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Özil bekräftigt Vorwürfe : „Jeder hat einfach geschwiegen und es geschehen lassen“

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Özil mit Erdogan: „Auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist die Türkei Teil meines Erbes.“ Bild: dpa

Ein gutes Jahr nach seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft erkennt Mesut Özil weiterhin keine Fehler bei sich – stattdessen verteidigt er sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan.

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          Für den ehemaligen deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil ist der Rassismus in Deutschland „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen. „Unglücklicherweise ist Rassismus nicht mehr länger ein Thema der Rechten“, sagte der 31 Jahre alte Fußball-Weltmeister von 2014 im Interview des Portals „The Athletic“ an diesem Donnerstag. „Es gibt große Probleme in Deutschland - schaut, was in der vergangenen Woche in Halle passiert ist. Eine weitere antisemitische Attacke.“

          Am vergangenen Mittwoch hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in eine mit mehr als 50 Gläubigen besetzte Synagoge zu gelangen. Als das scheiterte, erschoss er vor der Synagoge eine 40 Jahre alte Frau und kurz darauf einen 20 Jahre alten Mann in einem nahe gelegenen Dönerladen. Auf seiner Flucht verletzte der Schütze auch ein Ehepaar schwer. Ein 27-jähriger Deutscher hat die Tat aus antisemitischen und rechtsextremen Motiven gestanden.

          Knapp 15 Monate nach seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft hat Özil in dem gleichen Interview seine Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bekräftigt und sein umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verteidigt. „Nach dem Foto habe ich mich nicht mehr geschützt, nicht mehr respektiert gefühlt. Ich wurde rassistisch angegangen - sogar von Politikern und bekannten Persönlichkeiten“, sagte Özil. „Dennoch hat sich zu dieser Zeit niemand von der Nationalmannschaft vor mich gestellt und gesagt: „Hey, das reicht. Das ist unser Spieler.“ Jeder hat einfach geschwiegen und es geschehen lassen.“

          Özil beklagt, er sei im Anschluss an den Erdogan-Termin aufs Schlimmste beleidigt worden. Zudem hätten sich einige Geschäftspartner von ihm abgewandt und Wohltätigkeitsorganisationen ihn als Botschafter fallengelassen.

          Özil war nach der WM 2018, die für Deutschland bereits nach der Vorrunde beendet war, mit einem Knall zurückgetreten. In einer mehrteiligen Stellungnahme in den sozialen Medien hatte der Weltmeister von 2014 den DFB und dessen damaligen Präsidenten Reinhard Grindel scharf angegriffen. Das Erdogan-Foto wurde in Deutschland zum Politikum und Anlass zu lautstarken Diskussionen über Rassismus. „Er ist der aktuelle Präsident der Türkei und ich würde dieser Person immer meinen Respekt erweisen - egal, wer es ist“, sagte der einstige Bundesliga-Profi. „Auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist die Türkei Teil meines Erbes.“

          Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel damals nach London gereist wäre „und nach einem Treffen, einem Gespräch gefragt hätte, hätte ich das natürlich auch getan. Es ging allein darum, Respekt vor dem höchsten Amt eines Landes zu zeigen.“ Seinen Rücktritt bezeichnete der Profi des FC Arsenal London auch mit dem Abstand mehrerer Monate als „richtige“ Entscheidung. „Es war eine sehr schwere Phase für mich, ich habe neun Jahre für Deutschland gespielt und war einer der erfolgreichsten Spieler. Ich habe die WM und mehr gewonnen, eine Menge Spiele gespielt - viele davon waren sehr gut - und habe alles gegeben.“

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