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Fifa-Präsident Infantino : Matratzen für 11.440 Franken

Nicht mehr alles gut: Gianni Infantino hat Probleme Bild: Reuters

Privates auf Kosten der Fifa? Der neue Präsident Gianni Infantino wird innerhalb des Fußball-Weltverbandes angegriffen. In einem Dokument sind angebliche Verfehlungen aufgelistet.

          Der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Gianni Infantino, ist innerhalb seiner Organisation heftiger Kritik ausgesetzt worden. In einem internen Dokument, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, wird dem Fifa-Chef vorgeworfen, sich innerhalb seiner ersten drei Monate an der Spitze des Verbandes Verfehlungen habe zu Schulden kommen lassen. Dazu gehören Flüge in Privatjets und private Anschaffungen auf Kosten der Fifa. Die Unterlagen sollen inzwischen der verbandseigenen Ethikkommission zur Prüfung vorliegen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während Infantino nach außen weiterhin die Fifa-Krise für beendet erklärt und Kritiker einer „Hexenjagd“ gegen seine Person bezichtigt, ziehen Fifa-Mitarbeiter seine Integrität offensichtlich nach nur 100 Tagen Amtszeit in Zweifel. Bei den Vorwürfen aus internen Protokollen geht es um zahlreiche Verstöße gegen den Ethikkodex sowie die Governance-Regeln. Aufgeführt werden Flüge mit einem Privatjet am 18. April von Genf nach Moskau, zwei Tage später von dort weiter nach Qatar und am 22. April aus dem Emirat zurück nach Zürich.

          Im Privatflieger

          Offiziell ging es um den Besuch der WM-Standorte 2018 und 2022. Die Fifa hatte für Infantino Linienflugtickets für 7300 Dollar gebucht. Er soll sie aber kurzfristig abgelehnt haben. Infantino nahm laut Unterlagen statt dessen einen Privatflieger in Anspruch. In den Dokumenten wird ein Gegenwert der Reise zwischen 115.000 bis 150.000 Dollar angenommen. Doch es gab offenbar weder eine Rechnung noch Angaben von Infantino zum Anbieter oder Gönner des Luxusfluges. Dabei ist es wichtig zu wissen, wer die Reise im Minijet finanziert hat und warum.

          Der Fifa-Präsident ist gehalten, allein der Anschein eines Interessenkonfliktes zu vermeiden. Die WM-Ausrichter Russland und Qatar müssen sich seit ihrer Wahl Korruptionsvorwürfen stellen. Auf Nachfrage teilte die Fifa am Mittwoch mit, Infantino hätte auf den Strecken Flugangebote des russischen Sportministers Witali Mutko sowie der russischen und qatarischen WM-Organisatoren angenommen. Dies habe zur Einhaltung der Termine beigetragen.

          Besuche in aller Welt

          Auch am 6. Mai nutzte Infantino gemäß der Dokumente einen Privatflieger zum Besuch des slowenischen Fußballverbandes, obwohl die Fifa-Reisestelle ihm verschiedene Angebote für Linienflüge zu 1800 Dollar gemacht hatte. Doch Infantino stieg mit in den gecharterten Geschäftsflieger des europäischen Fußballverbandes Uefa, wie die Fifa angibt. Der Gegenwert dieses Trips: 12.000 bis 18.000 Dollar. Wieder gab es nach den vorliegenden Unterlagen keine näheren Angaben von Infantino an die Fifa-Adminstration.

          Besuch beim Papst: Gianni Infantino mit Trikot

          Am Wochenende meldete die Schweizer „Sonntagszeitung“, dass Infantino zur Privataudienz beim Papst in Rom nach dem Champions-League-Finale und zurück in die Schweiz eine Privatmaschine eines russischen Oligarchen nutzte. Aus Sicht des Weltverbandes handelte es sich um eine „Privatreise“ Infantinos.

          Wie finanziert sich der Präsident

          Dass der Jurist aus dem Wallis bisher keinen Rappen Gehalt von der Fifa erhält, wirft Fragen auf: Wie finanziert sich der Präsident seit einem Dreivierteljahr? Erhält er Unterstützung von dritter Seite und falls ja, wie hoch ist sie? Ist er aus Sicht des Verbandes frei in seinen Entscheidungen? Die von der Vergütungskommission vorgegebene Summe für seinen Präsidentenvertrag lehnte Infantino ab – angeblich zwei Millionen Franken. In Tonaufnahmen, die der F.A.Z. von den Council-Sitzungen des Verbandes Mitte Mai in Mexiko-Stadt vorliegen, nannte er den Betrag vor den Kollegen im höchsten Fifa-Gremium „beleidigend“. Anhand der Aufzeichnungen lässt sich auch ein von Infantino betriebenes Intrigenspiel gegen den Fifa-Chefkontrolleur Domenico Scala erkennen.

