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Dubiose Sport-Präsidenten : Die feinen Herrschaften

Achtung Baustelle! Das trifft allerdings nicht nur auf den Internationalen Fußballverband zu Bild: Reuters

In der Sportwelt stehen nicht nur die Blatters und Platinis zur Disposition. Mit ihnen gerät das gesamte System des Ehrenamts auf dem Niveau von Weltverbänden ins Wanken. Nur eine Radikalkur hilft.

          6 Min.

          Javier Tebas holt tief Luft. Er spricht spanisch. Die Übersetzung ist holprig, aber unmissverständlich. Tebas, der Präsident der spanischen Fußball-Profi-Liga, richtet die Spitzenfunktionäre des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) mit einem Satz: „Entweder waren sie alle korrupt“, sagt er am Dienstag in Kitzbühel, „oder dumm.“ Dann lächelt er.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Tebas weiß, dass die Herren sich lange für schlau und unangreifbar hielten; die nun von der Ethik-Kommission suspendierten Präsidenten Joseph Blatter (Fifa) wie auch Michel Platini (Uefa) – beide haben Einspruch erhoben – und die von der amerikanischen Staatsanwaltschaft festgesetzten Kollegen der Exekutive lebten Jahrzehnte fernab von den Graswurzeln des Fußballfeldes in einer Scheinwelt, ausgekleidet mit roten Teppichen. Sie flogen erster Klasse mit Begleitperson um die Welt.

          Auf sie warteten beim Besuch des Fifa-Sitzes in Zürich eine eigene Limousine mit Fahrer und ein Zimmerchen im Fünf-Sterne-Luxushotel Baur au Lac – für 1000 Franken die Nacht. Der Fußball ist ein Weltsport und das Reisen anstrengend, der Aufwand groß. Da kann es angeblich passieren, so das Ergebnis einer internen Untersuchung, dass geleaste Privatjets der Fifa auch für private Reisen genutzt wurden – angesichts der überschaubaren Entschädigung.

          Nicht schlecht für einen Ehrenamtlichen

          Ein Mitglied der Fifa-Exekutive soll zwischen 200.000 und 300.000 Dollar pro Jahr erhalten. Hinzu kommt eine ähnliche Summe aus der Kasse der Konföderation, die der Abgeordnete vertritt, und – nicht zu vergessen – die Zahlung des Landesverbandes. Macht summa summarum eine halbe Million Euro per annum. Nicht schlecht für einen Ehrenamtlichen. Dass mit der Rundumversorgung auch mancher Größenwahn genährt wurde, ist gut belegt. Der schwer korruptionsverdächtige ehemalige südamerikanische Fußballchef Nicolas Leoz aus Paraguay, der inzwischen per Haftbefehl von Interpol gesucht wird, soll bei der WM-Vergabe für 2018 als Mitglied des Fifa-Vorstands vom englischen Bewerberkomitee für seine Stimme ewigen Ruhm verlangt haben: die Umbenennung des Vereinspokals zum Leoz-Cup. Bei den Engländern! Tebas hat nicht recht. Mancher war wohl korrupt und dumm.

          In welcher Zeit Top-Ehrenamtliche der Fußballwelt leben, zeigte die Verteilung von 50 Luxus-Chronographen der Marke Parmigiani im Wert von jeweils 25 000 Franken durch den brasilianischen Fußballverband während der WM 2014 an geneigte Funktionäre. Allerdings merkte die Fifa, dass da jemand nicht richtig tickte. Die Ethik-Kommission verlangte die Rückgabe. Manche Leistung aber lässt sich nicht zurückgeben. Etwa das Wohlfühl-Paket einer Service-Einrichtung für die Kurzweil bei langweiligen Fifa-Kongressen. Die Aussicht auf einen Höhepunkt ließ man sich gefallen.

          Der König allen Übels: Joseph Blatter

          Wie konnte es so weit kommen? Der „Spiegel“ schilderte schon 1986 am Beispiel des Adidas-Besitzers Horst Dassler die Entwicklung des Machtmodells: „Dasslers übermächtige Stellung im Weltsport ist nur zu erklären durch das leichte Spiel, das er mit den Sportfunktionären hatte. (...) Der klassische Sportfunktionär versuchte sich im Sport, wo öffentliches Ansehen winkte, wenn auch die harschen Amateurregeln wenig Geld versprachen. Ihm musste Horst Dassler, der hier mal einen Flug und dort das Hotel bezahlte, wie ein Goldesel vorkommen. Umso besser, wenn er noch dem Verband die Sportausrüstungen schenkte und aus lauter Freundlichkeit auch Bares gab. Kein Funktionär kann so dumm sein, bei der nächsten Abstimmung nicht im Sinne des Mäzens zu entscheiden.“

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