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Gewichtheben in der Krise : Ein Berg von altem Eisen

Powerfrau: Sarah Davies will die alten Heber-Eminenzen entmachten. Bild: Imago

Die Gewichtheber kämpfen um ihren Olympiastatus. Doch die Reformkräfte müssen erst die alten Mächte bannen – und Tamás Ajáns Gespenst. Sein korruptes System gefährdet die Zukunft des Sports.

          5 Min.

          Tamás Aján ist nicht weg. Der Diktator hat zwar im April dieses Jahres abgedankt, und man hört nichts mehr von dem 81 Jahre alten Ungarn. Aber sein Geist geht um im Internationalen Gewichtheberverband (IWF) nach seiner 44 Jahre währenden Herrschaft. Aján spukt in den Köpfen und Herzen vieler führender Funktionäre, die Produkte seines korrupten Systems sind, und die immer noch glauben, die Gesetze seines autoritären Führungsstils seien die einzig gültigen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Und das, obwohl ein Report des kanadischen Juristen Richard McLaren im Juni, nach Ajáns Rückzug als Präsident, erschütternde Belege erbrachte für seine korrupte Amtsführung, ob nun finanziell, bei Wahlen oder im Umgang mit Dopingfällen. Es wurde endgültig klar: Dieser Weltverband hat jahrzehntelang nicht den Sportlern, sondern Aján gedient. Er ist Ajáns Abbild, und seine Doppelgänger sind überall. „Tamás Aján hat viele Klone erschaffen“, sagte sein zähester Gegenspieler, der Italiener Antonio Urso dem Branchendienst Insidethegames. „Ich nenne sie seine Söhne und Töchter.“ Aján musste zurücktreten, die Klone nicht. Sie kleben immer noch an ihren Vorstandssesseln und verhinderten und blockierten monatelang fast jeden Reformversuch der Interimspräsidentin Ursula Papandrea, sie missachteten und mobbten sie, und am Dienstag vergangener Woche sägten sie sie ab. Nun ist es die alte Garde, die gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) behauptet, sie wollte die IWF reformieren, damit Gewichtheben seinen olympischen Status und damit die wichtigste Geldquelle nicht verliert. Als wäre es möglich, mit der Geisterbahn in die Zukunft zu reisen.

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