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Olympia 2018 : Pyeongchangs entgleistes Versprechen

Jacques Rogge präsentiert im Juli 2011 in Durban den Olympiaausrichter 2018: Pyeongchang Bild: dpa

Die Fahrzeit von Seoul nach Pyeongchang sollte 68 Minuten betragen. Doch der Schnellzug in die Olympiastadt wird nicht gebaut. Die Südkoreaner haben für 2018 den Vorzug vor München aufgrund einer falschen Versprechung erhalten.

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          Der südkoreanische Bewerber Pyeongchang hat den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 auf der Grundlage einer falschen Versprechung bekommen. In seinen Präsentationen, auch während der entscheidenden Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Durban, hatte das Bewerbungskomitee in Wort und Bild den Eindruck erweckt, es werde eine neue Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke zwischen dem Flughafen Incheon bei Seoul und Pyeongchang gebaut, der Athleten und Besucher in nur 68 Minuten zu den Spielen bringen könne.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Nun berichten koranische Medien, diese Zugstrecke werde nicht gebaut. Das koreanische Verkehrsministerium erklärte in einer Pressemitteilung vom Dienstag sogar, dass es dies nie erwogen habe. „Dieser Plan hat nie existiert“, heißt es dort. Mit dem Argument des kompaktesten Konzepts aller Zeiten hatte Pyeongchang gegenüber seinen Mitbewerbern aufgetrumpft. Pyeongchang bekam am 6. Juli in Durban den Zuschlag mit den Stimmen von 63 Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), München erhielt 25, Annecy 7.

          Alle Versprechungen, die in den Bewerbungsunterlagen, aber auch in mündlichen Präsentationen gemacht werden, sind laut Ausrichtervertrag bindend - es sei denn, das IOC erklärte sich schriftlich mit einer Änderung einverstanden. Die per Mail gestellte Frage, ob es dieses Einverständnis erklären will, beantwortete das IOC zunächst nicht.

          Auch über die genaue Formulierung der Transportfrage in den Bewerbungsunterlagen gab das IOC vorerst keine Auskunft. Sollten sich die Angaben im „Bid-Book“ und in den Präsentationen unterscheiden, hätte dies eigentlich der Evaluierungskommission des IOC auffallen müssen, genau wie eine fehlende Regierungsgarantie für den suggerierten Eisenbahn-Bau.

          Die Südkoreaner freuen sich über den Zuschlag - mit dem Schnellzug werden sie aber nicht anreisen können

          Die Erklärungen zu der irreführenden Präsentationspolitik sind widersprüchlich. Die Zeitung „JoongAng Ilbo“ behauptet, das Verkehrsministerium habe den Bau der Bahnstrecke ursprünglich erwogen, aber verworfen.

          Ein hochrangiger, aber anonymer Offizieller wird mit den Worten zitiert: „Wenn wir unser Versprechen erfüllen wollten, müssten wir eine Eisenbahn bauen, die 250 Stundenkilometer erreicht. Dies ist unter dem Gesichtspunkt von Kosten und Nutzen nicht machbar.“ In der offiziellen Erklärung des Ministeriums hieß es, ein solches Projekt würde 8,7 Milliarden Dollar kosten und nach den Spielen zu wenig nachgefragt.

          München bot kein solches Versprechen - der Olympiatraum platzte

          Statt einer neuen Strecke sollen existierende Schienenwege und ein Abschnitt der Hochgeschwindigkeits-Bahn genutzt werden, die zwischen Wonju und Gangneung sowieso geplant ist, zwei Städten, die ebenfalls in der Provinz Gangwon liegen. Sollte man High-Speed-Züge auf der Streckenkombination einsetzen, könnte laut Ministerium eine Fahrzeit von 93 bis 107 Minuten erreicht werden.

          „Das Bewerbungskomitee hat gesagt, es werde eine Bahn zwischen Wonju und Gangneung bauen“, hieß es offiziell, „und diese mit dem Incheon International Airport verbinden.“ „JoongAng Ilbo“ zitiert den hochrangigen Ministeriumsbeamten Lim Jong-il, der zugab, die 68 Minuten seien nur eine „grobe Schätzung“ gewesen.

          Wer hat den Schnellzug versprochen? Die Organisatoren schieben den Medien den schwarzen Peter zu

          „Ich weiß nicht, wieso die Medien so viel Wert auf die Zeit legen.“ Als Italien sich mit Turin für die Winterspiele 2006 in Turin beworben habe, sei die Fahrtzeit zum Skigebiet Sestriere mit einer Stunde veranschlagt worden, am Ende seien es drei gewesen.

          Auch das Organisationskomitee bestreitet, jemals den Bau einer Schnell-Verbindung zum Flughafen versprochen zu haben. „Wir haben das nie getan. Das waren die Medien“, erklärte Sohn Chang-hwan, Direktor für Bau und Planung der Sportstätten, gegenüber dem „Korea Herald“. Auch er räumte ein, die 68 Minuten Fahrzeit seien nur eine grobe Schätzung gewesen. „Das war die bestmögliche Zeit“, sagte er. „Wir haben diese Zahl genannt, um die IOC-Mitglieder zu überzeugen.“

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