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Nach Skandal bei WM in Tokio : Judo-Weltverband sperrt Iran

Damit er nicht gegen einen Israeli kämpfen muss, soll Saeid Mollaei gezwungen worden sein zu verlieren. Bild: Reuters

Um ein WM-Finale gegen den Israeli Sagi Muki zu vermeiden, soll der iranische Judoka Saeid Mollaei von politischer Seite gezwungen worden sein, absichtlich zu verlieren. Nun zieht der Judo-Weltverband ernste Konsequenzen.

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          Der Internationale Judo-Verband IJF hat als erster internationaler Sportverband Iran gesperrt, weil die Islamische Republik ihre Judoka nicht gegen Sportler aus Israel antreten lässt. Hintergrund ist der Umgang der Funktionäre des iranischen Judo-Verbandes und staatlicher Akteure mit dem iranischen Judoka Saeid Mollaei während der Weltmeisterschaft in Tokio am 28. August. Auf den Sportler war massiv Druck ausgeübt worden, damit dieser nicht gegen den späteren Weltmeister Sagi Muki antreten würde. Unter anderem hatten sich Mitarbeiter der iranischen Botschaft in Japan Zugang zur Halle verschafft. Zudem, sagte ein Zeuge dieser Zeitung, habe der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Irans dem Sportler gesagt, iranische Sicherheitskräfte hätten das Elternhaus Mollaeis aufgesucht.

          Die IJF teilte am Dienstag mit, ihre Disziplinarkommission habe eine sofort wirksame Schutzsperre gegen den iranischen Verband verhängt, gegen die der iranische Verband vor dem Internationalen Sportschiedsgericht Einspruch einlegen könne. Die Sperre beziehe sich auf alle Wettkämpfe und alle administrativen sowie sozialen Tätigkeiten des Verbandes und gelte, bis die Kommission in der Hauptsache entschieden habe. Durch das Vorgehen gegenüber Mollaei und die Anweisung, nicht gegen Muki anzutreten, habe der iranische Judoverband in „ernsthafter und grober Weise“ gegen die IJF-Statuten, den Ethikkodex der IJF und die Olympische Charta verstoßen. Zudem nimmt der Verband Bezug auf das Schreiben des iranischen Verbandes und NOK vom 9. Mai, in dem die Präsidenten der Verbände zugesagt hatten, künftig die Nichtdiskriminierungsmaßgabe der Olympischen Charta sowie die IJF-Statuten zu befolgen.

          Auch dieses Versprechen sei in Tokio auf grobe Art und Weise verletzt worden. Allerdings, und diesen Teil des Schreibens zitiert die Disziplinarkommission der IJF nicht, hatten die iranischen Funktionäre ihre Zusage mit dem Zusatz versehen, man wolle sich im Parlament dafür verwenden, für ein regeltreues Verhalten die gesetzliche Grundlage zu schaffen. Tatsächlich verbietet es die Doktrin der Nichtanerkennung des Existenzrechts Israels iranischen Sportlern, gegen Gegner aus Israel anzutreten. Maßgeblich dafür ist der Willen des obersten geistlichen Führers der Islamischen Republik, Ajatollah Ali Chamenei. Dieser hatte stets betont, eine Änderung der Doktrin sei ausgeschlossen – sie gilt seit der Revolution von 1979.

          Die IJF verweist in ihrer Mitteilung auf den Fall des heutigen iranischen Verbandspräsidenten Arasch Miresmaeili, der während der Olympischen Spiele 2004 angewiesen worden war, sich vom Wettkampf zurückzuziehen, um einem Israeli aus dem Weg zu gehen. Das Internationale Olympische Komitee hat sich in der Sache Mollaeis defensiv verhalten. Man erwarte einen Bericht von der IJF, hieß es nach der Weltmeisterschaft von Tokio.

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