          Staatsbesuch: Infantino bei Boliviens Präsident Evo Morales

          Aus den neuen Schriftstücken geht zudem hervor, dass Infantino von der Fifa eine Fahrzeug der Kategorie SUV zur Verfügung gestellt bekommt. Die Leasingrate beträgt 2170 Dollar im Monat. Zudem hat er jederzeit Anrecht auf einen Wagen im Fifa-Fuhrpark mit Chauffeur. Doch zusätzlich mietete Infantino angeblich einen weiteres Auto mit einem externen Fahrer seiner Wahl. Im Monat März liefen so Kosten für 211,5 Stunden auf, rund 19600 Franken, die die Fifa zu bezahlen hat. Wie in dem Dokument festgestellt wird, hielt sich der Fifa-Präsident zur betreffenden Zeit aber meist im Ausland auf Reisen auf, so dass nicht er, sondern vor allem seine Entourage die Chauffeurdienste wahrgenommen hätte. Das zumindest wird in den Unterlagen behauptet.

          In den Dokumenten ist auch die Rede von Zahlungen aus der Fifa-Kasse für diverse private Anschaffungen Infantinos. Er soll ein Fitnessgerät (Stepper) für 8883 Franken, Matratzen fürs möblierte Fifa-Appartement zum Preis von 11440 Franken, einen Smoking (1415 Franken), Blumen (860 Franken) sowie sechs Paar Fußballschuhe (1256,70 Franken) erhalten haben. Aufgeführt wird ebenfalls die Rechnung über 176 Dollar für einen Wäschereiservice. Dabei wird darauf hingewiesen, dass dem Präsidenten dafür eigentlich ein Spesenbetrag in Höhe von 2000 Franken je Monat zur Verfügung stünde. Ob Chauffeurdienste oder die anderen Leistungen auf Kosten des Verbandes – die Fifa behauptete auf Anfrage, alles entspreche den Regularien. Persönliches würde persönlich von Infantino bezahlt.

          Arm in Arm: Infantino mit Cristiano Ronaldo

          Die Darstellung steht in einem Widerspruch zur Ankündigung Infantinos, einen tiefgreifenden Kulturwandel bei der Fifa einzuleiten, vor allem aber eine gute Unternehmensführung. Laut Unterlagen aber stellte er ohne Rücksprache mit dem Generalsekretariat und der Personalabteilung neue Mitarbeiter ein, vergab eigenhändig Beraterverträge. Die Fifa widersprach am Mittwoch dieser Behauptung. Doch der Verband musste offenbar auch ausgiebige Kosten für Hotelzimmer und Heimatflüge der von Infantino angeheuerten Leute übernehmen.

          Ihm nahestehende Personen, heißt es in einem Dokument, seien beim Kongress in Mexiko-Stadt in Kommissionen zielgerichtet plaziert worden, auch ohne die geforderte Integritätsprüfung. Das wäre ein klarer Bruch des Reglements. Ein solcher Fall soll die Beförderung des ehemaligen Mittelfeldstars Luis Figo sein, der nun Vizevorsitzender der Entwicklungskommission ist. Figo half Infantino im Wahlkampf und ist daher kaum als unabhängiges Mitglied eines relativ wichtigen Gremiums zu sehen, in dem über hohe Entwicklungshilfegelder entschieden wird. Ein solches Vorgehen könne nicht im Sinn des Reformprozesses sein, heißt es in dem Dokument.

          Seit der Wirtschaftsmanager Scala als Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission Mitte Mai zurückgetreten ist, weil sich das Fifa-Council vom Kongress zur Kontrolle über die Kontrolleure ermächtigen ließ, ist die interne Aufsicht de facto zum Erliegen gekommen. So bleibt vorerst nur die Ethik-Kommission als einziges Regulativ zur Überwachung der Fifa-Administration übrig. Von Scalas kommissarischer Nachfolgerin Sindisiwe Mabaso-Koyana aus Südafrika ist bisher nichts zu vernehmen. Wie die F.A.Z. von der Fifa erfuhr, soll der oder die neue Compliance-Vorsitzende bei der nächsten Council-Sitzung im Herbst benannt werden – von Infantino und seinen Getreuen im höchsten Fifa-Gremium.

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