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DFB : Das Präsidium wusste von nichts

Bild: dpa

Das DFB-Präsidium soll erst am Freitag von der internen Prüfung zur Überweisung an die Fifa erfahren haben. Das beunruhigt die Funktionäre. Präsident Niersbach entgegnet den Vorwürfen auf der Verbands-Homepage.

          Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat von der internen Untersuchung zu möglichen Manipulationen rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft bis zum Freitag nichts gewusst. Das bestätigten zwei Quellen unabhängig voneinander der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am Samstag. Demnach wurde der Führungszirkel des größten Fußball-Verbandes erst am Freitag über die Prüfung in Kenntnis gesetzt. An diesem Tag sollen nach Informationen der F.A.S. auch erst der DFB-Kontrollausschuss und eine externe Kanzlei mit Untersuchungen beauftragt worden sein.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einem Interview des DFB-Präsidenten Niersbach vom Samstag auf der Internetseite des Verbandes konnte man den Eindruck bekommen, dass diese umfangreichen Untersuchungen schon seit Sommer laufen. Eine Prüfung hatte der DFB in einer schriftlichen Erklärung am Freitag öffentlich gemacht. Er habe dabei „keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten“ gefunden, auch keine Anhaltspunkte für den Kauf von Stimmen im Zuge des Bewerbungsverfahrens. Belege für eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro im Frühjahr 2005 durch das Bewerbungs-Ok unter Beckenbauer und Niersbach an die Fifa respektive an den damaligen Adidas-Vorstand Robert Louis-Dreyfus wurden nicht entdeckt. Der DFB will einen „Hinweis“ bekommen haben, den Niersbach dazu nutzte, eine (weitere?) interne Untersuchung anzuordnen. Sie soll „unter Hinzuziehung externer Rechtsberater“ auch die Frage klären, ob im Zusammenhang mit diesem Vorgang Ansprüche des DFB auf Rückforderung bestehen.

          Der Verband fühlt sich also unter Umständen betrogen. Und müsste konsequenterweise auch die Fifa verklagen. Nämlich auf Herausgabe von 6,7 Millionen Euro, die das OK damals für ein Kulturprogramm rausgerückt haben will, das aber nicht stattfand. Was wird wohl die Fifa dazu antworten, die nach Darstellung des „Spiegel“ als Mittler für die Rückzahlung eines geheimen Darlehens an Louis-Dreyfus gedient haben soll? Die vielen offenen Fragen befeuerte das DFB-Präsidium, eine Aufklärung zu fordern. In einer Telefonkonferenz drängten die Mitglieder ihren Präsidenten, schnell Antworten zu finden.

          Das Präsidium, schreibt der DFB, setze sich für eine lückenlose Aufklärung ein. Es heißt, man habe auch dringend geraten, weitere externe Aufklärer einzubinden. Machen sich da Mitglieder Sorgen, in Haftung genommen zu werden? Manche ließen zumindest durchblicken, dass der Präsident zum Eigenschutz in dieser brisanten Angelegenheit die Präsidiumsmitglieder über die internen Prüfungen hätte informieren und sie auf dem Laufenden hätte halten müssen. Es wäre auch aufgrund der Organhaftung aller Funktionäre wohl seine Pflicht gewesen. Hinzu kommt, dass wohl auch der Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees im Jahr 2005 vorab keine Kenntnis erhielt über die bevorstehende Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die Fifa. In diesem Gremium saßen damals Vertreter wie der damalige Innenminister Otto Schily (SPD) oder der heutige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach.

          Die Vorwürfe gegen Niersbach könnten auch Auswirkungen auf das Machtgefüge im DFB habe. Denn es rumort seit einiger Zeit im Verband. Die Amateure fühlen sich von führenden hauptamtlichen Mitarbeitern in der Zentrale in Frankfurt nicht angemessen behandelt. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock und seinem Stellvertreter Stefan Hans wird von Seite der Landesverbände eine abgehobene Amtsführung vorgeworfen. Es gibt unterschiedliche Meinungen zu der Umsetzung der neuen DFB-Akademie. Die interne Kritik richtete sich zuletzt auch gegen Niersbach. Ihm wird vorgeworfen, die Grabenkämpfe nicht befriedet zu haben.

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