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Neuer Biathlon-Präsident : Alter Bekannter in neuer Position

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Stallgeruch ist vorhanden: Olle Dahlin war schon Vizepräsident Bild: dpa

Der Schwede Dahlin steht vor der schwierigen Aufgabe, die Internationale Biathlon Union als neuer Präsident aus ihrer schwersten Krise zu führen. Der deutsche Skiverband erleidet eine Niederlage.

          Der Favorit hat sich durchgesetzt, und das deutlicher als erwartet. Die Internationale Biathlon Union (IBU) hat seit Freitagnachmittag einen neuen Präsidenten, auch wenn es ein alter Bekannter ist. Beim Kongress des Verbandes im kroatischen Badeort Porec bekam der 63 Jahre alte Schwede Olle Dahlin 39 Stimmen und ließ damit seine 42 Jahre alte lettische Herausforderin Baiba Broka (12 Stimmen) hinter sich. Dahlin folgt damit dem Norweger Anders Besseberg, der die IBU seit ihrer Gründung im Jahr 1993 geführt hatte. Der Norweger hatte nach Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts sein Amt ruhen lassen und sich nicht mehr zur Wiederwahl gestellt.

          Dahlin, Präsident des schwedischen Biathlonverbandes und Mitglied des schwedischen Nationalen Olympischen Komitees, steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die IBU aus ihrer schwersten Krise zu führen. Neben dem russischen Skandal um staatlich gelenktes Doping sorgen auch Korruptionsvorwürfe für einen herben Imageverlust. Unter Besseberg sollen neben Bestechungsgeldern für die WM-Vergabe ans russische Tjumen 2016 auch russische Doping-Sünder gedeckt und 65 Doping-Proben vertuscht worden sein.

          Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Österreichs ermittelt gegen zwölf Personen, darunter Besseberg. Der 72 Jahre alte Norweger hat indes beim Kongress in Porec einen Brief verteilen lassen, in dem er sich für unschuldig erklärt. „Ich weise alle Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft als nicht korrekt zurück“, heißt es darin. Was nichts daran ändert, dass die Ermittlungen weiter gehen.

          Niederlage für Deutschen Skiverband

          Dahlin, der wie seine lettische Konkurrentin in seinem Wahlprogramm Transparenz und einen harten Anti-Dopingkampf versprochen hatte, muss nun Worten auch Taten folgen lassen. Allerdings gehört der ehemalige Manager aus der Papierindustrie seit 2014 als Vize-Präsident für Entwicklung dem IBU-Präsidium an und ist somit Repräsentant des bestehenden Systems. Offenbar vertrauten die Delegierten einem alten Bekannten aber mehr als der früheren lettischen Justizministerin Baiba Broka, die sich massiven Vorwürfen wegen ihrer politischen Zugehörigkeit zur rechtspopulistischen Partei Nationale Allianz und wegen angeblicher Russland-Freundlichkeit ausgesetzt sah.

          Dahlin zur Seite steht für die kommenden vier Jahre als erster Vizepräsident immerhin ein neuer Mann zur Seite: Der Tscheche Jiri Hamza. Er setzte sich mit 30 Stimmen gegen seinen deutschen Mitbewerber Franz Steinle durch. Der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) bekam 20 Stimmen. Eine klare Niederlage für den DSV und den 68 Jahre alten Juristen, der mit seiner Kandidatur ein Zeichen hatte setzen wollen. Deutschland, hatte er gesagt, sehe sich als führende Biathlon-Nation in der Verantwortung, „aktiv an der Aufklärung und an den notwendigen Weichenstellungen für die Zukunft mitzuarbeiten.“ Der bisherige Amtsinhaber, der Russe Viktor Maigurow, der eigentlich für Weißrussland antreten wollte, zog übrigens seine Kandidatur zurück.

          Eine wichtige Entscheidung und ein Signal, dass man es – in der Mehrheit zumindest – offenbar ernst meint mit der Erneuerung und dem Kampf gegen Doping und Korruption, war schon am Morgen getroffen worden. Da hatte der Kongress den Antrag des russischen Verbandes (RBU) auf Wiedererlangung der Vollmitgliedschaft in offener Abstimmung mit 29:20 Stimmen abgelehnt. Was bedeutet, dass die RBU weiterhin den Status provisorisches Mitglied behält und damit beim Kongress weder Stimm-, Wahl-, noch Vorschlagsrecht hat. Die RBU hatte im Dezember 2017 als Sanktion aus dem staatlich gelenkten Doping-Skandal ihren Status als ordentliches Mitglied verloren.

          Damit ist der Kongress in seiner Mehrheit, darunter auch der DSV, der Empfehlung des IBU-Rechtsausschusses gefolgt, der zu dem Urteil gekommen war, dass die RBU eine wesentliche Voraussetzung für eine Vollmitgliedschaft noch immer nicht erfüllt: Die Compliance mit dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Die Russen sehen das freilich anders. Wladimir Dratschew, der Präsident der RBU, hatte behauptet, dass sein Verband alle Voraussetzungen erfüllt habe.

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