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Olympia 2022 in Peking : Vorsicht, heiß!

  • -Aktualisiert am

Bloß nicht verbrennen: Eine Schauspielerin hält während der Zeremonie die Flamme, mit der das Olympische Feuer entzündet wird. Bild: dpa

Die lodernde Fackel mit der olympischen Flamme auf Reisen ist auch ein Signal für das Feuer des Protests. Die Widerstände von Athleten zwingen zu einer bisweilen schmerzhaften Auseinandersetzung.

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          So ein schönes Symbol: Die brennende Fackel, Feuer und Flamme, Wärme und Licht. Das bringt sie dem Menschen seit angeblich einer Million Jahre. Mitunter aber verbrennt er sich auch daran. Also Vorsicht, wenn in diesen Tagen wieder von der Fackel auf Reisen als Zeichen der Hoffnung die Rede ist. Am Montag ging es im altehrwürdigen Olympia los und dann über Athen nach China. In 109 Tagen soll sie das olympische Feuer in Peking entzünden.

          Damit es hell wird um die Herzen der Menschen. So wünscht sich das der Hohepriester des Spitzensports, Thomas Bach, in bürgerlicher Funktion Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Seine weihevollen Worte begleiteten die Entzündung und Entsendung: Die Olympischen Spiele sind „das einzige Ereignis, das die ganze Welt im friedlichen Wettbewerb zusammenbringt“. Mal sehen.

          Wer die Fackel als Symbol der Erhellung betrachtet, könnte auf den Gedanken kommen, sie weise den Olympiern nicht nur den rechten Weg in die Volksrepublik, sondern könne auch dazu beitragen, manches Düstere zu erhellen. Etwa die Hintergründe der Proteste von ein paar versprengten Tibetern am Sonntag auf der Akropolis und am Montag in Olympia.

          Oder die Nachrichten über die Verfolgung von Uiguren, über Umerziehungsversuche ethnischer Minderheiten, Massenverhaftungen, Folter, die Gleichschaltung der Zivilgesellschaft... Dagegen kann auch das IOC nichts ausrichten und gefällt sich in der Rolle des neutralen Besuchers. Das ist praktisch, weil Bachs Spiele, wie er sagt, so „über den politischen Differenzen stehen können“. Anders formuliert: Wir scheren uns nicht, wenn ihr Machthaber uns laufen lasst – diesmal im Schnee und auf dem Eis selbstverständlich.

          Es gibt aber Athleten, die sich scheren. Diese Gruppe wächst und mit ihr die Kraft, über Jahrzehnte geübte, pragmatische Verbandspolitik infrage zu stellen, die Widersprüche zu offenbaren: Weltmeisterschaften, Olympische Spiele sind, mit Geschäftssinn gepriesene Neu­tralität hin oder her, immer auch politisch benutzt worden von den Gestaltern des Sports, den Herren der Ringe. Oder sie haben die Instrumentalisierung sehenden Auges zugelassen und gleichzeitig schon leise Proteste von Athleten gewaltig unterdrückt.

          Diese Zeiten scheinen vorbei. Und so ist die lodernde Fackel auf Reisen auch ein Signal für das Feuer, das sich entfachen könnte auf dem Weg zu den Winterspielen oder gar während der Wettkämpfe. Denn die Widerstände, die selbstbewusste wie nachdenkliche Athleten, inzwischen gestützt von manchen Gesellschaften, bieten, zwingen zu einer bisweilen schmerzhaften Auseinandersetzung.

          Aus ihr kann etwas weit Besseres hervorgehen als ein sprach- wie gedankenloser Olympiatourismus. Wem dieser Prozess zu heiß, ja brandgefährlich erscheint, der sollte Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften nicht nach China oder Qatar vergeben. Oder die Flamme löschen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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