl der Olympia-Befürworter in Boston von 51 auf 44 Prozent gesunken ist – die Gegner haben deutlich zugelegt, von 33 auf 46 Prozent. Nach einem Treffen zwischen dem Bewerbungskomitee und dem Amerikanischen Olympischen Sportbund (USOC) am vergangenen Freitag hielt es Scott Blackmun, Generaldirektor des USOC, für nötig, das Ergebnis zu relativieren. „Ehrlich gesagt, ist es sehr viel wichtiger, dass diese Zahlen in zweieinhalb Jahren hoch sind.“

          Allergische Reaktion auf Zahlen

          Vor der Vergabe der Spiele 2017 in Lima wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine eigene, unabhängige Umfrage machen lassen. Mittlerweile allerdings wächst die Kritik daran, dass die Politik das Projekt ohne ein Bürgervotum unterstützt. Nicht erst seit herauskam, dass der ehemalige Gouverneur Deval Patrick für seine Einsätze als Botschafter der Bewerbung einen Tagessatz von rund 7000 Euro berechnet, reagieren die Bostoner allergisch auf Zahlenangaben. Auch die Tatsache, dass er eine ganze Seilschaft von politischen Mitstreitern im Bewerbungskomitee plaziert hat, sorgt für Befremden. Den Beteuerungen, die Spiele würden ohne Steuergelder auskommen, glaubt kaum jemand.

          Die Tageszeitung „Boston Globe“, die der Bewerbung insgesamt kritisch gegenübersteht, hat jüngst die Rechnung der Bewerber zerpflückt und behauptet, dass das veranschlagte Budget nicht einzuhalten sei. Danach werden für die Veranstaltung der Spiele 4,7 Milliarden Dollar (4,48 Milliarden Euro) veranschlagt, für die Entwicklung wie etwa das Olympische Dorf 3,4 Milliarden (3,24) und für Infrastrukturmaßnahmen 5,2 Milliarden (4,95).

          Wobei die letzte Position von dem Versprechen, den Steuerzahler zu verschonen, ausgenommen ist. Darunter verstehe man Investitionen, die sowieso geplant seien. Der Ökonomieprofessor Andrew Zimbalist erläuterte in einem Artikel, dass Sommerspiele seit 1976 im Durchschnitt 252 Prozent der ursprünglichen Berechnungen gekostet hätten, und erschreckte seine Leser mit der daraus folgenden Summe von 28,5 Milliarden Dollar (27,14 Milliarden Euro).

          Der Chef des Umfrageinstituts, der für die Radiostation aktiv war, erklärt den Rückgang der Zustimmung allerdings eher mit dem Wetter. Extreme Schneestürme brachten im Februar das regionale Transportsystem zum Erliegen. „Angesichts der Auswirkungen des Sturms denken manche Befragte, es gibt andere Prioritäten, wenn Geld ausgegeben werden soll“, sagte Steve Kczela dem Sender.

          Hinzu kommt, dass auch den Bostonern ein katastrophal gemanagtes Großbauprojekt in den Knochen sitzt: Der „Big Dig“, das teuerste Autobahnprojekt in den Vereinigten Staaten, ein 3,5 Meilen langer Tunnel durch die Stadt. Eskalierende Kosten, Zeitverzug, Wassereinbrüche, Konstruktionsfehler, schlechte Ausführung und die Verwendung von Billigmaterial, ja sogar Verhaftungen begleiteten die Arbeiten.

          Die 22 Milliarden Dollar Kosten – diese Gesamtsumme errechnete der „Boston Globe“ – wird die Stadt noch bis ins Jahr 2038 abstottern. So rührte Boris Johnson, der Bürgermeister des erfolgreichen Olympia-Gastgebers von 2012, London, bei seinem Besuch in Boston in einer tiefen Wunde, als er erklärte, mit Olympia werde es ähnlich laufen wie beim „Big Dig“. Er meinte natürlich, bei der Eröffnung der Spiele sei aller Ärger vergessen. Sollte er recht haben, gälte das natürlich auch für Hamburg oder Berlin.

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