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Nationale Antidoping-Agentur : Baumert als Krisenmanager

Roland Augustin: Einvernehmliche Trennung Bild: picture-alliance/ dpa

„Auf eigenen Wunsch“ wird Geschäftsführer Roland Augustin die Nationale Antidoping-Agentur Nada zum 30. Juni 2007 verlassen. Er war wegen Pannen bei Dopingkontrollen in die Kritik geraten.

          3 Min.

          Die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) trennt sich von Roland Augustin. Doch der Aufhebungsvertrag mit dem Geschäftsführer, der für peinliche Pannen in der Dopingverfolgung verantwortlich gemacht wird (siehe auch: Dopingbekämpfung: „Sippenhaft“ in der Nada?) und am Donnerstag gleichwohl als „absoluter Kompetenzträger“ verabschiedet wurde, soll nur der Anfang eines Neubeginns sein. Schon am Samstag will das Kuratorium in Frankfurt wieder zusammenkommen, um Struktur und Organisation der kriselnden Stiftung zu reformieren. Das kündigte Hanns Michael Hölz, der Vorsitzende des Kuratoriums, am Donnerstag in Berlin an.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Besonders die beiden ehrenamtlich besetzten Ebenen Kuratorium und Vorstand als Aufsicht und Führung der in Bonn ansässigen Nada gelten intern als überholt. Die aktuelle Situation mache es nötig, sagte Hölz, Änderungen zugunsten der Effektivität vorzunehmen. Dazu gehöre auch eine engere Verbindung der Nada mit der PWC Medizinische Testverfahren im Sport GmbH, Gilching, welche die Kontrolleure beschäftigt und die Kontrollen vornimmt. Eine externe Evaluierung der Nada sei nicht vorgesehen; das Kuratorium werde dies tun. Über sein ehrenamtliches Engagement hinaus soll Vorstandsvorsitzender Armin Baumert, ehemaliger Leistungssportdirektor des Deutschen Sportbundes, vorerst die Geschäfte führen. Seit seiner Berufung im Januar ist er auf Honorarbasis als Krisenmanager tätig.

          Forderung nach Antidopingabgabe

          Hölz warnte die verschiedenen Interessengruppen: „Es geht nicht, dass der ein oder andere Stakeholder versucht, die Position der Nada neu zu definieren.“ Er ließ offen, auf wen die Warnung zielte. Zum einen personifiziert Baumert den wachsenden Einfluss der Sportorganisationen. In der öffentlichen Anhörung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages im Februar sagte er: „Wenn wir den Kampf gegen Doping aufnehmen, müssen wir über die Zielstellung im deutschen Spitzensport sprechen.“ Mit anderen Worten: Ohne Doping kein Erfolg. Mit der Anpassung des Nada-Codes an das Regelwerk der Welt-Antidopingagentur (Wada) befasst sich eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Sprecherin der Konferenz der Sport-Fachverbände, Christa Thiel. Auf der anderen Seite verfolgt Peter Danckert (SPD), der Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, die Vorstellung, die Nada mit exekutiven Vollmachten etwa für Taschenkontrollen und weiter gehende Durchsuchungen auszustatten. Er empfiehlt als Vorbild den australischen Weg, Doping zu bekämpfen: von Staats wegen.

          Nada: Zahlreiche Pannen bei Dopingkontrollen

          Der SPD-Abgeordnete versprach, die vom Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier, im Kuratorium vertretene Sportministerkonferenz sowie Sponsoren um Zuschüsse für die Nada anzugehen. „Man kann diese Herkulesaufgabe nicht bewältigen, wenn die finanzielle Basis fehlt“, sagte er. „Sich nur mit der Struktur zu beschäftigen füllt nicht die Kasse.“ Der Jahresetat der Nada beträgt lediglich 1,3 Millionen Euro. Danckert wiederholte seine Forderung nach einer Antidopingabgabe von einem Prozent auf Sponsorzahlungen im Sport.

          „Thomas Bach hat keinerlei Einfluss“

          Hölz, Manager der Deutschen Bank, beschrieb, dass in der aktuellen Krise Gespräche mit allen „Stakeholders und Anspruchsberechtigten im Kuratorium“ stattgefunden hätten; das sind unter anderem das Innenministerium und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Letzterer hat seit der Fusion von DSB und NOK eigentlich sogar zwei Sitze und Stimmen im Kuratorium. Hölz bestritt, dass der DOSB-Präsident Drahtzieher des aktuellen und weiterer personeller Revirements sei: „Thomas Bach hat keinerlei Einfluss auf Entscheidungen von Vorstand oder Kuratorium genommen.“

          Dieser Verdacht kam im Zusammenhang mit der Diskussion um die Abberufung der sogenannten Alt-Vorstände - Markus Hauptmann, Dirk Clasing und Elisabeth Pott, die bereits vor der Neuwahl im Januar dem Vorstand der Nada angehörten - auf. Das Thema wurde am Donnerstag zwar vertagt, doch DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, der in Berlin seinen Einstand im Kuratorium gab, machte keinen Hehl aus seiner Haltung, indem er darauf hinwies, dass der Vorstand laut Satzung für die laufenden Geschäfte verantwortlich sei. Die Nachlässigkeit, die Augustin vorgeworfen wird, nur so lässt sich das interpretieren, müsse auch für diese drei Konsequenzen haben.

          Hölz beklagte in diesem Zusammenhang, es sei unerträglich, dass Mitglieder der Gremien - und er meinte offenbar den Mediziner Clasing - gegenüber der Presse ihre Sicht der Dinge dargestellt hätten. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte Clasing unter anderem bestätigt, dass Baumert ihn zum Rücktritt dränge. Er forderte am Donnerstag in Berlin von Hölz rechtliches Gehör.

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