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Neuwahlen im Dezember : DOSB-Präsident Hörmann tritt zurück

Nun also doch: DOSB-Präsident Alfons Hörmann tritt zurück. Bild: dpa

Ein Mann ohne Zukunft: DOSB-Präsident Alfons Hörmann will den Weg für vorgezogene Neuwahlen freimachen – und folgt der Empfehlung der Ethikkommission.

          3 Min.

          Alfons Hörmann hat keine Zukunft mehr im deutschen Sport. Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DOSB) kündigte am Mittwochabend an, er und sein Präsidium würden den Weg für vorgezogene Neuwahlen bei der Mitgliederversammlung am ersten Dezember-Wochenende freimachen. Er werde dann nicht kandidieren, teilte er mit.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ob Hörmann und sein Präsidium es in der Hand haben, einen geordneten Übergang vorzubereiten, die Olympiamannschaft in Tokio zu unterstützen und die Vorbereitung auf die Winterspiele von Peking Anfang 2022 auf den Weg zu bringen, wie sie ankündigen, scheint fraglich. Wenn Hörmann wie geplant die Olympiamannschaft als Delegationsleiter zu den Sommerspielen nach Tokio begleiten will, fliegt er als lahme Ente.

          Mit der Bereitschaft zur Neuwahl, die den Rücktritt spätestens am Tag zuvor impliziert, folgt das Präsidium des DOSB einer Empfehlung seiner Ethikkommission. Das Gremium unter Leitung des ehemaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière hatte sich mit Führungsstil und Umgangsformen Hörmanns auseinanderzusetzen.

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          „In den vergangenen siebeneinhalb Jahren haben wir als Team alles dafür gegeben, den DOSB und den nationalen Sport zu professionalisieren und ihm eine starke Stimme zu geben“, lässt sich Hörmann in einer Pressemitteilung seines Verbandes zitieren: „Wir haben gemeinsam viel erreicht. Dennoch möchte ich im Dezember den Weg frei machen für einen Neuanfang an der Spitze. Der DOSB und der gesamte Sport brauchen Stärke und Geschlossenheit, um weiterhin erfolgreich agieren und die Interessen der Mitgliedsorganisationen vertreten zu können.

          Mein Antrieb im ehrenamtlichen Engagement war und ist es, die gesellschaftliche Kraft des Sports zu stärken, optimale Bedingungen für alle Athlet*innen und Sportler*innen zu schaffen und dabei die Werte des Sports aktiv zu vertreten und zu leben: Fairness, Respekt und Leistung. Das Wohl des deutschen Sports muss immer über den Ambitionen und Zielen der handelnden Personen stehen. Deshalb geht es jetzt darum, einen geordneten Übergang zu organisieren, der Stabilität für den DOSB und seine Mitgliedsorganisationen sicherstellt und gleichzeitig einen fairen Wettbewerb um Personen und Konzepte für den DOSB ermöglicht.“

          „Selbstbespiegelung, Demotivation und Gerüchte“

          Der 60 Jahre alte Manager und Präsident des Deutschen Ski-Verbandes Hörmann trat im Dezember 2013 die Nachfolge von Thomas Bach an, der zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitee gewählt worden war. Der Mann aus dem Allgäu ist der Präsident der Spitzensport-Reform des DOSB; während seiner Amtszeit steigerte der Bundesinnenminister die Spitzensportförderung auf knapp 300 Millionen Euro jährlich.

          Der Amtsverzicht wurde unausweichlich, als Hörmann zu versuchen schien, mit der Vertrauensfrage auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im September die Konsequenzen aus der Empfehlung der Ethikkommission zu umgehen. Landessportbünde und Athletenvertreter stellten sich dagegen, die Spitzenverbände schienen in der Gefolgschaft Hörmanns zerrissen.

          De Maizière hatte den Bericht der Ethikkommission über den Präsidenten und dessen Präsidium, der satzungsgemäß an das Präsidium geht, mit Fertigstellung am 7. Juni öffentlich gemacht. So erhielten Öffentlichkeit und Mitglieder des DOSB eine komprimierte Beschreibung, dass die Dachorganisation des deutschen Sports, die zugleich Nationales Olympisches Komitee ist, ihr Verhältnis zu Mitgliedsverbänden, Partnern und Förderern verbessern, an Klima und Akzeptanz arbeiten sowie ihren Führungsstil verändern müsse.

          Im DOSB herrschten Selbstbespiegelung, Demotivation und Gerüchte, Unzufriedenheit und Unklarheiten, schrieben de Maizière und seine Kommission. So könne es nicht weitergehen. Den verheerenden Eindruck von der Arbeit des Verbandes verstärkte Hörmanns Vorgängers Bach, der in einem Brief seine Sorge um die Glaubwürdigkeit des Verbandes und dessen Funktionsfähigkeit ausdrückte. Das Verhältnis des DOSB zum IOC bedürfe der Heilung, die Stellung des Verbandes in den internationalen Sportorganisationen habe weiter gelitten. Konsequenzen aus der Arbeit der Ethikkommission sollten vor den Olympischen Spielen in Tokio gezogen werden.

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          Kaweh Niroomand, Vizepräsident Finanzen, kündigte an, wie Hörmann nicht wieder zu kandidieren. In den letzten Wochen sei deutlich geworden, dass die für den Erfolg notwendige gemeinsame Basis und Geschlossenheit in Teilen des deutschen Sports nicht mehr gegeben ist.

          Neuanfang durch Neuwahlen

          Das Präsidium hatte bei Bekanntwerden des anonymen Briefes aus der Belegschaft des DOSB, der die Untersuchung der Ethikkommission auslöste, Hörmann ihr „uneingeschränktes Vertrauen und unsere vollumfängliche Unterstützung“ ausgesprochen. Athletensprecher Jonathan Koch distanzierte sich von der Erklärung; daraufhin entfernte der DOSB auch die Namen der übrigen sechs Präsidumsmitglieder unter der Veröffentlichung auf seiner Website. Auch mit diesem Vorgang ist die Ethikkommission des DOSB befasst.

          Am 6. Mai war ein anonymer Brief bekannt geworden, in dem Beschäftigte am Sitz des DOSB in Frankfurt eine „Kultur der Angst“ beklagten und namentlich Hörmann für einen Mangel an Fairplay und Respekt verantwortlich machten. Die Ethik-Kommission befand: „Nur eine vorgezogene Wahl des gesamten Präsidiums kann zu einer dauerhaften Vertrauensstiftung im deutschen Sport führen.“

          Hörmann und sein Präsidium schreiben nun, dass in Beratungen mit den drei Verbändegruppen, Spitzenverbänden, Landessportbünden und Verbänden mit besonderer Aufgabenstellung, mit den nun vorgezogenen Neuwahlen ein grundsätzlicher Neuanfang ermöglicht werden solle. Mit der Entscheidung für vorgezogene Neuwahlen im Dezember besteht nun Klarheit zum weiteren Vorgehen.

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