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Umgang mit dem DFB-Skandal : Mangelnde Professionalität

  • -Aktualisiert am

Nachfolger und Vorgänger? Reinhard Grindel und Wolfgang Niersbach im Oktober 2013 Bild: Imago

Dass bei der Frage um die Nachfolge von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident einige Funktionäre nur ihrer Eitelkeit folgen, vergrößert den Schaden des größten Fußball-Verbands der Welt nur noch. Es fehlt an Disziplin.

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          Es muss schnell gehen. Keine Frage. Je länger sich die Aufklärung um die WM-Bewerbung 2006 hinzieht, desto verheerender werden die Folgen sein für den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Schon jetzt ist der Schaden angesichts immer neuer Hinweise für ein korruptes Verhalten in der Führung immens. Insofern kann man die Eiligen unter den Funktionären verstehen. Sie wollen Ruhe haben, den Verband aus der Schusslinie ziehen.

          Aber mit dem Sturz des Präsidenten Niersbach und einer Neubesetzung quasi im Handumdrehen ist es nicht getan. Das zeigen schon die Rettungsversuche des Niersbach-Zirkels in der DFB-Zentrale. Neben der Frage, welche Rollen die Mitglieder des Organisationskomitees für die WM 2006 unter Führung von Franz Beckenbauer gespielt haben, ist es ebenso wichtig, das Verhalten der hauptamtlichen DFB-Garde zu überprüfen und entsprechend zu handeln, falls die Loyalität grenzenlos gewesen sein sollte. Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen.

          Krasser Widerspruch

          Genau darum hatten die Aufklärer im DFB gebeten. Weil sie der Öffentlichkeit eine „lückenlose“ Aufarbeitung bieten wollen. Die Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball sowie Schatzmeister Reinhard Grindel wissen, dass von ihrer Arbeit die Zukunft des DFB abhängt. Im krassen Widerspruch dazu steht die Proklamation eines neuen Präsidenten quasi im Schweinsgalopp. Nicht mal Grindel, den sich Verbandsfürsten der zweiten Reihe schon als neuen Chef ausgesucht haben, kann das recht sein. Weil sofort der Eindruck entsteht, hier werde aus taktischen Gründen agiert.

          Grindel ist ein Kandidat der Amateure, von denen manche - längst nicht alle - fürchten, ein tiefgründiges Nachdenken über die zukünftige Aufstellung des DFB könnte sie Macht kosten. Wenn nämlich die Mitglieder auf die Idee kämen, die Krise nicht zu beklagen und zu kaschieren mit Schnellschüssen, sondern sie für eine Umstrukturierung zu nutzen. Mit einer hauptamtlichen Führung unter einem ehrenamtlichen Aufsichtsrat würde der DFB, dieses in Teilen mittelständische Unternehmen, den Anforderungen der Gegenwart genügen.

          Darüber muss zumindest ernsthaft diskutiert werden. Aber einige arrivierte Landesverbandspräsidenten wollen davon offenbar nichts wissen. Sie kommen lieber öffentlichkeitswirksam mit Namen um die Ecke, folgen also ihrer Eitelkeit, statt dem Gebot der Stunde zu gehorchen. Genau das ist das Problem im DFB: Es fehlt an Disziplin und Professionalität im größten Fußball-Verband der Welt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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