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Rios Gouverneur sagt aus : Neun Stimmen für Olympia 2016 gekauft?

2016 fanden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt. Bild: dpa

95 IOC-Wahlberechtigte stimmten vor zehn Jahren über die Vergabe der Olympischen Spiele 2016 ab. Neun von ihnen wurden bestochen. Das behauptet der frühere Gouverneur des Bundeslandes Rio de Janeiro vor Gericht.

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          Am 2. Oktober 2009 bekam Rio de Janeiro den Zuschlag der Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die Sommerspiele 2016. 66 Stimmen entfielen auf Rio im entscheidenden Wahlgang, 32 Mitglieder stimmten für Madrid. In der ersten Runde aber war es viel knapper. 28 Stimmen für Madrid, 26 Stimmen für Rio, 22 für Tokio, 18 für Chicago, das damit schon ausgeschieden war. Neun Stimmen weniger, und Rio wäre weg gewesen. Die Wahl sei gekauft gewesen, behauptet Sergio Cabral. Neun der Stimmen für Rio seien mit zwei Millionen Dollar bezahlt worden, behauptet der frühere Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro. In einer richterlichen Vernehmung am Donnerstag belastete Cabral, der wegen diverser Korruptions- und Betrugsdelikte eine Gefängnisstrafe von 198 Jahren verbüßt, zwei Männer schwer: Carlos Arthur Nuzman und Lamine Diack.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.
          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Nuzman war IOC-Mitglied von 2000 bis 2012, danach Ehrenmitglied, seit 1995 Präsident des Brasilianischen Olympischen Komitees und Präsident des Organisationskomitees der Spiele von Rio. Am 5. Oktober 2017 wurde er verhaftet. Das IOC suspendierte ihn – er war auch Mitglied der Koordinierungskommission für die Spiele 2020 in Tokio.

          Dem Senegalesen Diack wiederum, von 1999 bis 2015 Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), einst ebenfalls IOC-Mitglied, dann Ehrenmitglied, schließlich suspendiert und zurückgetreten im November 2015, soll in Frankreich gemeinsam mit seinem Sohn Papa Massata Diack und weiteren Verdächtigen der Prozess gemacht werden, wegen korrupter, bisweilen erpresserischer Geschäfte. Unter anderem sollen Athleten dafür gezahlt haben, dass positive Doping-Proben verschwinden.

          300.000 Dollar über eine Briefkastenfirma

          Schon im Frühjahr 2017 war bekannt geworden, dass IOC-Mitglied Frankie Fredericks, ehemaliger Sprinter aus Namibia, von der Marketingagentur Papa Massata Diacks am Tag der für Rio siegreichen Abstimmung über eine Briefkastenfirma 300.000 Dollar erhielt. Fredericks macht geltend, er habe dafür Beratungsleistung erbracht. Ihm soll in Frankreich der Prozess gemacht werden. Dass auch die brasilianischen Ermittler davon ausgehen, dass bei Rios Erfolg finanziell nachgeholfen wurde, konnte man schon sehen, als Nuzman im Oktober 2017 die Handschellen angelegt wurden. Im Oktober 2018 wurde er angeklagt, gemeinsam mit Cabral und dem COB-Marketing-Chef Leonardo Gryner. Cabral hat nun Details dargelegt: Arthur César de Menezes Soares Filho, ein als „König Arthur“ bekannter Geschäftsmann, habe das Geld besorgt. „Nuzman kam zu mir und sagte: ,Sergio, ich will dir sagen, dass der IAAF-Präsident Lamine Diack für Vorteilsnahme offen ist. Er kann fünf oder sechs Stimmen garantieren, dafür will er 1,5 Millionen Dollar‘“, sagte Cabral aus. Später seien für drei weitere Stimmen weitere 500.000 Dollar aufgerufen worden. Der damalige brasilianische Präsident Lula da Silva und Rios damaliger Bürgermeister Eduardo Paes seien im Bilde gewesen. Cabral habe die Zahlungen selbst angewiesen.

          Profitiert hätten auch zwei Olympiasieger, die zu IOC-Mitgliedern geworden waren: der frühere Stabhochspringer Sergej Bubka aus der Ukraine und der Russe Alexander Popow, einst Freistilschwimmer. Beide bestreiten, Geld genommen zu haben, drohen mit Klagen. Popow schrieb bei Instagram unter anderem: „Ich bin bereit, offiziell zu erklären, dass ich erstens gar nicht für Rio de Janeiro gestimmt habe und zweitens habe ich nie an Verhandlungen teilgenommen, ich weiß nicht, worum es geht, kenne die Leute, über die nun berichtet wird, nicht und hatte nie Kontakt zu ihnen.“ Er wolle mit der Ethikkommission des IOC zusammenarbeiten. Ein Sprecher des IOC teilte mit, die Vorsitzende der Kommission, Paquerette Girard Zappelli, habe mit den genannten Personen Kontakt aufgenommen und werde der Sache nachgehen. Das IOC habe Probleme, gerade was die Vergabe von Olympischen Spielen angeht, inzwischen durch Reformen hinter sich gelassen.

          Nuzmans Anwalt sagte, Cabral habe keine Beweise vorgelegt und wolle dafür sorgen, dass seine hohe Haftstrafe reduziert wird und überhaupt sei Korruption im Geschäftsverkehr nicht strafbar. Lula da Silva und Paes bestritten, von Korruptionsplänen Kenntnis gehabt zu haben. Und Papa Massata Diack wiederum, der sich der Verhaftung durch die französische Justiz entzieht, sich vermutlich in Dakar aufhält, schrieb der „New York Times“, er habe zwar 1,5 Millionen Dollar von Nuzman bekommen. Das Geld sei aber zum Sponsoring der IAAF World Relays gedacht gewesen. Cabral oder Paes habe er nie getroffen. Der Staffelwettkampf des Weltverbandes sei zwar abgesagt worden. Nuzman habe ihn gebeten, das Geld zu behalten, zur Sportförderung in Afrika, Südamerika und der Karibik.

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