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Sportförderung : Ein Jahr Spitzensport, zwei Jahre kein Einkommen

Es sollen Stellen geschaffen werden für diejenigen, die nicht bei Bundeswehr, Polizei oder Zoll unterkommen. Bild: Helmut Fricke

Sportlerinnen und Sportler brauchen Einkommen und soziale Absicherung. Denn ohne Sportförderung kommt Topathleten ihr Tun teuer zu stehen – sie wollen, dass die Politik eine Lösung findet.

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          Die Athletenvertreter im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) streben langfristig eine Professionalisierung des Spitzensports zur sozialen Absicherung an. Im Sportausschuss des Deutschen Bundestages stellten an diesem Mittwoch die Wildwasser-Kanutin Silke Kassner, der Ruderer Richard Schmidt, im Deutschland-Achter Olympiasieger von London 2012 und Silbermedaillengewinner von Rio de Janeiro 2016, sowie der Rollstuhl-Sprinter Marc Schuh entsprechende Forderungen und Vorschläge vor unter dem Schlagwort: „Wenn das Sportsystem professionalisiert werden soll, braucht es auch professionelle Athleten.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Insbesondere geht es ihnen darum, Stellen zu schaffen für diejenigen, die nicht bei Bundeswehr, Polizei oder Zoll unterkommen, wo zusammen 1200 Planstellen für Spitzensportler bereitgestellt sind. Das sind zum einen die paralympischen Athleten, die laut Spitzensportreform zwar gleichzustellen sind mit Olympia-Athleten, die aber nicht Soldaten, Polizisten oder Zöllner werden dürfen. Und das sind da noch diejenigen, die aus gesundheitlichen, persönlichen oder weltanschaulichen Gründen nicht in eine Uniform schlüpfen möchten, um Spitzensport treiben zu können.

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          Jedes Jahr Spitzensport – außerhalb der staatlichen Sportförderung – bedeute einen Einkommensverlust von zwei Berufsjahren für Athleten. Ein solches Risiko erscheine vor dem Hintergrund zunehmender Medaillenerwartung untragbar. Damit spielen die Athleten auf die Reform der Spitzensportförderung an, die allein auf Medaillengewinne ausgerichtet ist.

          Die Athletenvertreter setzen mit dieser Initiative ihre Offensive von Anfang März fort. Damals forderten sie – mit Erfolg – von der Bundeswehr berufliche Perspektiven ein und verlangten eine Gleichstellung der „zivilen“ Sportler. Der Bund hat seitdem für siebzehn paralympische Athleten Stellen geschaffen, unterstützt deren Arbeitgeber und gewährt Stipendien. Für die Athletenvertreter sind dies beispielhafte Modelle, die auch für Olympia-Athleten umgesetzt werden sollten.

          Die Abgeordneten erfuhren, dass für Spitzensportler, die nicht vom Bund alimentiert werden, während Trainings- und Wettkampfzeiten das Bafög gestrichen beziehungsweise den Eltern kein Kindergeld gezahlt wird. Durch ihren späten Berufseinstieg erleiden Spitzensportler Nachteile bei der Rente. Von einem bestimmten Alter an und nach Abschluss des Studiums ist Krankenversicherung über die Eltern nicht mehr möglich. Da all dies existentielle Belastungen seien, baten die Athleten um Hilfe bei der Lösung dieser Probleme.

          Staat und Wirtschaft seien gefordert, Stellen zu schaffen, von denen Athleten für Training und Wettkampf freigestellt werden können oder die sie in Teilzeit ausüben, forderten Kassner, Schmidt und Schuh. Sportlerinnen und Sportler brauchten Einkommen und soziale Absicherung.

          Als Kern der Vision vom olympischen oder paralympischen Profi regen sie eine langfristige Bindung von Athlet und Verband durch so etwas wie einen Arbeitsvertrag an, um Planungssicherheit zu schaffen. „Eine einjährige Kaderzugehörigkeit hindert den Athleten daran, das Modell ,Leistungssportler‘ vertrauensvoll anzugehen“, warnen sie. Zum Schutz vor Willkür fordern die Athleten eine Charta der Fürsorgepflicht und eine unabhängige Ombudsstelle.

          Daran, dass es auch für ihr Gremium Bestrebungen zur Professionalisierung gibt, erinnerten die Athletenvertreter mit dem Hinweis, dass die Repräsentanten der Sportler Unterstützung und Infrastruktur benötigten, um bei Entscheidungen mitreden zu können.

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