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Nada-Vorstand widerspricht : „Wir lassen nichts auf Mitarbeiter kommen“

Andrea Gotzmann: „Kontrolleure wissen nicht, wie die Proben, die sie nehmen, analysiert werden.“ Bild: dpa

Die Nada-Vorsitzende Gotzmann widerspricht dem früherem Doping-Kontrolleur Laforce. Das System sei sehr wohl von Qualitätsbewusstsein geprägt. Verpasste Kontrollen würden sanktioniert.

          Als falsch hat die Nationale Anti-Doping-Agentur Deutschlands (Nada) die Vorwürfe des ehemaligen Doping-Kontrolleurs Sven Laforce zurückgewiesen, das Doping-Kontrollsystem sei eher von Geldmangel als von Qualitätsbewusstsein geprägt. Insbesondere widersprachen die Vorstandsvorsitzende der Agentur, Andrea Gotzmann, und ihr Vorstandskollege Lars Mortsiefer im Gespräch mit dieser Zeitung den Vorwürfen, verpasste Kontrollen würden nicht sanktioniert, Ergebnisse von Kontrollen im Fußball könnten zuerst dem Verband und nicht der Nada gemeldet werden und die Nada kontrolliere ganz überwiegend auf Anabolika und Aufputschmittel, viel zu selten aber auf andere zum Doping angewandte Substanzen und Methoden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Die Nada geht allen Hinweisen auf verpasste Tests nach“, sagte Mortsiefer. Alle Analyse-Ergebnisse würden im Meldesystem Adams notiert und seien so für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) einsehbar. „Kontrolleure wissen nicht, wie die Proben, die sie nehmen, analysiert werden“, sagte Frau Gotzmann. „Das wissen nur wir und die Labore.“

          Bewusst würden Kontrolleure nicht darüber informiert, auf welche Substanzen oder Verfahren die Proben untersucht werden, um zu vermeiden, dass der Athlet Informationen darüber erlangt. In begründeten Ausnahmen seien Kontrollen auch außerhalb des Zeitfensters von 6 bis 23 Uhr möglich.

          Laforce, der 21 Jahre lang nebenberuflich Doping-Kontrolleur war und als Freiwilliger bei der Fußball-WM 2006 und bei sechs Olympischen Spielen im Einsatz war, berichtet von Kostendruck auf die Nada und die von ihr beauftragten Kontrollunternehmen. Er wirft ihnen vor, nutzlose Kontrollen zu machen, und fordert, für die Planung der Kontrollen Sportmediziner und Trainingswissenschaftler zu beschäftigen. Dies sei längst der Fall, sagt Frau Gotzmann; darüber hinaus würden Mediziner und Biologen beschäftigt. „Wir lassen nichts auf unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kommen.“ Außerdem unterstütze ein Beirat von Fachleuten die Nada.

          Von 2015 bis 2017 sei das Unternehmen IDTM, bei dem Laforce beschäftigt war, nicht bei den knapp 800 internationalen Top-Athleten des Registered Test-Pool und beim nationalen Test-Pool im Einsatz gewesen, sondern ausschließlich bei Athleten des Allgemeinen Test-Pools, der untersten Klasse. Laforce dagegen betont, dass er von 1998 bis zu seinem Ausscheiden im Sommer 2018, unabhängig von Aufträgen der Nada, stets im internationalen Sport beschäftigt gewesen sei und dabei, etwa für internationale Verbände, auch deutsche Top-Athleten kontrolliert habe.

          Das Budget der Nada steige im kommenden Jahr von zehn auf elf Millionen Euro, sagt Frau Gotzmann; sie arbeite auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Knapp eine Million steuere der Deutsche Fußball-Bund bei. Die Vorstandsvorsitzende bestreitet, dass die Nada nutzlose Kontrollen vornehme. Auf die angeführten Tests bei einem Moto-Ball-Spiel hin verweist sie auf drei Doping-Fälle im Motorsport der vergangenen Jahre. Rennfahrer fielen auf, weil sie Testosteron, Anabole Steroide, Kokain und THC eingenommen hatten.

          Erfahrungen, die Laforce bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gemacht habe, ließen sich nicht auf den Ligabetrieb der Gegenwart übertragen. Die Nada habe vor drei Jahren alle Kontrollen vom Deutschen Fußball-Bund übernommen und agiere selbständig. Im Fußball seien ausschließlich Ärzte mit den Kontrollen befasst. Laforce beschrieb, dass er Spieler nach Spielen habe allein lassen müssen, bevor er sie kontrollieren durfte, und dass damit Manipulationen möglich gewesen seien.

          Verpasste Tests, bei der Nada Meldepflicht- und Kontrollversäumnisse genannt, führen laut Reglement, wenn ein Athlet sich davon drei im Jahr zuschulden kommen lässt, zu einer Sperre. Fast 2500 deutsche Sportlerinnen und Sportler unterliegen der Meldepflicht („Whereabouts“). Die Meldung von der Abwesenheit eines Athleten stehe allerdings nicht unbedingt für ein Versäumnis; dies zu klären sei Aufgabe der Nada. In jedem Jahr gebe es etwa 600 solche Untersuchungen in Deutschland. „Allen Informationen gehen wir nach“, sagt Mortsiefer. „Aber der Kontrolleur kann nicht überblicken und bewerten, was mit seiner Information geschieht und was hinter der Abwesenheit einer Person steckt, die er nicht antrifft. Dies obliegt dem Ergebnismanagement der Nada.“

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