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DFB und Platini : Vorsichtiges Abrücken

Harte Probe: Fahren die beiden Fußballfreunde Wolfgang Niersbach (l.) und Michel Platini wirklich noch gemeinsam nach oben? Bild: dpa

Noch ist Michel Platini Chef der Uefa und Fifa-Präsidentschaftskandidat. Aber selbst der bislang so treue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach deutet vor der Dringlichkeitssitzung der Uefa-Exekutive an diesem Donnerstag ein vorsichtiges Abrücken an.

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          Wird an diesem Donnerstag Michel Platinis Fell verteilt? Oder wird er trotz seiner Suspendierung durch den Fußball-Weltverband die Rückendeckung des europäischen Kontinentalverbandes Uefa behalten? Die Krisensitzung der Uefa-Exekutive in Nyon (Schweiz) könnte ein klareres Bild von der Lage des wankenden Franzosen ergeben, der immer noch als Uefa-Chef geführt wird und gerade noch als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Fußball-Weltpräsidenten galt.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Obwohl das europäische Führungsgremium, dem auch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, angehört, Platini nach der Suspendierung zunächst einmal sein volles Vertrauen ausgesprochen hatte, bröckelt nun die Front. Am Mittwoch wurden sogar Zitate von Niersbach, Platinis treuestem Gefolgsmann, unters Volk gebracht, die auf Zweifel und zaudernden Rückzug schließen lassen. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ betonte der DFB-Präsident zwar, dass für Platini weiter die Unschuldsvermutung gelten müsse. „Er ist noch nicht angeklagt. Nichts ist bewiesen.“ Doch er nannte die Vorwürfe der Fifa einen „schweren Rucksack“. Und weiter, beinahe schon ein vorsichtiges Abrücken: „Es ist ein Rucksack, der einen möglicherweise in die Knie zwingen kann.“

          Platini scheint nicht in der Lage, die Vorwürfe zu entkräften. Er soll von Fifa-Präsident Joseph Blatter zwei Millionen Schweizer Franken angeblich als Entlohnung für Dienste erhalten haben, die er der Fifa 1999 bis 2002 leistete – das Geld floss jedoch erst 2011. Weil damit sein Anspruch an die Fifa schon verjährt war, ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen Blatter wegen „untreuer Geschäftsbesorgung“. Platini wurde von der Behörde bisher lediglich als „Auskunftsperson“ befragt.

          Niersbach möchte Antworten von Platini

          Schon am Dienstag hatte Allan Hansen, dänisches Mitglied des Uefa-Vorstandes, einen Beleg für Platinis Unschuld gefordert. Und der Schwede Lennart Johansson, Platinis Vorgänger als Uefa-Präsident, ließ sogar durchblicken, dass er von einer Schmiergeldzahlung ausgeht, mit der sich Blatter 2011 Europas Unterstützung bei seiner Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten gesichert hat. Auch Niersbach äußerte in seinem Zeitungsinterview jetzt nicht mehr nur das Bedürfnis, von Platini beruhigt, sondern über die Hintergründe aufgeklärt zu werden: „Ich möchte auch Antworten auf die offenen Fragen.“

          Weil Platini gegen die 90-Tage-Sperre Einspruch erhoben hat, führt ihn die Uefa auf ihrer Homepage immer noch als ihren Präsidenten. Allerdings darf er sein Büro in Nyon nicht mehr betreten. Auch an der Vorstandssitzung darf er nicht teilnehmen. Es ist zu erwarten, dass er eventuelle Entlastungsargumente von seinen Anwälten überbringen lässt.

          Zaudert: Wolfgang Niersbach
          Zaudert: Wolfgang Niersbach : Bild: dpa

          Die Frage, ob die Exekutive bereit ist, nächste Woche bei der Vorstandssitzung der Fifa eine Verschiebung des Wahlkongresses jenseits des 26. Februar zu betreiben, wird damit zu einem wichtigen Test für Platini. Er möchte damit Zeit gewinnen, um seine Präsidentschaftskandidatur fortsetzen zu können. Die Meldefrist hierfür läuft am 26. Oktober ab. Der einzig verbliebene und nicht gesperrte Kandidat, der jordanische Prinz Ali al Hussein, forderte am Mittwoch in einem Statement vehement, den Termin beizubehalten. Und auch Niersbach, zwischendurch wankend geworden, gab sich wieder fest: „Ich hoffe sehr, dass wir das Datum halten können.“ Sollte Niersbach jemals die Idee gehabt haben, mit Platinis Hilfe dessen Nachfolger an der Uefa-Spitze werden zu können, so ist sie zusammen mit zwei Millionen Franken im Rucksack des Franzosen verschwunden.

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