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Olympia 2020 in Tokio : Spätere Spiele?

Japans Olympia-Ministerin Seiko Hashimoto. Bild: AP

Japans zuständige Ministerin Seiko Hashimoto möchte weiter am geplanten Eröffnungstermin der Olympischen Spiele festhalten. Eine Verlegung innerhalb des Jahres hält sie aber zumindest für rechtlich denkbar.

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          Angesichts des sich weiter ausbreitenden Coronavirus hält die japanische Regierung eine Verlegung der Olympischen Spiele in Tokio innerhalb diesen Jahres rechtlich für denkbar. Seiko Hashimoto, die für die Olympischen Spiele zuständige Ministerin der japanischen Regierung, sagte im Sangiin, dem Oberhaus des Parlaments, in einer Fragestunde, der „Host City Contract“, den die Organisatoren, die Regierung in Tokio und das Internationale Olympische Komitee (IOC) unterschrieben haben, regele nur eine Austragung der Spiele im Jahr 2020.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Tatsächlich regelt Punkt 13 des Vertrages, dass alle Rechte daraus, sofern nicht anderweitig geregelt, mit Ablauf des 31. Dezember 2020 erlöschen. Punkt 66 berechtigt das IOC, den Vertrag aufzulösen und die Spiele zu entziehen, sofern die Spiele „nicht im Jahr 2020“ ausgetragen werden.

          Allerdings hat sich Tokio im Bewerbungsprozess im Rahmen des sogenannten „Kandidatenakzeptanzprocedere“ vor der Vergabe der Spiele auf die Austragung zwischen 15. Juli und 31. August verpflichtet. Damals hätte das IOC eine Austragung außerhalb dieses Zeitraums im Ausnahmefall – „zum Beispiel bei ungünstigen Witterungsbedingungen“ – akzeptiert, Tokio bewarb sich trotz des schwülheißen Sommerwetters und mit Blick auf die eigenen Chancen bei der Vergabe auf den vorgegebenen Zeitraum. Eine Austragung im Hochsommer sichert dem IOC und seiner Veranstaltung die lukrativsten Fernsehverträge.

          Seiko Hashimoto betonte im Parlament, man halte weiter am geplanten Eröffnungstermin, dem 24. Juli, fest. Die Regierung setze „alle Kraft“ ein, das IOC überzeugen zu können, dass eine Austragung sicher sei. „Ende Mai wird eine wichtige Phase“, sagte die Olympia-Ministerin. Zuletzt hatte das kanadische IOC-Mitglied Richard Pound den Mai als Zeitpunkt genannt, an dem spätestens über eine planmäßige Austragung entschieden werden müsse. Das IOC selbst hält weiter am vorgesehenen Termin fest.

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          In der von der Sitzung der IOC-Exekutive, die bis Donnerstag in Lausanne tagt, versandten Presseerklärung heißt es einleitend, die Exekutive habe seine „vollständige Verpflichtung auf den Erfolg der Olympischen Spiele Tokio 2020 vom 24. Juli bis 9. August“ zum Ausdruck gebracht. Das IOC verwies auf die zum Virus gegründete Task Force. „Das IOC wird weiterhin den Ratschlägen der Weltgesundheitsorganisation folgen. Zuletzt waren auch diverse Olympia-Qualifikationswettkämpfe auf Grund der durch die Ausbreitung des Coronavirus verursachten Gesundheitsgefahren abgesagt oder verlegt worden.

          So sind etwa die asiatischen Ringer weiter auf der Suche nach einem Ausrichter für ihr Qualifikationsturnier, nachdem der ursprüngliche Ausrichter Xi‘an in China nicht mehr in Frage kam und am Wochenende auch die kirgisische Hauptstadt Bischkek den Wettkampf auf Grund der „rasanten Ausbreitung des Coronavirus nicht nur China, sondern auch in anderen Ländern der Welt und den damit wachsenden Ängsten in Kirgistan“ absagte. Inzwischen sind mehr als 90.000 Menschen in mehr als 60 Ländern vom Coronavirus infiziert.

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