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Olympia 2018 in Pyeongchang : Der Süden feiert den Traum, der Norden schweigt

  • -Aktualisiert am

Jubel in Pyeongchang: Im dritten Anlauf bekommen die Koreaner den Zuschlag Bild: dpa

Pyeongchang wird als Ausrichter der Spiele 2018 zu Weltruhm kommen. Nun will die Bergregion das „Wintersportzentrum Asiens“ werden. Nicht gefeiert ob des Zuschlags für die Südkoreaner wird beim Bruder und Nachbarn über der Grenze.

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          Endlich geschafft! Die Erleichterung ist groß in Südkorea. Als die Entscheidung in Durban bekannt wurde, war es Mitternacht. Trotzdem zeigten sich in Pyeongchang schon erste Feiernde nachts auf der Straße, mit Transparenten, Fahnen und Feuerwerk. Die Bergregion wird nun als Ausrichter der Olympischen Winterspiele 2018 zu Weltruhm kommen. Und ganz traditionell bescheiden gaben einige der örtlichen Bewohner zu, sie fühlten sich „geehrt“.

          „Es ist ein Traum, der wahr geworden ist“, hörte man von den hauptstädtischen Kommentatoren. Der Traum musste eine Weile auf die Verwirklichung warten. Erst bei der dritten Bewerbung erhielt Pyeongchang den Zuschlag, doch die vergangenen Rückschläge zählen jetzt nicht mehr. In Südkorea ist man sehr erfreut über die olympischen Aussichten und es war wohl auch einer der Punkte, die das IOC beeindruckte, dass die Unterstützung der Bevölkerung, wie auch immer sie gemessen wird, für das Projekt Olympia in Südkorea zuletzt bei 96 Prozent lag.

          Für den Landkreis Pyeongchang, der in einer noch wenig entwickelten Region Südkoreas etwa 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Seoul liegt, bringen die Olympischen Spiele das Versprechen eines wirtschaftlichen Aufschwungs. In Südkorea ist alles auf die Hauptstadt Seoul konzentriert. Die Regionen tun sich mit Wirtschaftsentwicklung noch schwer. Man erhofft sich 230.000 neue Arbeitsstellen, wenn man sich mit Hilfe der Spiele zu einem „Wintersportzentrum Asiens“ mausert. Dass dafür auch erst einmal hohe Investitionen nötig sind, stört in der Feierlaune noch kaum jemand.

          Luftansicht auf das Wintersportzentrum in Pyeongchang
          Luftansicht auf das Wintersportzentrum in Pyeongchang : Bild: dpa

          Ein Erfolg für Präsident Lee Myung-bak

          Am Donnerstag schossen an der Aktienbörse in Seoul die Kurse für Bauunternehmen und Betreiber von Kasinos und Ferienanlagen in der Erwartung in die Höhe, dass die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens von den Winterspielen enorm profitieren würde. Dies berichtete der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg. Für den großen Olympiasponsor Samsung, den Autohersteller Hyundai Motor, die Hanjin-Gruppe und deren Tochter Korean Air sowie andere Konzerne ist der Sport ein wichtiges Marketinginstrument.

          Präsident Lee Myung-bak, der sich eifrigst für die Bewerbung engagiert hatte und nach Durban gereist war, bezeichnete die Entscheidung als Sieg für die Koreaner und lobte das Durchhaltevermögen der Bewerber. Für den Präsidenten ist die Entscheidung auch ein persönlicher Sieg und eine willkommene Ablenkung von innenpolitischen Querelen in einer sich zu Ende neigenden Amtszeit.

          Lee Myung-bak kann jetzt den Zuschlag an Pyeongchang als einen Erfolg seiner Präsidentschaft verbuchen. Der Präsident hat es darauf angelegt, das kleine Südkorea zu einem gleichberechtigten Partner auf internationaler Ebene zu machen. Letzter Sieg auf diesem Weg war für ihn die Austragung des G8-Gipfels im vergangenen Jahr in Seoul. Jetzt gibt die Zusage der Winterspiele noch ein Sahnehäubchen dazu.

          „Mehr als Werften, Mobiltelefone und Autos“

          Südkoreanische Zeitung vergaßen am Donnerstag nicht darauf hinzuweisen, dass Südkorea jetzt zum Elite-Club derer zählt, die alle vier wichtigen Sportgroßereignisse, die Sommer- und die Winterspiele, die Fußballweltmeisterschaft und die Leichtathletik-WM, die diesen Sommer in der Stadt Daegu im Süden des Landes stattfindet, ausrichten kann. Außer Südkorea können nur Erzrivale und Nachbar Japan, Deutschland, Frankreich und Italien eine solche Liste vorzeigen.

          Die Olympischen Sommerspiele im Jahr 1988 in Seoul markierte Südkoreas Ankunft in der Reihe der Industrieländer. Heute zweifelt niemand mehr an der Wirtschaftsmacht des kleinen asiatischen Staates. „Jetzt können wir der Welt zeigen, dass Südkorea nicht nur für Werften, Mobiltelefone und Autos steht“, schrieb die Nachrichtenagentur Yonhap.

          Beim Nachbarn in Nordkorea bleibt es stumm

          Kommentatoren jubelten, warnten aber trotz des Rückhalts der heimischen Unternehmen vor finanziellen Risiken. Die Zeitung „Chosun Ilbo“ erinnerte etwa an die Sommerspiele in Montreal 1976, als exzessive Infrastruktur-Investitionen zu großen Defiziten führten. In der Hauptstadt Seoul soll an diesem Freitag groß gefeiert werden, wenn das Bewerbungs-Team aus Durban zurückkommt. Nach der Vergabe der Winterspiele 2018 an Pyeongchang wird sich die südkoreanische Küstenmetropole Pusan nicht mehr um die Sommerspiele 2020 bemühen.

          Nicht gefeiert wird beim Bruder und Nachbarn über der Grenze. In Nordkorea, das derzeit einmal wieder die Kontakte zum Süden eingefroren hat, und wo es in den vergangenen Tagen Aufmärsche zur Kritik am „Verräter Lee Myung-bak“ gab, blieb es stumm. Bei den ersten Bewerbungen hatte Pyeongchang noch angeboten, einige Wettbewerbe gemeinsam mit dem kommunistischen Nachbarn auszurichten. Davon war diesmal nicht mehr die Rede. Es ist ein Wermutstropfen in der Freude, dass jenseits der Grenze ein Korea liegt, dessen Bewohner noch ums Überleben kämpfen, die harte Winter kennen, aber keinen Wintersport.

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