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Protest vor Olympia 2022 : Politisierte Spiele in Peking

Aktivisten stören die Zeremonie bei der Entzündung des olympischen Feuers. Bild: AFP

Aktivisten wollen die Olympischen Winterspiele in China nutzen, um abermals auf das brutale Vorgehen gegen Minderheiten aufmerksam zu machen. Sie fordern einen Boykott. Doch dazu wird es nicht kommen.

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          Was in der chinesischen Region Xinjiang geschieht, ist nach Einschätzung von Fachleuten und westlichen Parlamenten ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Manche sprechen gar von Genozid. Trotz der Monstrosität der Vorwürfe hat das Interesse der Weltöffentlichkeit zuletzt nachgelassen, weil China den Zugang zu Informationen aus Xinjiang wirksam einschränkt.

          Aktivisten wollen nun die Olympischen Winterspiele in China nutzen, um abermals auf das brutale Vorgehen gegen Minderheiten aufmerksam zu machen. Sie fordern einen Boykott. Doch dazu wird es nicht kommen. Kein Land hat ein Interesse daran, seinen Sportlern die Teilnahme an den Wettkämpfen zu verwehren.

          Selbst die Diskussion über einen diplomatischen Boykott ist versickert, seit der amerikanische Außenminister Antony Blinken im Juni von einem „gemeinsamen Vorgehen“ Amerikas und seiner Verbündeten sprach. Viele westliche Staats- und Regierungschefs dürften die Pandemie als Ausrede nutzen, um die Einladung nach Peking auszuschlagen, ohne ihre Abwesenheit politisch zu begründen.

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          Eine Handvoll williger Spitzenpolitiker reichen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, um sich vor dem eigenen Publikum als Staatsmann zu inszenieren. Noch bei jeder chinesischen Großveranstaltung gab es europäische Staats- und Regierungschefs, die sich von Pekings Sirenengesang locken ließen.

          Kritik lässt Peking abperlen

          Chinas Appelle, die Olympischen Spiele nicht zu politisieren, sind scheinheilig. Xi Jinping wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Eröffnungsfeier für eine Demonstration der Stärke zu nutzen. Man kann davon ausgehen, dass dabei auch die Lage der Uiguren schöngefärbt wird. Wer an der Feier teilnimmt, verleiht der Propagandaschau Legitimation.

          Die Kritik an seiner Menschenrechtsbilanz lässt Peking derweil an sich abperlen. Gegenüber der eigenen Bevölkerung wird sie zum Beweis stilisiert, dass der Westen China seinen Aufstieg nicht gönne. Die Reform- und Öffnungspolitik, die noch die Sommerspiele von 2008 prägte, ist abgelöst worden von einer Wagenburgmentalität.

          Als wirksamster Hebel, um Druck aufzubauen, bleiben den Aktivisten Boykottaufrufe gegen die Olympia-Sponsoren. Westliche Markenfirmen geraten zunehmend zwischen die Fronten einer China-kritischen Öffentlichkeit in Europa und Amerika und den Verlockungen des chinesischen Marktes. US-Einfuhrsperren bereiten Unternehmen in Xinjiang zunehmend Bauchschmerzen.

          Die Lage der Uiguren hat sich dadurch nicht verbessert. Es steht zu befürchten, dass auch die Olympischen Spiele daran nichts ändern werden. Bei den Sommerspielen von 2008 stand die Unterdrückung der Tibeter weltweit im Fokus. Auch ihre Lage hat sich seither nicht verbessert. Im Gegenteil.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

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