https://www.faz.net/-gtl-87djw

Olympia 2024 : Los Angeles gibt Gas

  • Aktualisiert am

Verkündung unter Palmen: Bürgermeister Eric Garcetti freut sich schon jetzt auf die Spiele Bild: AFP

Amerikas Bewerber für die Olympischen Spiele heißt Los Angeles. Bei Hamburgs neuestem Mitbewerber ist jetzt Tempo angesagt und die Sportfunktionäre sind schon auf dem Weg zu Thomas Bach.

          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten haben lange gebraucht, um ihren Kandidaten für die Olympischen Spiele 2024 zu finden: Los Angeles. Seit sich am Dienstag der Stadtrat einstimmig mit 15:0 für die Bewerbung ausgesprochen hat, ist jetzt Tempo angesagt. Bürgermeister Eric Garcetti und Bewerbungschef Casey Wasserman stiegen zusammen mit den Top-Sportfunktionären des Landes umgehend in ein Flugzeug nach Europa – schon an diesem Donnerstag werden sie mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zusammentreffen.

          Sieht aus wie antikes Olympia, ist aber die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1984 im „Coliseum“: Los Angeles will zum dritten Mal Olympia-Gastgeber werden

          Los Angeles möchte nach London die zweite Stadt werden, die (nach 1932 und 1984) zum dritten Mal Olympische Sommerspiele organisiert. So, wie sie reden, scheinen die Kalifornier zwar erst zwei Wochen vor Bewerbungsschluss, aber direkt auf der Überholspur gestartet zu sein. „Wir sind Los Angeles“, sagte Herb Wesson, der Vorsitzende des Stadtrats, „und wir sind hier, um uns dem Wettkampf zu stellen.“

          Los Angeles bringt viele Argumente mit

          In Hamburg, Rom, Paris und Budapest dürfte man die Nachricht mit gemischten Gefühlen aufnehmen. Und ganz besonders in Toronto, das noch kein endgültiges Votum abgegeben hat und nun wohl neu über seine Chancen nachdenken wird. Los Angeles bringt viele Argumente mit nach Lausanne, die Bach und dem IOC gefallen werden. Gewählt aber wird erst in zwei Jahren im peruanischen Lima.

          Der ursprüngliche Bewerber Boston war vom amerikanischen Olympischen Komitee (USOC) Ende Juli verabschiedet worden. Dort hatten die Bevölkerung und die Politik aus Furcht vor den Kosten nicht mehr hinter der Bewerbung gestanden. Ohnehin war die Entscheidung des USOC, Boston den anderen Interessenten, neben Los Angeles noch Washington und San Francisco, vorzuziehen, auf Kritik gestoßen. In Los Angeles, wo 1984 Olympische Spiele erstmals einen kommerziellen Gewinn abgeworfen hatten, reden sie nicht von ausufernden Ausgaben und verschwendeten Steuergeldern, sondern vom Business: Nach Angaben der Bewerber wird mit einem Reingewinn von 161 Millionen Dollar gerechnet.

          Wobei die reine Olympia-Veranstaltung ohnehin regelmäßig Gewinn abwirft. Die Kosten drohen stets auf dem infrastrukturellen Sektor außer Kontrolle zu geraten, beim Bau von Stadien, Straßen, Bahnen oder Flughäfen. Aber auch da beruft sich Los Angeles auf sich selbst. 85 Prozent der Sportstätten seien bereits existent oder ohnehin in Planung, wurde bei einer Pressekonferenz in Santa Monica Beach erklärt. Dort soll einst Beach-Volleyball erfunden worden sein, und dort soll nach Wunsch der Amerikaner 2024 auch das olympische Turnier stattfinden.

          „Es ist wichtig, zu betonen, dass wir nicht das Gesicht unserer Stadt verändern, um uns den Olympischen Spielen anzupassen“, sagte Garcetti. „Wir übernehmen ein innovatives Konzept für Olympische Spiele, das bequem zu dem passt, was diese Stadt ohnehin macht.“ Die Botschaft nach Lausanne war damit klar: Wir passen genau zu den neuen Zielen im IOC-Reformwerk „Olympische Agenda 2020“. „Das IOC will mit einer Stadt zusammenarbeiten, die fähig ist, Olympische Spiele auszutragen, ohne den Bürgern Schulden aufzubürden. Und stattdessen die Spiele als Katalysator benutzt, um die Vision ihrer Zukunft voranzubringen und ein Vermächtnis zu schaffen, von dem alle Bürger profitieren“, erklärte USOC-Generaldirektor Scott Blackmun in Worten, die auch von Bach stammen könnten. Es ist das Argument, das nach der konträren Vergabe der Winterspiele 2022 an Peking alle anderen übertrumpfen könnte. Auch Hamburg und die anderen Bewerber preisen ihre Kompatibilität mit der Agenda an.

          Wie professionell die Bewerber vorgehen, zeigte sich schon an der Präsentation vor dem Stadtrat. Sie wurde vorgestellt von Fernsehmoderator Al Michaels – und alle Sprecher forderten nicht nur die Stadt auf, geschlossen hinter der Bewerbung zu stehen, sondern die ganze Nation. Die heute 44 Jahre alte einstige Top-Schwimmerin Janet Evans sprach von dem Vermächtnis, das Olympische Spiele für die Bevölkerung bedeuteten, und das in der Stadt noch heute wirksam sei. Sie selbst sei 1984 nicht geschwommen, aber sie habe von der Tribüne aus zugeschaut. Die selbe Anlage habe Jessica Hardy, der Weltrekord-Schwimmerin des vergangenen Jahrzehnts, als Trainingsstätte gedient. Den Bewohnern von Los Angeles scheint dies bewusst. Nach einer Umfrage des USOC unter 600 Leuten befürworten 81 Prozent die Bewerbung.

          Weitere Themen

          Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

          Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

          Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

          Topmeldungen

          Johnson vs. Trump : Die Ironie des Brexits

          Eigentlich sollten die britisch-amerikanischen Beziehungen nach dem Brexit enger werden. Doch Boris Johnson legt sich gleich an drei Fronten mit dem amerikanischen Präsidenten Trump an – und bleibt auf Linie mit Berlin und Paris.

          Über Krebs sprechen : Mama, stirbst du jetzt?

          Eltern, die schwer krank werden, wollen das oft ihren Kindern verheimlichen, um sie nicht zu belasten. Doch schont das die Kinder wirklich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.