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Notplan für Fußball-EM 2021 : Retterchen Russland

Das Maskottchen steht parat: „Skillzy“ winkt aus St. Petersburg Bild: Picture-Alliance

Früher war stets Deutschland Ersatzkandidat Nummer 1 für Sportevents aller Art. Doch nun soll ausgerechnet Russland den Euro-Retter geben. Dabei kommt eigentlich nur ein Land in Betracht.

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          Früher war alles besser. Früher hatte Blatters Sepp das Sagen. Früher war Deutschland Ersatzkandidat Nummer eins. Und zwar ganz ohne Pandemie. Zum Beispiel einst im Mai (2007). Bei der Fifa war alles wie immer, Blatter an der Spitze, alle in großer Sorge um die kommende WM, die Jahre später (2010) in Südafrika stattfinden sollte.

          Es wurde Zeit für die Meldung, die jahrelang auf Taste lag, um wieder und wieder und wieder gespielt zu werden, ob nun bei echten oder imaginierten Sorgen um Fußball-, Handball- oder Kunstmurmel-Weltmeisterschaften oder weil es einfach so wahnsinnig guttut, den eigenen Namen in die Nachrichten zu bringen: Deutschland ist Ersatzkandidat Nummer eins, Deutschland steht bereit, Deutschland könnte einspringen.

          Dazu hatte nicht zuletzt die letztlich durchaus erfolgreiche Fußballweltmeisterschaft 2006 beigetragen. Aber selbst die bereitete in der Vorbereitung existentielle Sorgen. Und zwar nicht wegen der halbseidenen Akquise, sondern wegen erheblicher Brandschutzbedenken. Interessante Frage: War Deutschland damals sein eigener Ersatzkandidat?

          Heute ist alles anders. Blatter ist längst nicht mehr Präsident beim Internationalen Fußballverband. Michel Platini, der bei der Fifa unbedingt Blatters Nachfolger werden wollte, hat es nur bis zum europäischen Fußball-Präsidenten gebracht. Dann fiel er über halbseidene Beraterzahlungen. Aber Platinis Vermächtnis ist ein Schreckgespenst, das gerade das nächste Halloween überlebt hat: eine bis zur Unverdaulichkeit aufgeblähte Europameisterschaft, für die sich für die aktuelle Ausgabe partout kein geeigneter Gastgeber fand – bis die Uefa entschied, das Turnier in elf Ländern und zwölf Städten auszutragen.

          Dann kam Corona ins Spiel, das Turnier wurde um ein Jahr verschoben. Doch das Virus weicht nicht – und so fand sich am Montag in „Le Parisien“ die erste „Sorgen-um-Ersatzkandidat-bereit“-Nachricht. Mag sein, dass sie bei der Uefa im Moment auch nicht so genau wissen, wer denn in diesen Tagen beim Deutschen Fußball-Bund der geeignete Ansprechpartner bei solchen Fragen ist, mag sein, dass irgendeine Regel den Verbänden diktiert, partout den vorangegangenen Weltmeisterschaftsgastgeber als Ersatzkandidaten zu pitchen – jedenfalls, so schreiben die französischen Kollegen, steht nun Russland bereit.

          Was keine schlechte Pointe ist, schließlich läuft Corona zum einen dort auch aus dem Ruder, so dass der Kreml-Herr jüngst zum Schrecken der deutschen Putin-rette-uns-Querdenker die Maskenpflicht zwischen Wyborg und Wladiwostok verhängte. Und zum anderen gilt ja eben diese Europameisterschaft mit 24 Mannschaften und Milliardenpublikum gerade nicht als Sportgroßereignis, so dass sie ausgenommen ist vom Staats-Doping-Veranstaltungsverbot für Russland, gegen das die russische Anti-Doping-Agentur diese Woche vor dem Internationalen Sportschiedsgericht in Lausanne klagt. Scheitert das Begehr, wäre das eigene Land die Bühne für eine Abschiedsvorstellung der Sbornaja, bevor die sich dann für die Weltmeisterschaft in die Auswahl neutraler Athleten verwandelt. Die Uefa dementierte die Geschichte übrigens prompt. Auch das gehört zum Spiel. Aber apropos WM, apropos Platinis Vermächtnis: Im modernen Fußball, so ehrlich und konsequent sollten sie auch bei der Uefa sein, kommt als Ersatzkandidat, ganz gleich für welche Veranstaltung, ohnehin nur Qatar in Betracht.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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