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Nada-Jahresbericht : Zu wenig Geld, zu viel Arbeit

Angegriffen und angriffslustig: Mortsiefer (l.) und Gotzmann (r.) haben die Probleme der Nada noch nicht gelöst - Aufsichtsratschef Näder gibt sich optimistisch
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          Sollte David Howman von der Anti Doping Agentur (Wada) gar um Entschuldigung bitten? Ein bisschen klang es so, als Andrea Gotzmann, Vorstand der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) berichtete, dass der Generalsekretär der Wada zwei Mal um ein Gespräch gebeten habe und sich am kommenden Dienstag am Flughafen Frankfurt mit der Nada treffen wolle.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In einer Telefonkonferenz habe er schon Kommunikationsprobleme innerhalb der Wada eingeräumt. Das klingt, als würde er seine heftigen Vorwürfe zurücknehmen müssen, dass die Deutschen im Fall der Blutbestrahlung am Olympiastützpunkt Erfurt falsch reagiert und mit seinem Haus in Montreal mangelhaft kommuniziert hätten. Hans Georg Näder jedenfalls, der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Nada, will dabei sein, um „einen geraden Strich zu ziehen und eine gemeinsame Erklärung abzugeben“.

          Mit einem Brief an die Abgeordneten des Sportausschusses im Deutschen Bundestag hat Howman unterdessen für neue Verwirrung gesorgt. Der Neuseeländer unterstellte darin dem DOSB-Präsidenten Thomas Bach, dass er vor zehn Jahren in einer IOC-Kommission tätig war, die sich damals mit der Eigenblutbehandlung im österreichischen Olympia-Team von Salt Lake City beschäftigt hatte. Diese Methode sei der UV-Bestrahlung am Erfurter Olympiastützpunkt ähnlich. Unklar blieb, ob sich Howman mit seinen Äußerungen auf die „Blutbeutel“-Affäre um den österreichischen Ski-Trainer Walter Mayer bezog. Mayer wurde später vom IOC für den Zeitraum von zwei Olympiaden gesperrt.

          Umgehend wurde die Behauptung Howmans von Christian Klaue, dem Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dementiert. „2002 in Salt Lake City war Herr Bach in dem das österreichische Team betreffenden Fall nicht Mitglied der entsprechenden IOC-Disziplinarkommission“, sagte Klaue.

          Gotzmann und Mortsiefer wirken angegriffen

          Bei der Vorstellung des Jahresberichtes der Nada in Berlin allerdings wirkten die Chemikerin und Sportwissenschaftlerin Andrea Gotzmann, seit September im Amt, und ihr Vorstandskollege Lars Mortsiefer, Jurist, ebenso angegriffen wie ihre Einrichtung. Noch scheint das Verhältnis zwischen Bonn, dem Sitz der Nada, und der Wada in Montreal zerrüttet; die Folgen sind nicht absehbar.

          Zusätzlich zu dem anhaltenden Streit um die Persönlichkeitsrechte zu kontrollierender Sportler hat nun das Schiedsgericht des Sports in Köln den vermeintlich mit Gewissheit des Dopings überführten Radprofi Patrick Sinkewitz freigesprochen.

          Einzelrichter Willi Erdmann, früher Vorsitzender des Bundesgerichtshofs, war nicht vom Nachweisverfahren überzeugt, auch weil die Wada die Rohdaten der Validierung des Tests, der eine Sicherheit von 99,99 Prozent schaffen soll, nicht zur Verfügung stellte. „Wir werden keinen rechtsfreien Raum schaffen“, versprach Mortsiefer zwar und kündigte an, auch die nächsten Fälle von Doping mit Wachstumshormonen vor das Schiedsgericht zu bringen.

          Näder: „Shareholder-Modell lässt sich retten“

          Doch seine und seiner Kollegin Erschöpfung war mit Händen zu greifen in der Pressekonferenz, in der die beiden nicht nur Fragen zu den 1056 Wettkampf- und 7767 Trainingskontrollen der Nada mit 86 Verstößen beantworten, sondern sich auch heftiger Vorwürfe von Journalisten wegen ihrer Informationspolitik erwehren mussten.

          Noch dazu ist die Zukunft ungewiss. Im Etat der Nada von 6,5 Millionen klafft 2013 eine Lücke von 1,35 Millionen Euro. Näder, Geschäftsführer und Gesellschafter der Unternehmensgruppe Otto Bock, die mit mehr als 6000 Beschäftigten in der Medizintechnik rund 700 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, verbreitete frischen Mut, indem er versprach, das Geld innerhalb von vier Wochen einzuwerben.

          In seinem Netzwerk von Industriekontakten und quer durch die Couleurs der Politik werde er Gespräche führen. „Es braucht nur ein bisschen Tun, um das festzuzurren“, sagte er. „Das Shareholder-Modell lässt sich retten.“ Damit ist die Finanzierung der Dopingbekämpfungen durch Sport, Staat und Wirtschaft gemeint. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat es auf den Prüfstand gestellt, indem er die seit zehn Jahren anhaltende Anschubfinanzierung von einer Million Euro streichen will; Länder und Unternehmen sollen die Lücke schließen.

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